Sonntags-Kolumne: Thema Wechseljahre überstrapaziert?

06. August 2023 | immer.dasleben

Versteht mich bitte nicht falsch. Ich finde es grundsätzlich sehr gut, dass endlich über die Wechseljahre gesprochen wird, dass ein Austausch stattfindet. Dass ich mich vor allem in der Perimenopause allein gelassen gefühlt habe, darüber habe ich desöfteren auf verschiedenen Kanälen gesprochen und geschrieben.

ABER – irgendwie regt es mich gerade auf. Ja, die neueste Nachricht: viele Frauen ü50 hören jetzt auf zu arbeiten, weil sie nicht mehr können. Wegen der Wechseljahre. Häh? Ich kann den Artikel nicht ganz lesen, da ich kein SZ-Abo habe, aber geht’s noch?

Stress selbstgemacht

Ich persönlich mache mir meinen Stress immer selber, aber ich bin körperlich fit. Ich fahre einen steilen Hügel rauf mit dem Fahrrad jeden Morgen. (Das konnte ich mit 19, als ich noch geraucht habe, nicht!) Ich muss mich nicht mehr groß um meinen fast erwachsenen Sohn kümmern (und ich bin spät dran 😉). Ich habe Zeit, ich mache schöne Reisen, ich gehe zum Wandern…

Liebe die Natur, schlafe sieben Stunden am Stück, ohne aufs Klo zu müssen. Bin ratzfatz in fünf Minuten eingeschlafen.

Alles Dinge, die ich mit Anfang 40 als Mutter eines Kleinkinds nicht machen konnte. Und dann kommen wir zu den allgegenwärtigen Symptomen: ich schwitze kaum mehr, seit ich keinen Alkohol mehr trinke. Klar, muss ich auf mein Gewicht achten, aber durch viel Bewegung und Proteine krieg ich das ganz gut hin.

Ich öffne zurzeit eine Social Media App und werde überschüttet mit Horrornachrichten: Scheidentrockenheit, Depressionen, Schlafstörungen, dünne Haare, Gelenkprobleme, Haarausfall, Burnout…

Ich mache den Fernseher an: Werbung für Einlagen für Blasenschwäche, jammernde schwitzende Frauen, sogar Männer mit Inkontinenz. Nee, ist das das Bild von uns, das wir in der Öffentlichkeit sehen wollen? Wird gerade nicht ein kleines bisschen übertrieben, um Produkte zu verkaufen?

Oder – wie es Elena Lustig in ihrem vorletzten Newsletter so treffend geschrieben hat:

„Ich will nicht auf die Wechseljahre reduziert werden.“

Sehr interessant sind auch die letzten beiden Beiträge von Sigis Mindful Monday zum Thema – weiter gefasst und mit Simona als Gast. Einen Hashtag hab ich mir dazu bereits überlegt #stillaberstark – gut?

Ich will mich eben entspannt und frei fühlen, das Leben genießen. Aber vielleicht muss das Pendel erst einmal in die andere Richtung einschlagen, um irgendwann vernünftig zu ticken?

Ticke ich noch richtig? Ich bin sehr gespannt auf eure Kommentare…

Eure Ursula

Zur Initiative Blickwechsel, die gerade einen ganz anderen Winkel beleuchtet 😉

Die Fotos stammen aus einem Shooting mit Nina Eder @fo_nina_to

Danke dafür!

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Ursula Gaisa

1968 in Schwandorf geboren. Studium Anglistik und Germanistik. Seit 1994 beim ConBrio Verlag. Journalistin, Buchautorin und Herausgeberin von immerschick.de

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13 Kommentare
  1. Ich gebe dir vollkommen recht! Wer jetzt noch keine Hilfe bei Menopause findet, dann kann sie nicht lesen. Man wird mit Ratschlägen erschlagen, als ob es eine Krankheit wäre. Mittlerweile muss jedes Thema so überstrapaziert werden, dass es unnormal langweilig wird. Wünsche dir einen schönen Sonntag und sende liebe Grüße!

    Antworten
    • Genau, liebe Mira, ich will mich nicht krank fühlen. Es geht mir gut. Auf sich achten, das ist schon wichtig, aber es passiert so viele anderes im Leben. Schließlich sind wir immer schick oder? Vielen Dank fürs Lesen! Ursula

      Antworten
  2. Du sprichst mir aus der Seele, liebe Ursula, manchmal glaube ich, es ist wirklich reine Geschäftemacherei, und manchmal, die neue „me time“ die alte Egozentrik. Ich achte auf mich, ohne mich selbst zu ernst zu nehmen, ohne jedes Wehwechen gleich auszuspielen… und ich fahr gut damit. Bin rundum zufrieden und dank Sport, guter Ernährung und guter Gene auch fit und gesund 😉

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    • Jaaa, liebe Regina, genau so. Auf sich achten, sich bewegen, gut ernähren. Auch die Seele. Alles Liebe Ursula

      Antworten
  3. Liebe Ursula,
    DANKE 🙏 für diese Zeilen! Mir geht‘s genauso. Ich bin ebenfalls genervt.
    Ja, wir sind viele in diesem Alter. Und jedes Alter hat so seine Themen. Aber: Ich brauche nicht für jede Unzulänglichkeit die Öffentlichkeit zu informieren. Und um Bestätigung und Teilhabe zu bitten. Ich muss das nicht sichtbar machen. Und will auch gar nicht wissen, wer warum und wieviel Blasenschwäche, Hitzewallungen etc. hat. Und ja: Manche Leistungsstärke lässt nach. Dafür steigen andere an. Das ist das Leben.
    Die Wechseljahre sind doch keine Krankheit. Jahrelanger Zyklus, Schwangerschaften und sonstige körperliche Veränderungen haben wir doch auch gut hinter uns.
    Also lasst uns leben, mit dem was ist. Und den Moment genießen.

