Vorbilder: Stephanie vom HEYDAY Magazine

12. November 2023 | immer.dasleben

Stephanie Neubert ist Gründerin und Chef-Redakteurin des HEYDAY Magazines. „Aber eigentlich sehe ich mich eher als Unternehmerin. Denn aus der damaligen Idee, ein eigenes Onlinemagazine zu gründen, ist mittlerweile ein ernst zu nehmendes Business, ein richtiges Unternehmen, geworden. Ursprünglich bin ich Mode- und Beauty-Redakteurin und habe für so ziemlich jedes deutsche Frauenmagazin gearbeitet, das man so kennt. Von Grazia über Gala bis zu Harper’s Bazaar. Deswegen habe ich, bevor ich aus privaten Gründen nach Berlin bezogen bin, in München und in Hamburg gelebt. Denn da sind die großen Verlagshäuser ansässig.“ Im Interview erzählt sie mehr zum Thema, über ihre Lebensaufgabe und ihr Leben als selbstständige Unternehmerin.

Titelbild: Stephanie mit Annette Pinkus, alias Schaali66. Foto: Alicia Minkwitz 

Für wen und warum habt Ihr euer Magazin ins Leben gerufen?

HEYDAY ist DIE digitale Plattform für Frauen, die sich nicht in Altersschubladen stecken lassen. HEYDAY macht Frauen über 40 sichtbar und transportiert einen positiven Blick auf das Älterwerden. Und vor allem macht HEYDAY Mut – Mut auf ein selbstbestimmtes, entspanntes und fröhliches Leben im Alter.

Foto li. (1): Jessica Grossmann, Foto re. (2): Tanja Valérien / HEYDAY

Es gibt es zwei Gründe, die zur Gründung von HEYDAY geführt haben. Der erste ist, dass ich aus dem klassischen Print bin. Einer der Branchen, die schon recht früh von der Digitalisierung betroffen waren. Ich habe den Wandel von Print zu Online hautnah miterlebt – und das war nicht immer einfach. Denn im Laufe der Jahre wurde immer mehr eingespart – und natürlich nicht in den Chef-Etagen. Redaktionen wurden zusammengelegt, Tagessätze von Freien gekürzt, Hefte eingestellt und ständig Leute entlassen.

Auch ich habe zwei Mal meinen Job verloren, weil die Hefte in andere Städte umgezogen sind. Standortwechsel waren Gang und Gebe, um Angestellte loszuwerden.

Der zweite Grund ist, dass mich die Geschichten älterer Menschen schon immer fasziniert haben. Für mich ist es ganz normal, einen generationsübergreifenden Freundeskreis zu haben. Denn meiner Meinung nach kennt Freundschaft kein Alter.

Meine ehemalige, gute Freundin Irmi aus Hamburg, damals 86 Jahre alt, habe ich nicht wie eine Omi behandelt, sondern wie eine Freundin auf Augenhöhe. Umso mehr macht es mich betroffen, dass ältere Menschen und ihre Lebenserfahrung nicht mehr wertgeschätzt werden. Schlimmer noch: Sie werden systematisch ausgegrenzt. Mit HEYDAY setze ich mich dafür ein, dass vor allem Frauen ein wertvoller Teil der Gesellschaft bleiben. Dafür brauchen wir neue Role Models – uns die findet man bei uns.

Stephanie mit Martina Klein, Leonie Lohkamp und Corinna Bernau. Fotos: Alicia Minkwitz / HEYDAY

Hält die Begeisterung und Motivation weiter an oder habt Ihr Durchhänger?

Ohne Begeisterung geht bei mir eigentlich gar nichts. Ich bin nicht der Typ, der sich nur des Geldes wegen durch einen Job quält. Ich liebe das, was ich tue. HEYDAY ist nicht einfach nur ein Magazin für mich – es ist mein Herzensprojekt und wenn es so nennen will, eine Lebensaufgabe.

