Bad Reichenhall: ein Wintermärchen – 5 magische Orte

06. Dezember 2022 | immer.unterwegs

Die Alpenstadt Bad Reichenhall mit rund 19.000 Einwohnern liegt malerisch am Fuße des Predigtstuhls im Berchtesgadener Land. Es ist eine alte Industriestadt und ein Kurort, was sie beides so einzigartig und besonders macht. Als Erstes denkt man natürlich an das Markensalz, das auch heute noch gefördert und verkauft wird. Deshalb starten wir unsere kleine winterliche Städtetour auch in der Alten Saline.*

Kulturzentrum Alte Saline

Die Gebäude der Salzförderfabrik, wie sie heute noch aussehen und unter anderem für eine Kunstakademie genutzt werden, entstanden nach dem letzten von vielen verheerenden Stadtbränden im Jahr 1834. Dreiviertel der Häuser wurden dabei zerstört. Deshalb kann man Originalgebäude von vor der Zeit nur mehr um den Floriansplatz herum besichtigen (Florianiviertel).

König Ludwig I. beauftragte als Erstes die namhaften Architekten Friedrich von Gärtner und Joseph Daniel Ohlmüller mit der Neuerrichtung der Salinenanlage. Alles wurde großzügig geplant – mit viel Abstand zwischen den Gebäuden. Jeder große Stadtbrand, meist durch die Verfeuerung der Sole entstanden, brachte neue Erfahrungen und Erkenntnisse mit sich.

Und das Salz, das weiße Gold, hatte immer noch eine immense Bedeutung. Wie es zu den Einlagerungen in den Alpen vor Millionen von Jahren im Zuge der Kontinentalverschiebung kam, wie es an die Oberfläche geholt und aus den Salinen gewonnen wurde, all das erfährt man in einer Stadtführung und im Museum Alte Saline. Dort sind auch zwei gigantische Wasserräder, die eine Pumpe betreiben, immer noch in Betrieb. Die Führung in die unterirdischen Gänge der alten Industrieanlage ist spannend und sollte man auf keinen Fall verpassen.

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Nur mit durch Salz haltbar gemachte Lebensmittel kam man vor Erfindung der Kühlschränke und anderer Methoden durch den Winter. Heute wird es in Bad Reichenhall und rund um Berchtesgaden weiterhin in modernen Anlagen gefördert. Die Erträge aus der Alten Saline werden nur mehr für Kurzwecke verwendet. Zur Geschichte informiert die Stadt hier umfassend.

Kur- und Bäder-Herrlichkeit

Dass Reichenhall keine verarmte Industriestadt wurde, verdankt sie der frühen und erfolgreichen Etablierung von Kurwanwendungen. Schon 1846 wurden im „Curkaus Achselmannstein“ durch eine Privatinitiative Solebäder verabreicht. Zahlreiche Villen entstanden in der sogenannten „Bädervorstadt“, 1890 durfte sich die Stadt das „Bad“ durch königliche Verfügung vor den Namen setzen und konkurrierte mit den mondänen Kurorten in Europa.

Einige Jugendstilvillen, der wunderschöne Kurpark und das Kurmittelhaus der Moderne, das immer noch Reha- und Kurgäste versorgt, zeugen noch von dieser Hochzeit, der der Erste Weltkrieg das Garaus machte. Wohltuende Solebäder und Massagen kann man hier auch noch als Selbstzahler buchen. Durch den hohen Salzgehalt des Wannenbads schwebt man sozusagen in angenehm temperiertem Wasser und kann dabei den Geräuschen im Park lauschen. Angereichert wird das Solebad noch mit einem Duft nach Wunsch von Lavendel bis Latschenkiefer.

Die Massagen werden von kundigen Physiotherapeutinnen ausgeführt und tun einfach nur gut. Auf der Suche nach Erholung und Genesung finden also hier immer noch Menschen mit den verschiedensten Beschwerden und Diagnosen die auf ihre Bedürfnisse optimierte Kur oder Reha. Mehr unter www.anthojo.de/rehabilitation/kurmittelhaus-der-moderne.html

Gradierhaus

Faszinierend im Kurpark ist das sogenannte Gradierhaus. Um alternativ zum Befeuern, das viel Holz vebrauchte, aus der Sole Salz zu gewinnen, ließ man sie mehrmals über große Flächen mit dornigen Büscheln laufen und bekam so die Konzentration. Diese Häuser erstreckten sich früher über 700 m vor den Toren der Stadt. Ein letzter Rest wird in den warmen Monaten weiter betrieben. Beim Flanieren rundum atmet man die salzige Luft ein, was gesundheitsfördernd ist.

In der Konzertrotunde spielen die Bad Reichenhaller Philharmoniker jeden Abend um 19.30 Uhr außer montags.

