Alles anders – sogar GNTM

27. Februar 2021 | immer.dasleben

Tja, der zweite Frühling in der Pandemie ist angebrochen, und immer noch ist alles anders als sonst. Sogar Heidi Klum muss frieren. Ich bin ja bekennender GNTM-Junkie. Und am Anfang der Staffel war ich echt begeistert: Diversität in allen Facetten. Kleine Influencerinnen dürfen jetzt auch mitmachen, geflüchtete Schönheiten und auch wieder kurvige Selbstbewusste und das übliche schöne Mädchen, das einmal ein Junge und im falschen Körper war früher. Gut, sehr gut.

Gedreht wurde Pandemie-bedingt dieses Jahr in Berlin, und Heidi hat irgendwie keine Lust auf draußen. Gestern saß sie mit Ellen von Unwerth frierend vor dem Hotel Adlon, und nach dem ersten Nackt-Walk, der natürlich keiner war, denn es gab Höschen und Schaum vor den Busen, hatte sie zum Schluss nicht mal mehr den Nerv zum Fotos verteilen. Das erledigte eins der Mädchen. Das kennt sie nicht mehr uns Klumsche – die kalten Winter am Brandenburger Tor. Menschenverlassen noch dazu. Vielleicht hat sie diesen Schritt ins winterliche Deutschland schon bitter bereut, Tom und heiße Schaumbäder – wahrscheinlich im Adlon werden sie hoffentlich getröstet haben.

Trost in der Krise?

Und was tröstet uns? Auch die endlos Geduldigen und immer Vernünftigen unter uns geht dieser Lockdown langsam auf die Nerven. Mir jedenfalls. Ja, wir müssen nicht frieren, ja, wir müssen nicht hungern. Aber wie schon Matthäus in der Bibel festgestellt hat: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“. Und ich spreche jetzt nicht von Party machen, was die armen jungen Leute mit Sicherheit und zu Recht schmerzlich vermissen, auch nicht von teuren Flugreisen nach Kenia. Nein, es geht um so simple erholsame Erlebnisse wie einen Kinobesuch, ein Essen mit einem befreundeten Paar, ein kurzes Wochenende in einem netten Hotel in den Bergen.

Wann ist der Mensch ein Mensch?

Der Mensch ist kein Mensch, um nur zu überleben und zu arbeiten. Das ist kommunistisch und protestantisch, beides hat noch nie lange funktioniert. Aber Jammern hilft nichts. Was können wir tun: gerade raus in die Natur, wo wir alle anderen lebenshungrigen Menschen antreffen, die eigentlich im Biergarten, auf Mallorca oder im Kaffeehaus sitzen würden. Wir haben Netflix und Bücher, die uns träumen lassen. Und wir haben die Hoffnung, denn sie stirbt bekannterweise zuletzt. In diesem Sinne: schönes Wochenende. Demnächst Literaturtipps zum Frühling, Modeinspirationen von Ela und mir und viele neue Rezepte. Habt es gut.

Ursula Gaisa

1968 in Schwandorf geboren. Studium Anglistik und Germanistik in Regensburg. Seit 1994 beim ConBrio Verlag. Journalistin, Buchautorin und Herausgeberin von immerschick.de - liebt Nachhaltigkeit, den Slow Lifestyle, Kunst und natürlich Musik. Chefin vom Dienst der neuen musikzeitung, Porträts für Politik & Kultur, die Zeitschrift des Deutschen Kulturrats. Gründungsmitglied der Bavarian Giants, HSP und neurodivergent...

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2 Kommentare
  1. Liebe Ursula,

    herzlichen Dank für Deine Worte.
    Der Frust ist groß, wobei es sich nicht mehr nur um Frust handelt.
    Ich glaube die Menschen haben es satt wie kleine, unmündige Kinder behandelt zu werden.
    Und während die Einen noch inihrer Angst verharren, die verursacht durch die schreckliche Szenarien in den Medien alles logische Denken blockiert , sehen Andere Widersprüche, fangen an nachzudenken, beginnen zu rechnen…

    Ich muss gestehen GNTM finde ich schrecklich, weil die jungen Mädchen für gute Einschaltquoten, für das Prestige Anderer ausgenutzt werden.
    Welcher junge Mensch würde nicht Alles tun um sich seinen Traum zu erfüllen?
    Mit diesen Sehnsüchten und Träumen wird gutes Geld gemacht auf Kosten des Träumenden.
    Ich finde diese Art mit Menschen umzugehen abgründig.

    Ja ich gestehe auch, ich habe mit meiner Nichte, damals vor 5-6 Jahren viele Folgen angeschaut und war begeistert.
    Diese Begeisterung ist schon lange weg.

    Liebe Ursula nochmals Danke für diesen Bericht.
    Und ich freue mich immer von Dir auf Insta zu lesen und zu sehen.

    Von Herzen
    Virginia
    ( natuerlich.gina)

    Antworten
    • Liebe Virgina, danke für deinen tollen Kommentar. Und ja, du hast natürlich recht. Man fragt sich auch, warum diese vielen vielen Mädchen heutzutage immer noch den einzigen traum von der Modelkarriere haben. Ich denke aber, sie wissen ganz genau, auf was sie sich einlassen. Sie schauen ja alles selber seit Jahren. Aber gut. Bei allem anderen stimme ich dir voll zu. Bis bald mal auf Insta, danke, dass du zum Lesen gekommen bist. Das tut so gut! Ich wünsche dir einen tollen Wochenstart! Ursula

      Antworten

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