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Adieu Franz! – Abschied von einem geliebten Hund

26. November 2021

Das ist ein sehr persönlicher Post, aber vielleicht hilft er einigen, die jetzt oder irgendwann das Gleiche durchmachen. Vorgestern mussten wir uns von unserem geliebten Parson Russell Franz verabschieden. Ja, er ist sehr alt geworden. Im Februar hätte er seinen 17. Geburtstag feiern können.  Und ja, es tut trotzdem so furchtbar weh.

Als ich Franz das erst Mal sah, war er noch blind und knapp zwei Wochen alt. Mein Vater war schwer krebskrank damals. Ich besuchte ihn in meiner alten Heimat, so oft es ging. Im März 2005 meinte meine Mama, ich solle doch mal den Wurf einer Nachbarin anschauen. Franz war der Dickste, auf seinem Rücken war eine Zeichnung, die aussah wie ein Herz. Eigentlich war ich allergisch gegen Hundehaare, komischerweise war es bei dieser Rasse nicht so. Ich habe mich unsterblich verliebt.

Die Reaktionen meiner Umwelt nach der Verkündung, dass ich diesen Hund brauche, gingen alle in die gleiche Richtung: „Du bist doch allergisch“, „Das ist eine große Verantwortung“ und und und. Das mit der Allergie habe ich natürlich ausgiebig getestet. Als er größer wurde, überließ uns die Nachbarin oft sogar mehrere Hundchen kurz, wir durften sie mit zu meiner Mutter nehmen. Sie erfreuten auch meinen kranken Papa.

Liebe auf den ersten Blick

Im April war es dann so weit: wir durften ihn mit nach Hause nehmen. Franz sollte er heißen, ein bayerisches stämmiges Alphatier. Ich wollte nur ihn. Es war Liebe auf den ersten Blick. Ein Jahr später wurde unser Sohn geboren. Dazwischen lagen der Tod meines Vater, viel Hundeerziehung, einige hilfreiche Bücher, um ihn besser zu verstehen. Mehrere Fellpantoffeln, die nicht überlebt haben. Ausgefallene Milchzähne auf dem Wohnzimmerteppich. Uns war vorher auch nicht klar, dass ein Hund „eingenordet“ werden muss. Er seinen Platz im Rudel zugewiesen bekommen muss. Und dass er sich besser nicht als der Chef des Ganzen fühlen sollte 😉

Er brauchte als Jagdhund viel Bewegung, Zuwendung und musste immer gefordert werden. Andererseits machte er uns über die Jahre so viel Freude. Er akzeptierte unseren kleinen Sohn sofort, passte auf ihn auf, wollte ihn sauber machen. Die beiden wuchsen wirklich wie zwei ungleiche Brüder auf. Vieles ist passiert: dreimal wurde er in Hundeauseinandersetzungen verletzt, einmal sehr schwer. Er ist in einen Angelhaken getreten, Zahnstein musste ihm in Vollnarkose entfernt werden. Ein Glassplitter ließ ihn lange hinken, bis ich ihn entdeckte und er entfernt werden konnte.

Er war sehr viril, lief den Weibchen nach und kam aber immer wieder zurück. Trotzdem hat er sich während so eines Ausflugs schwer erkältet. Alle ein bis zwei Jahre ließen wir ihn deshalb hormonchipen. Er hat nie einen Menschen verletzt, war stolz und elegant. Und selbst, wenn man nur nach einer halben Stunde wieder kam, hat er sich so gefreut. Jedes Mal.

Leben mit einem Senioren

Kurz bevor wie – vor Corona – 2019 ohne ihn nach Kroatien fahren wollten (meine Mutter und Schwiegermutter haben sich, wenn wir im Süden waren, immer eine schöne Zeit mit ihm gemacht, denn Franz ist nie geschwommen), fiel er beim Gehen fast um. Die erste altersbedingte Störung, die aber wieder verging. Danke an unsere wunderbare Ärztin, die sogar an einem Samstagabend vorbei geschaut und uns beruhigt hat.

Mit der Zeit wurde er immer stiller, wollte nicht mehr spielen, lange Spaziergänge erschöpften ihn. Im Frühling fiel es ihm immer schwerer, die Treppe zu gehen. Wir wohnen im dritten Stock. Seitdem haben wir ihn samt seiner stattlichen 15 kg getragen. Im August begann er, seine Hinterläufe schleifen zu lassen. Wir gingen natürlich sogar zu zwei Ärzten, die sagten, es sei altersbedingt, eine Nervenstörung, die nicht schmerze.

Wir nahmen ihn nochmal mit in den Urlaub an die Ostsee, da ist das Beitragsbild oben entstanden. Viel unternehmen konnten wir nicht mehr, er schürfte sich die Hinterpfoten auf, da sie sich nach innen zogen. Kauften ihm auf Rügen noch Schuhe, die er aber nicht als angenehm empfand. Pflaster gingen besser.

Vergangenen Donnerstag erbrach er die ganze Nacht, fraß zwei Tage nicht. Er schaffte keine drei Schritte mehr, musste zur Wiese getragen werden. Dort stand er dann, roch etwas, aber konnte nicht mehr hinlaufen. Es wurde Zeit ihn zu erlösen. Gar nicht so einfach jemanden zu finden, der in diesen Zeiten nach Hause kommt. Danke an das nette Frauenteam. Er starb in unseren Armen, und wir konnten ihn im Garten meiner Mama begraben.

Und jetzt ist da so viel Leere und Trauer und Tränen. Es ist so sauber und still in der Wohnung. Niemand bringt es übers Herz, sein Körbchen wegzuräumen oder die Teppichstücke, die wir überall verlegt haben. Aber mir wird durch das Schreiben etwas leichter.

Die letzten Wochen waren schwer, er hat oft in den Flur gepinkelt. Draußen stand er oft minutenlang orientierungslos, regungslos. Ein Tier wird nun mal nicht so alt wie wir. Das zu akzeptieren ist so kaum aushaltbar. Bye bye Franz, du warst der Beste, wir werden dich nie vergessen. Ich sehe und rieche dich überall. Du fehlst uns unendlich.

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2 Comments

  • Reply Claudia Braunstein 27. November 2021 at 21:41

    Liebe Ursula, so traurig und ich kann das alles so gut nachvollziehen. Wir hatten immer einen Hund, bis zwei Jahre vor meiner Krebserkrankung. Ich konnte mich nach dem Tod unsres letzten Hundes nicht mehr für einen neuen entscheiden. Letztlich war das gut so, denn während meiner Erkrankung hätte kein Tier Platz gehabt. Inzwischen hat mein ältester Sohn einen entzückenden Mischling aus dem Tierheim, der reicht mir, um meinen Bedarf an Hund abzudecken. Ich wünsche dir alles Liebe, um über die Trauer wegzukommen. Herzliche Grüße aus Salzburg, Claudia

    • Reply Ursula Gaisa 28. November 2021 at 10:14

      Vielen Dank, liebe Claudia. Ja, wir hätten nie gedacht, dass man an einem Tier so hängen könnte. Haben ihn über alles geliebt. Unser einziger Trost ist, dass wir ihm bis zum Schluss hoffentlich ein gutes Leben ermöglicht haben. Danke, dein Mitgefühl hilft auch! Ich grüße dich ganz herzlich. Ursula

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