    Antworten
    • Danke liebe Christine, das freut mich, dass du das auch so siehst. Ich fühle mich meistens gut. Und wer ist schon immer auf der Höhe. Lass uns unsere Weisheit und Lebenserfahrung feiern! Herzliche Grüße Ursula

      Antworten
    • Danke für die offenen Worte – genau das denke ich gerade auch oft. Allerdings gibt es seit einiger Zeit auch etliche Firmen mit neuen Produkten und Mittelchen, die an die Frau gebracht werden wollen, und wo dringend Umsatz generiert werden muss. Das merkt man, und dieser Umstand verstärkt natürlich das Thema unter den Influencerinnen. Aufklärung ist ganz sicher wichtig, aber diese gebetsmühlenartig wiederholten Binsenweisheiten wie Bewegung, Sport, gute und ausgewogene Ernährung, genug um sich selber kümmern sind doch „alte Hüte“, die in jeder Lebensphase wichtig sind, und was wir auch vorher schon beherzigt haben. Bei mir waren die Wechseljahre früh, kurz und heftig …. Am schlimmsten war das Gefühl, dass ALLES, ALLES im Alltag zu viel und zu mühsam war. Ob mir da überhaupt jemand hätte helfen können?

      Antworten
  4. Danke Ursula, dass du meinen Mindful Monday mit erwähnt hast und eine ähnliche Meinung vertrittst wie ich. Ich stimme dir vollkommen zu und merke kurz an, dass es mit Sicherheit Frauen gibt, denen es mit den Symptomen schlechter geht als uns, aber dafür gibt es eben Medikamente, Selbsthilfe wie Stressreduzierung, Bewegung, die gesunde Ernährung oder auch Supplements. Aber ich möchte, wie du und viele andere auch, nicht mehr dauernd damit konfrontiert werden.
    Wie du schon schreibst, hat jedes Alter seine Herausforderungen und auch Männer haben sie, in unserem Alter oftmals die Glatze (geht nicht jeder locker und cool damit um) oder Potenzprobleme. Wenn die dann auch alle nicht mehr arbeiten können…..
    Herzliche Grüße und schönen Abend
    Sigi

    Antworten
    • Guten Morgen, liebe Sigi, jetzt musste ich schmunzeln über die Glatze 😉 Und ja, du hast recht. Midlife Crisis etc. Heute knacken meine Gelenke zur Strafe, aber das wird wieder. Freu mich auf volle Power mit dir wieder. Herzlich Ursula

      Antworten
  5. 😂 Bin voll bei Dir! Mir geht es auch auf die Nerven, ABER, ich glaube schon, dass einige Frauen aufgrund von Wechseljahresbeschwerden nicht arbeiten können. Geht hier ja nicht nur um Schwitzen etc. Wenn ich mir nicht professionelle Hilfe beim Gyn geholt hätte, hätte ich auch nicht weitermachen können. Is echt so, mir ging’s sehr schlecht! Das Thema ist wichtig und gerade wird es überstrapaziert in den Medien, weil die Industrie ein mega Geschäft wittert. Ätzend. Und irgendwie machen wir ja alle mit, wenn wir Werbung für Nahrungsergänzungsmittel, Binden, Wimperntusche (🤔🙈) und keine Ahnung noch was machen, oder?

    Antworten
    • Ja, das habe ich ja auch angedeutet. Und von vielen Produkten, die ich selber bewerbe, bin ich auch überzeugt. Ich glaube eben an die Kraft der Pflanzen und nicht an die Pharma Industrie. Ich mag nur nicht immer als schwitzende inkontinente Frau in den Medien dargestellt werden. Das regt mich auf. Dass Frauen geholfen wird, ist doch kein Thema. Liebe Grüße und hab einen schönen Tag, liebe Trina. Ursula

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  6. Ha! Den Beitrag habe ich jetzt erst entdeckt! Ich habe ja mal ganz ähnlich gebloggt (verlinke den Beitrag unten), dafür aber auch sehr viel Kritik bekommen .. 😀 Aber ich sehe es immer noch so: Wechseljahre liegen schwer im Trend und werden entsprechend vermarktet.

    Liebe Grüße,

    Susi.

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    • Liebe Susi, ja, ich war noch vor ein paar Monaten eine vehemente Verfechterin, dass die Wechseljahre unbedingt ins Rampenlicht müssten. Aber gerade wird mir das alles einfach zu viel. Komm gut in die neue Woche! Ursula

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