Vorbilder: Angela Fabel von All Fab Ethical

13. Juni 2024 | immer.dasleben, immer.schick

Die Unternehmerin Angela Fabel wurde an Silvester 1971 in Bremen geboren. Nach dem Abitur zog sie nach Berlin, um Mode-Design an der Hochschule für Technik und Wirtschaft zu studieren. Diese Zeit war geprägt von kreativen und neuen Erfahrungen. Nach ihrem Abschluss zog sie nach Hamburg und startete ihre Karriere in der Modeindustrie, wo sie in einem großen Unternehmen Fast Fashion Designs entwarf.

Berufliche Reisen nach Bangladesh konfrontierten sie mit den schlechten Arbeitsbedingungen, der Armut und der Umweltverschmutzung in der Textilindustrie. Diese Eindrücke berührten Angela Fabel tief und beeinflussten ihren beruflichen Weg nachhaltig.

„Mit der Geburt meines ersten Kindes, einer Tochter, nahm ich Elternzeit. Zwei Jahre später wurde unser Sohn geboren. Aufgrund der Arbeit meines Mannes verbrachten wir dann einige Jahre im Ausland. Diese Phase brachte eine neue Perspektive auf Nachhaltigkeit und Ethik in meine Arbeit ein und verstärkte meinen Wunsch, in der Modebranche positive Veränderungen zu bewirken.“

Warum hast du All Fab Ethical gegründet? Was möchtest du bewirken?

Ich habe All Fab Ethical aus einer Frustration über die Auswirkungen der Fast-Fashion-Industrie und dem Wunsch nach kreativer Arbeit gegründet. Nach meinen Erfahrungen in Bangladesh, wo ich die schlechten Arbeitsbedingungen und die Armut sah, wusste ich, dass ich etwas ändern musste. Als ich selbst Mutter wurde, wuchs mein Wunsch nach einer Welt, in der ethisch produzierte Kleidung die Norm ist. Meine Vision war es, stilvolle Kleidung anzubieten, die unter fairen Bedingungen hergestellt wird.

Mit All Fab Ethical möchte ich das Bewusstsein für nachhaltige Mode stärken und fairere Arbeitsbedingungen in der Modeindustrie fördern. Jedes Kleidungsstück soll Verantwortung und Engagement für eine bessere Zukunft zeigen. Zudem glaube ich fest daran, dass es angesichts der großen Menge an bereits existierenden Textilien keinen Sinn macht, weiterhin neu zu produzieren. Die Vorstellung, dass die gesamte Weltbevölkerung sich 30 Jahre lang einkleiden könnte, wenn ab heute nichts Neues mehr produziert würde, unterstreicht die Notwendigkeit, Textilien wieder in den Kreislauf zu bringen und nachhaltig mit Ressourcen umzugehen.

Was unterscheidet eure Produktion, also der Prozess des Upcycling von der konventionellen Kleidungsproduktion genau?

Unsere Produktion unterscheidet sich grundlegend von der konventionellen Kleidungsproduktion. In der konventionellen Modebranche werden Designs hier entwickelt, dann in Billiglohnländern aus neuen Materialien, oft zu 60% Polyester, produziert und importiert. Dies führt häufig zu Überproduktion, wobei unverkaufte Ware vernichtet wird. Die Kleidungsstücke werden selten getragen und anschließend entsorgt.

Kleid Yuma und Bucket Hat Hellas. Foto von Ursula von Angela Bornschlegel

Unser Upcycling-Prozess beginnt bereits beim Design, das stark von den vorhandenen Alttextilien beeinflusst wird. Wir verwenden Kleidung aus der Altkleidersammlung, Second-Hand-Stücke und Überbestände von Luxuslabels. Diese Materialien reinigen, reparieren und manchmal färben wir, bevor wir sie umarbeiten. Häufig erstellen wir neue Schnitte und nähen die Stücke neu. All dies geschieht in unserem Atelier in Potsdam.

Unser Schneider, der aus der Haute Couture kommt und jahrelang bei Zuhair Murad und Elie Saab gearbeitet hat, ist ein Meister seines Fachs und kann praktisch jede Idee umsetzen.

Diese Zusammenarbeit ist unbezahlbar.

Wir produzieren meist Muster und fertigen dann unsere Stücke auf Wunsch, angepasst an Farbe, Material und Maß. Dadurch entsteht eine besondere Wertschätzung für jedes Kleidungsstück, das zu einem langfristigen Begleiter wird. Unsere treuen Kundinnen schätzen genau diesen individuellen Service und das Besondere an unseren Kreationen.

Es gibt zwei Linien, Sommerkollektion und die Classic Collection, was ist das genau?

Bei All Fab Ethical bieten wir zwei Linien an: Casual und Classic. Während sich die Kollektionen je nach Saison ändern, bleibt der modische Unterschied zwischen ihnen minimal. In der Casual-Linie finden sich Denim-Teile und leichte Alltagskleidung aus Baumwolle und Leinen, die häufig aus recycelter Bettwäsche und Herrenhemden gefertigt sind.

Diese Stücke sind perfekt für den täglichen Gebrauch und verkörpern einen entspannten, lässigen Stil. Auf der anderen Seite umfasst die Classic-Linie gehobenere Kleidungsstücke wie Schurwolle-Röcke, -Westen und _Hosen sowie Hemden und Blusen, die aus Upcycling von Herrenanzügen und Hemden sowie Haute-Couture-Überbeständen aus Seide gefertigt sind. Diese Linie richtet sich an Kundinnen, die zeitlose Eleganz und höchste Qualität suchen. Unabhängig von der Linie reflektieren beide unsere Werte von Nachhaltigkeit und Ethik, indem wir recycelte Materialien verwenden und faire Arbeitsbedingungen fördern.

