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Schönheit kommt durch schöne Gedanken – ein Interview mit Sonja Haueis

24. September 2019

Sonja Haueis wurde mit 20 Mutter und hat schon sehr viel in ihrem Leben gemacht und erfahren. Auf ihrer Internet-Plattform Happymemagazin ermutigt sie Frauen, sich über ihre Ziele klar zu werden. Außerdem fliegen ihr die Ideen ständig um die Ohren…

Sonja, erzähl’ doch kurz, wie dein Leben bisher so verlaufen ist und was du jetzt machst…

Ich habe in meinem Leben schon ziemlich viel und ziemlich unterschiedliche Dinge gemacht. Lange hatte ich so ein leises Gefühl, nicht wie andere zu sein. Die machen eine Ausbildung und bleiben dann 40 Jahre bei derselben Firma, basta. Das war definitiv nichts für mich, und heute weiß ich, dass ich vielbegabt bin. Es scheint, dass das Universum alle kreativen Ideen in meine Richtung sendet. Wer das Buch „Big Magic“ von Elizabeth Gilbert gelesen hat, weiß, wovon ich rede. Elizabeth sieht Ideen als Energien, die einen Menschen suchen, der sie in die Tat umsetzt. Ich bin sicher du kennst das auch: da kommt von irgendwo ein Gedanke, flüchtig nur, eine Idee, die dir einen Moment hängen bleibt. Wenn du nun bist wie ich, dann wird die Idee sehr laut und fordernd, fast ein bisschen frech. Und da ich bin wie ich bin, höre ich meistens darauf und folge ihr.

Andere denken 2,5 Minuten darüber nach und verwerfen sie gleich wieder: „Zu umständlich, das haben andere auch schon versucht, dazu habe ich keine Zeit, vielleicht später und so weiter“. Die Ideen sind aber nicht sehr geduldig, nimmt man keinen Kontakt auf, suchen sie sich jemand anderen, der sie ernst nimmt. Auch da gibt es Beispiele, hattest du nicht schon mal eine Idee, die du auf später, wenn du dann Zeit hast, verschoben hast, und die dann plötzlich real wurde, aber von jemand anderem ins Leben gerufen wurde? Nicht? Ich schon, obwohl ich ja fast alles einmal versuche, bevor ich es verwerfe. In meinem Fall wäre es wohl besser gewesen, Big Magic nicht zu lesen, denn seitdem ich weiß, dass Ideen nur begrenzt geduldig sind, bin ich noch mehr in Zeitnot.

Aber du möchtest ja eine Art Lebenslauf von mir haben. Nachdem ich eine Lehre als technische Zeichnerin absolviert hatte, heiratete ich mit 20 und bekam gleich zwei süße Mädchen. Fünf Jahre später war ich geschieden und begann meine Karriere im IT-Business. Damals war das noch kein Begriff wie heute, ich starrte noch auf schwarze Bildschirme mit orangen Ziffern und Buchstaben.

Anyway, diese Technik-Affinität führte am Ende zum diplomierten Webmaster und zur eigenen Webagentur. Zeitgleich bildete ich mich als Erwachsenenbildnerin weiter und in der Fotografie. Die Fotografie war es dann auch, die mir den Ärmel hereinzog, wie wir Schweizer zu sagen pflegen. Ich schlich mich langsam aus dem Webbusiness raus und stieg in die Fotografie ein. Parallel dazu baute ich mir ein Coaching-Business für junge Kreative auf und einen Shop mit digitalen Marketingprodukten. Diesen Shop habe ich mittlerweile verkauft. Ich hatte unendlich viel Freude daran, ihn zu entwickeln und zum Leben zu erwecken. Als ich dann ein gutes Angebot bekam, habe ich sofort zugegriffen, andere Ideen wollten schon länger in die Realität umgesetzt werden:-)

Sicherheit, Geborgenheit, Selbstliebe und Selbstwert

Meine Leidenschaft gilt jetzt Themen, die zu mehr Wohlbefinden führen. Ich glaube nicht, dass wir hier auf Erden sind, um uns krumm zu arbeiten, das muss einen anderen Sinn haben. Diesen zu ergründen, ist aktuell meine absolute Priorität. Das kommt nicht von ungefähr. Große gesundheitliche Probleme führten dazu, mein Leben wirklich ehrlich anzuschauen und auch auf die Dinge zu blicken, die ich 40 Jahre lang verdrängt hatte.

Das ist nicht unbedingt ein Zuckerschlecken und sicher nicht der einfachste Weg, aber es bringt dich zu deinem inneren Kern, dem Wesen, das du in Wahrheit bist. Es gibt Sicherheit, Geborgenheit, Selbstliebe und Selbstwert. Früher konnte ein Windhauch mich aus dem Gleichgewicht bringen, das schafft heute nur noch ein Orkan, denn ich bin mir meiner selbst sehr bewusst. Das heißt nicht, dass es damit getan ist. Persönlichkeitsentwicklung ist ein lebenslanger Prozess. Wer sich dessen bewusst ist, der hat‘s einfacher. Wen es interessiert, meine Krankheitsgeschichte gibt‘s hier zu lesen.

