Literaturtipps für den Frühling

Hach schön, entfuhr es mir gedanklich, als ich das Büchlein „Reiz“ von Simone Meier (Kein&Aber) zugeklappt habe. Grob gesagt geht es um Facetten der Liebe – einmal aus der Sicht der Mitfünfzigerin Valerie und auf der anderen Seite um den 19-jährigen Luca. Verknüpft sind die beiden durch den berühmten Schauspieler F., der Lucas‘ Erzeuger und Valeries bester Freund ist. Luca hat seinen Abschluss nicht geschafft und taumelt in diesem Sommer zwischen Fabrikarbeit, Sehnsucht nach einer französischen Klimaaktivistin und Phantasien um eine jung Verstorbene auf einem Friedhof umher.
(Rezensionsexemplare – enthält Affiliate-Links*) Seine Mutter nennt ihn Lämmchen, hat eine lesbische Beziehung, ist Goldschmiedin und lässt ihn so wie er ist. Was und wer er ist, weiß er aber selber noch nicht. Valerie ist Journalistin, hat einen jungen Geliebten, der so alt wie Luca ist, und lässt ihr Leben Revue passieren. Das tut alles gerade gut, entführt in die USA, in einen heißen Sommer ohne Pandemie und in allerlei gut ausgeleuchtete Gefühlswelten. Und unter anderem erfährt man, warum Amazon Amazon heißt. Again what learned 😉
Der große Sommer
Dieses Buch mit seinen wunderbaren Bildern und Gerüchen von einem Sommer ohne Corona (Dumont Buchverlag) habe ich in einem Rutsch durchgelesen. Denn die Feriengeschichte um den 15-jährigen Friedrich, kurz Frieder genannte ist trotz einiger schwerer Themen so leicht und spannend wie eine erfrischende Brise. Keine klassische Dreiecks-, sondern eine Vierecksgeschichte wird hier erzählt. Frieder hat zwei Fünfen, eine in Latein, eine in Mathe und muss nach den Ferien zur Nachprüfung antreten, ansonsten würde er vom Gymnasium fliegen, denn es wäre sein zweites Mal.
Also muss er statt mit seinen Eltern und vieren seiner Geschwister in den Urlaub zu fahren, zum gestrengen Stief-Großvater, um zu lernen. Gut, dass es Oma Nana gibt, die malt, hervorragend kocht und von der er viele Familiengeheimnisse erfahren wird. Seine nur etwas jüngere Schwester Alma bleibt auch in der Stadt, da sie ein Praktikum in einem Altenheim macht. Der dritte im Bunde ist Frieders bester Freund Johann, den ein schwerer Schicksalsschlag ereilen wird. Und Frieders erste große Liebe, Beate, die er im Schwimmbad kennenlernt. Es gibt keine Handys, nur Telefonzellen, Musik wird entdeckt, und es gibt etliche Abenteuer zu bestehen.
Unterbrochen wird die Handlung immer wieder von einem Besuch an einem Grab, was sie spannend vorantreibt. Ewald Arenz ist Gymnasiallehrer und hat den Bestseller „Alte Sorten“ geschrieben. Mit „Der große Sommer“ ist ihm ein tiefgehendes Stück Literatur gelungen, das sich mühelos in die Tradition der Coming-of-age-Tradition einreiht. (erscheint am 26. März 2021)
Hard Land
Auch Benedikts Wells‘ lang erwarteter neuer Roman (Diogenes) dreht sich um einen Sommer, der alles verändert und um einen jungen Helden in ähnlichem Alter. „Hard Land“ spielt im Amerika der 80er-Jahre, und der 15-Jährige hat es nicht leicht. Seine Mutter ist an Krebs erkrankt, sein Vater sehr verschlossen, die große Schwester weggezogen, genauso wie sein bester Freund.
Licht ins Dunkel bringt sein neuer Job in einem Programmkino. Dort findet er neue Freunde und seine erste große Liebe Kirstie, das coolste Mädchen der Stadt. Sommerleicht und mit typischem Tiefgang erzählt Wells diese Coming-of-Age-Geschichte. So plastisch, dass man sich in die eigene Jugend zurückversetzt fühlt und sich sehnlichst wünscht, damals so ein Buch zur Hand gehabt zu haben. „Tschick“ auf Amerikanisch sozusagen.
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Guten Morgen liebe Ursula,
das sind super Buchtipps für den Frühling. „Reiz“ und „Der große Sommer“ haben es mir auf Anhieb angetan. Bei der dritten Empfehlung bin ich mir nicht sicher, aber „Tschick“ habe ich geliebt. Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag.
Liebe Grüße
Sigrid
Liebe Sigrid, Benedikt Wells ist einer meine absoluten Lieblingsschriftsteller. Und heute beim zu Ende lesen, habe ich ein Tränchen verdrückt. Hab einen wundervollen Sonntag! Ursula