Klar, habe auch ich regelmäßig Durchhänger. Ich muss ja jeden Tag mutig sein – denn die Monetarisierung eines Onlinemagazins ist in diesen Zeiten nicht gerade einfach. Wir erinnern uns an Edition F und an die Emotion, die beide Insolvenz anmelden mussten. Nur, wenn ich damit Geld verdiene und meine freien Mitarbeiter bezahlen kann, kann ich das Unternehmen auch weiterführen. Von Barter Deals , Klamotten und Hautcremes zum Testen kann ich leider nicht leben. Schon bei der Gründung vor vier Jahren war klar, dass es nicht einfach werden würde. Wir wurden teilweise richtig ausgelacht. „Ein Onlinemagazin für alte Frauen? Die sind doch gar nicht online!“ – hieß es. Von wegen! Und wie die online sind!

Fotos: Jessica Grossmann / HEYDAY

Meine größte Herausforderung ist der Arbeitsaufwand. Mit dem Wachstum des Magazins kommen nämlich immer mehr Aufgaben hinzu. Vieles, was sichtbar ist, aber auch vieles, was auch unter dem Radar läuft. Aktuelle werde ich oft interviewt, bin in Podcasts, in Kampagnen wie der aktuellen SO GERRY Kampagne oder für Awards nominiert wie dem Digital Female Leader Award. Neu ist auch, dass ich als Speakerin zum Thema „Neues Altersbild“ unterwegs bin. Bei mir gleicht kein Tag dem anderen. Vieles ist spontan und unvorhersehbar – auch die Finanzen. Das muss man erst Mal aushalten.

Ich sage immer: Das muss mir erst einmal jemand nachmachen: selbstständig, als Frau alleine, keinen Partner, keine Erbschaft in Sicht, keine Sicherheiten. Ich bin komplett auf mich alleine gestellt.

Was mich immer wieder auf Neue motiviert ist, unsere treue Community. All die vielen Frauen, die mich supporten und mir immer wieder Mut zusprechen. Sie sind es, die mir Kraft geben, weiterzumachen.

Thema Wechseljahre: sehr lang unterm Tisch, jetzt dauerpräsent, ist das gut?

Das Thema Wechseljahre kann man nicht genug supporten. Wir leben ja in unserer aufgeklärten Insta-Großstadt-Bubble. Aber auf dem Land sieht das noch ganz anders aus. Da gibt es noch viel Bedarf an Aufklärung. Schon vor Jahren habe ich Geschichten für Frauenmagazine über Gender-Medizin geschrieben. Das hat niemanden groß interessiert. Gerade ändert sich das. Zum Glück! Meine ehemalige Kollegin Miriam Stein hat mit einem Verbund von Ärztinnen, Wechseljahrsberaterinnen, Apothekerinnen, Journalistinnen, Unternehmerinnen, Aktivistinnen und Influencerinnen die Kampagne #wirsind9millionen ins Leben gerufen. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, die Wechseljahre gesellschaftlich zu enttabuisieren, hinsichtlich des Arbeitsplatzes zu thematisieren und auf die Gesundheitspolitische Agenda zu setzen. Die Aktivistinnen reden nicht nur, sie machen. Zum Tag der Menopause am 18.10. haben sie die Wechseljahre im Bundestag im Rahmen eines fraktionsübergreifenden parlamentarischen Abends zum Thema gemacht. Auch HEYDAY ist Teil dieser Kampagne und unterstützt diese Aktionen.

Du hast 3 Wünsche frei. Was wünschst du dir?

1. Lange Gesundheit für meine Familie und Freunde.

2. Einen Partner auf Augenhöhe, der nicht eingeschüchtert ist von einer Unternehmerin, sondern der mich supportet und so nimmt, wie ich bin.

3. Dass HEYDAY weiter wächst und gedeiht und die Monetarisierung leichter wird. Damit ich mich auf das konzentrieren kann, was wichtig ist: Unsere Message weiter verbreiten.

Netzwerken – unabdingbar oder schwierig?