Herrlich plantschen und saunabaden, wenn es draußen kalt ist, kann man heutzutage stundenlang auf mehreren Etagen und in heißem und kaltem Thermalwasser zum Beispiel in der Rupertus-Therme, benannt nach dem Stadtgründer. Tipp: nehmt euch viel Zeit und einen Plan vorab. Das Areal ist riesig und erst einmal verwirrend. Für Familien gibt es eine Extra Bad mit Gastronomie. In die Saunalandschaft mit einem tollen Außenbereich kommt man erst mit 16 Jahren.

Shopping, Cafés und Kulinarik – Reber und Juhasz

Das die rotgoldene Mozartkugel, wie sie meisten von uns kennen, ihr Stammhaus in Bad Reichenhall hat, wusste ich bisher auch nicht. Bereits bei meinem Besuch in Salzburg fiel mir auf, dass hier die Originalexemplare in Blau und Silber verpackt sind. Im Café Reber kann man also 100 Variationen besichtigen und kaufen, außerdem gemütlich Kaffee trinken nach Altwiener Art in verschiedenfarbigen Räumen.

Sehr modern dagegen ist das Kaufhaus Juhasz – in den neuesten Teil des Modehauses ist ein stück Stadtmauer integriert, allein das macht einen Besuch lohnenswert. Aber ein weiteres Juwel erwartet einen ganz oben: Die Tagesbar, betrieben von Alexander Seifriedsberger, der bereits in Fuschl am See und bei Heinz Winkler in Aschau gekocht hat, bietet frische moderne Küche, tolles Design und einen wunderschöne Aussicht über die Stadt auf der Dachterrasse. Hier werden auch Vegetarier und Veganer fündig, was ansonsten gar nicht so einfach ist.

Wunderbar auch gerade bei Kälte ist die Teeauswahl, und im angegliederten Interior-Shop gibt es sehr schöne Küchenutensilien, Bücher und Keramik.

Im Bürgerbräu, dem Traditionswirtshaus am Rathausplatz, kann man gut in die Vergangenheit eintauchen, denn die einzelnen Räume waren früher den verschiedenen Zünften zugeordnet. Der vegetarische Spinatstrudel und der Salat waren schmackhaft, sehr netter Service – wie auch im edlen Juhasz.

Ausflug zum Thumsee

Glasklar und still liegt der kleine See 20 Minuten Busfahrt vom Zentrum entfernt mitten in den Alpen. Eine Umrundung lohnt sich zu jeder Jahreszeit, einkehren kann man gut beim Seewirt. Dort ist auch die Bushaltestelle. Es sind wenig Parkplätze vorhanden, deshalb lieber die Buslinie 2 nehmen, die immer um 35min, also zum Beispiel um 9.35 Uhr vom Bahnhof wegfährt. Für Gästekartenbesitzer ist die Fahrt kostenlos, wie auch Zugfahrten nach Berchtesgaden oder Freilassing.

Christkindlmarkt am Rathausplatz

Ein Highlight in der Vorweihnachtszeit und einfach unheimlich romantisch ist der Christkindlmarkt mit Glühwein und anderen Spezialitäten vor dem Alten und Neuen Rathaus. Aufwärmen an heißen Tassen, eine Kabine der Predigtstuhlbahn besichtigen und den Lichterglanz bewundern. Am oben erwähnten Floriansplatz gibt es am Wochenende Marktstände der Reichenhaller Vereine, der Platz mit den historischen Häusern ist auch ansonsten wunderschön romantisch beleuchtet.

Hotel Avalon

Untergebracht waren wir im 4-Sterne-Hotel Garni Avalon gegenüber dem Bahnhof. Die Zimmer sind hübsch und sehr modern – auch die angenehme Lobby mit Bar. Das Frühstück glänzt mit allem, was das Herz begehrt, Hafermilch wurde auf Bestellung sofort gebracht. Der Service auch hier hervorragend. Ein gut gelegenes Haus, um die Stadt, den Kurpark und die nähere Umgebung zu erkunden.

Weitere Tipps:

Lauschtour durch die Stadt: www.bad-reichenhall.de/lauschtour

Wald-Idyll-Pfad Bayerisch Gmain (mit der Gästekarte per Bahn nach Bayerisch Gmain, Start Wanderzentrum)

Wanderung zum idyllischen Listsee (ca. 8 km, 3 Std.)

www.bad-reichenhall.de

* PR Einladung/Recherchereise

Ursula Gaisa

1968 in Schwandorf geboren. Studium Anglistik und Germanistik. Seit 1994 beim ConBrio Verlag. Journalistin, Buchautorin und Herausgeberin von immerschick.de

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2 Kommentare
  1. Ein sehr interessanter Bericht. Macht Lust dorthin zu fahren.
    Liebe Grüße
    Roswitha

    Antworten
    • Das freut mich sehr, liebe Roswitha. Kann es nur empfehlen. Es lohnt sich. Beste Grüße! Ursula

      Antworten

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