Das Lieferkettengesetz hat sich geändert, das spielt dir in die Hände oder?

Ich denke es ist noch zu früh, sich über die Veränderungen durch das LKG zu freuen. Zunächst zu den Fakten: In Deutschland gilt das sogenannte Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) bereits seit 2023 für Unternehmen mit mehr als 3.000 Mitarbeitern und seit diesem Jahr auch für solche mit mehr als 1.000 Mitarbeitern – viele Labels aber liegen unterhalb dieser Schwelle.

Auch die jüngst vom EU-Parlament beschlossene Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) sieht vergleichbare Größenklassen für die verpflichteten Unternehmen vor, gewährt jedoch eine 5jährige Übergangszeit für Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern (und muss zunächst noch in nationales Recht überführt werden). Wir müssen also leider davon ausgehen, dass es noch sehr lange dauern wird, bis sich die Bedingungen in Bangladesh und andernorts, wo Mode unter prekärsten Bedingungen gefertigt wird, wirklich verbessern.

Für uns als Upcycling Label deutlich relevanter sind hingegen Regelungen, die einer Vernichtung ungenutzter Textilien entgegenwirken, so etwa das deutsche Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG), die EU Waste Framework Directive (WFD) oder Frankreichs Anti-Verschwendungsgesetz (Loi Anti-Gaspillage). Anstelle Deadstock oder Overstock im großen Stil zu verbrennen oder zu verklappen, eröffnen wir mit unserer Upcycling-Mode den großen Labels einen Weg, ihre Textilien im Kreislauf zu behalten.

Was wünschst du dir für die Fashion Industrie in Zukunft?

Für die Zukunft der Fashion-Industrie wünsche ich mir eine tiefgreifende Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit und Ethik. Es sollte selbstverständlich werden, dass alle Unternehmen entlang ihrer gesamten Lieferkette verantwortungsbewusst handeln, faire Arbeitsbedingungen schaffen und umweltfreundliche Materialien verwenden. Ich hoffe, dass sich die Kreislaufwirtschaft weiter etabliert, sodass Textilien und Kleidungsstücke wiederverwendet, recycelt und in den Produktionskreislauf zurückgeführt werden, anstatt Müll zu produzieren.

Darüber hinaus wünsche ich mir, dass Konsumenten bewusster einkaufen und und ein Verständnis dafür entwickeln, dass eine lokale Produktion ihren Preis hat und bei einem T-Shirt für 5€ immer jemand anderes draufzahlt.

Bluse aus reiner Seide: Overstock von LVMH und Jeans Kate Boss

Zudem wünsche ich mir, dass neue, biologisch abbaubare Fasern weiterentwickelt und vermehrt eingesetzt werden, wie zum Beispiel solche aus Pilzen, Ananas oder Apfel. Diese innovativen Materialien haben das Potenzial, die Umweltbelastung erheblich zu reduzieren. Schließlich muss der Ultra-Fast-Fashion-Markt verschwinden, da er mit seinen extrem kurzen Produktionszyklen und der massiven Überproduktion enorme soziale und ökologische Schäden verursacht. Durch all diese Veränderungen können wir eine Modeindustrie schaffen, die sowohl für die Menschen als auch für unseren Planeten nachhaltig ist.

Widerspruch Slow Fashion, Nachhaltigkeit vs. Gewinn, wer kann dann noch etwas verdienen?

Solange die nachweislich schädliche Fast Fashion-Industrie nicht regulativ stärker eingedämmt wird, bleibt es – gerade für kleinere Labels – sehr schwer, zugleich nachhaltig und wirtschaftlich erfolgreich zu agieren. Viele Konkurse in jüngster Zeit zeugen davon, während Shein und Temu immer neue Erfolge feiern und Player wie H&M und Zara ablösen, die bereits genug Schaden auf der Welt angerichtet haben. Nachhaltige Mode kann ökonomisch tragfähig sein, wenn faire Spielregeln aufgestellt und durchgesetzt werden – Paris schreitet gerade mit gutem Beispiel voran.

AllFabEthical

Circular Fashion

Showroom: Garnstr. 20

14482 Potsdam

www.allfabethical.com

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Ursula Gaisa

1968 in Schwandorf geboren. Studium Anglistik und Germanistik. Seit 1994 beim ConBrio Verlag. Journalistin, Buchautorin und Herausgeberin von immerschick.de

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2 Kommentare
  1. Vielen lieben Dank, liebe Ursula, liebe Angela, für das lesenswerte und vor allem auch informative Interview,

    Ich denke, wenn man wie Angela direkt mit den Auswirkungen von Fast Fashion konfrontiert ist, dann kann man gar nicht anders, als etwas anders machen wollen.

    Von Ellie Saab habe ich ein Secondhand Kleid Zuhause. Da hat mein Herz natürlich höher geschlagen, als ihr über den Hintergrund des Designers gesprochen habt.

    Die Mode gefällt mir von vorn bis hinter, sei es das Ensemble mit Longweste, die Seidenbluse oder das weiße Outfit. Der Hut ist der Hingucker.

    Du hast die Mode auch ganz wunderbar in Szene gesetzt, liebe Ursula.

    Herzliche Grüße an euch beide von Sabina

    Ganz herzliche Grüße Sabina

    Antworten
    • Liebe Sabina, deine Wertschätzung tut wirklich gut. Auch mir, liegt, wie du weißt, fair Fashion sehr am Herzen. Deshalb unterstütze ich solche Projekte lieben gerne. Danke fürs Lesen und Vorbeischauen! Ursula

      Antworten

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