Netzwerken ist super wichtig – online und auch offline. Seit der Pandemie haben Communities einen immer größeren Stellenwert. Communities können sich über Ländergrenzen hinweg digital vernetzen, austauschen und sehr viel bewegen. Auch bei uns ist die Community das Herz des Magazins. Wir gestalten HEYDAY nicht nur für unsere Community-Members, sondern mit ihnen. Ohne sie, ihre Lebensgeschichten und ihre Interaktion wären wir nicht da, wo wir heute sind. Und alle zusammen sind wir Teil einer weltweiten Gemeinschaft: der Pro-Age-Community. Das Schönste für mich ist es übrigens, wenn sich die Community dann im echten Leben trifft. „The Power of Aging“ – sage ich da nur.

Thema Nachhaltigkeit – welche Rolle spielt das bei dir persönlich und im Magazin?

Als Vintage-Lover lebe ich von Haus aus sehr nachhaltig. Schon seit meiner späten Jugend bin ich auf Flohmärkten unterwegs und kaufe Klamotten, Deko und Möbel von anderen Menschen – hauptsächlich älteren Menschen. Durch meine Flohmarkt-Liebe und die Faszination für alte Dinge und deren Geschichten wurde übrigens auch meine Neugier für ältere Menschen geweckt.

Auch bei HEYDAY spielt Nachhaltigkeit eine große Rolle. In den meisten Onlineartikeln der großen Magazine geht es im Endeffekt nur darum, die Leser*innen zum Kaufen zu animieren. Oft total plump. Ich frage mich dann immer, wer darauf reinfällt. Meiner Meinung nach muss Werbung neu gedacht werden. Solche Kauf-Das-Geschichten machen wir nicht. Wir möchten unsere Leserinnen zum nachhaltigen Konsum inspirieren. Das heißt jetzt nicht, dass wir nur nachhaltige Brands zeigen. Aber wir überlegen schon genau, welche Marken ins Magazin kommen und wie wir Geschichten umsetzen. Deswegen sind auch unsere Kooperationen sehr ausgewählt. Das müssen sie auch sein. Denn was anderes würden unsere Leserinnen uns auch nicht abnehmen. Unsere Leserinnen merken genau, wenn man ihnen etwas andrehen möchte.

heyday-magazine.com

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Ursula Gaisa

1968 in Schwandorf geboren. Studium Anglistik und Germanistik. Seit 1994 beim ConBrio Verlag. Journalistin, Buchautorin und Herausgeberin von immerschick.de

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6 Kommentare
  1. Super interessant und ich finde klasse, wenn man schon vor so eine großartigen Karriere auch in der Vergangenheit sprechen kann. Bemerkenswert! Weiterhin viel Erfolg! PS. das 2 Wunsch, finde ich bisschen traurig, dass Frau sich das immer noch wünschen muss. Alles Liebe!

    Antworten
    • Liebe Mira, du bist aber schnell. Herzlichen Dank fürs Lesen und viele Grüße Ursula. Wunsch zwei muss ich mir gleich nochmal anschauen… <3

      Antworten
  2. Herzlichen Dank für das tolle Interview..du machst hier eine tolle Arbeit auf deinem Blog..und natürlich danke für das tolle Bild mit Stephanie, die eine unglaubliche Arbeit leistet mit @heyday..ich bin Fan von ihr und heyday…ein online Magazin das uns Bestager ein Gesicht verleiht..

    Antworten
    • Guten Morgen, liebe Annette. Schön, dass du gleich vorbei geschaut hast. Netzwerken ist immer gut, meine Meinung. Hab einen wunderbaren Sonntag. Liebe Grüße Ursula

      Antworten
  3. Sehr interessanter Beitrag, ich bin schon lange Heyday- Fan und von Stephanie natürlich auch. Und dieser Blick hinter die Kulissen war einfach super.

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    • Liebe Sigi, das freut mich aber sehr. Toll, was Stephanie alles auf die Beine gestellt hat. Hab einen schönen Sonntag! Ursula

      Antworten

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