Thema Ernährung

Der Prozess durch diese gesundheitlichen Talfahrten führte dazu, dass ich mich intensiv mit der Ernährung auseinandergesetzt habe. Ich habe mich sogar zur ganzheitlichen Ernährungs- und Gesundheitsberaterin ausbilden lassen. Der Mensch ist ein Ökosystem, genau wie die Erde. Wie die Erde in deinem Garten bestimmt, was wächst, wie es wächst oder überhaupt, ist der Darm des Menschen dafür verantwortlich, ob unser System funktioniert oder nicht.

Wir sind mehr Bakterien als Mensch, und das fasziniert mich bis ins Knochemark 🙂

Sonja Haueis

Dieses Wissen und die Umsetzung daraus haben mir mein Leben zurückgegeben. Ich fühle mich so wohl wie nie zuvor in meiner Haut. Mit der Ernährung ist es aber nicht getan, das wurde mir rasch klar. Was ich durch die Ernährung aufnehme, ist enorm wichtig, aber ebenso wichtig und entscheidend ist es, was ich über die Haut oder den Atem in meinen Körper bekomme. Da haben wir nicht immer die Möglichkeit zu wählen, aber bei ganz vielen Dingen schon. Wie etwa die Kosmetik, die Haarpflege, die Putzmittel usw.

Bei der Kosmetik bin ich schon lange auf gutem Wege, vieles mache ich mir selber, und was ich kaufe, ist mit Sicherheit natürlich, ohne Parabene und immer ohne Tierversuche. Bei der Haarpflege dauerte mein Erwachen etwas länger. Allerdings verwendete ich auch da ein “vermeintlich” natürliches Produkt für graues oder helles Haar.

Vor zwei Jahren entschloss ich mich, keine Strähnchen mehr zu färben.

Zum einen war die Farbe nicht mehr das schöne klare Blond, sondern wurde durch den Grauanteil mehr und mehr orange. Zum anderen fiel mir wie Schuppen von den Augen, was ich mir da regelmäßig für Gifte auf den Kopf klatschten ließ. Nach 30 Jahren Strähnen hatte ich sowieso keine Ahnung mehr, was meine ehemals mittelblonden Haare für eine Farbe hatten. Also dachte ich mir, lass dich überraschen, gefärbt ist in zwei Stunden wieder, falls ich damit unglücklich sein sollte. Der Punkt kam nie, ich bin unendlich dankbar für diese Entscheidung.

Mein Haar war das letzte Mal vermutlich mit zehn so gesund, kräftig und voller Leben.

Ich hatte aber Glück, ich habe ein sehr helles fast weißes Grau das sich ganz fantastisch mit der Naturfarbe, die immer noch mittelblond ist, mischt. Es hatte fast gar keinen Ansatz beim Herauswachsen, und es war und ist wie eine Wundertüte. Ständig ändert sich etwas, mal hatte ich eine ganz dunkle Strähne vorne am Pony oder eine ganz weiße mitten im Scheitel. Mit der Naturfarbe hat sich auch etwas in mir geändert. Oder das, was sich über die Zeit entwickelt hat, hat dazu geführt, dass ich ganz zu meinem Grau stehen kann.

Auf jeden Fall ist es eine Frage der Haltung, grau zu werden.

Nur wer wirklich von sich überzeugt ist, kann das tun, und das meine ich nicht abwertend. Es kann schwierig sein, die Umwelt ist nicht immer freundlich, wenn es um das Thema geht, obwohl ehrlich, ich werde so oft positiv auf meine Haarfarbe angesprochen, sogar von Männern! Das zeigt doch, wie viele sich damit auseinandersetzen. Ich meine, weißt du wie viele junge Menschen mit 25 bereits graue Haare bekommen? Viele! Die Panik die sie bei den ersten grauen Haaren bekommen ist doch einfach schrecklich oder? Aber zum Glück ist da was im Tun, immer mehr Frauen stehen dazu, und das Interessanteste ist, dass viele der Vorzeige-Silverhair Women auf Instagram, zu ihrer Naturhaarfarbe-Zeit überhaupt keine ausgeprägten Persönlichkeiten waren.

Die grauen Haare haben das aus ihnen herausgehohlt, was schon immer da war. Präsenz, Charakter und Persönlichkeit.

Ein bisschen was hat es für mich auch mit Würde zu tun. Würdevoll zu altern, ist ja ein Schlagwort. Eines das, zumindest in meiner Welt mit Botox, Lifting, Silikonbrüsten, Hyaluron, Haarextensions usw. eng zusammenhängt. Ich finde es nicht würdevoll, sich mit allem möglichen vollzuspritzen, Schmerzen auf sich zu nehmen, Unmengen von Geld auszugeben und dabei noch derart in einen gesunden Körper einzugreifen. Für wen eigentlich? Aus Angst nicht mehr zu gefallen? Wem denn?

Es ist wirklich so, Schönheit kann nicht gemacht werden, Schönheit kommt durch schöne Gedanken – vor allem über sich selbst. Diese Energie führt dazu, dass Menschen jemanden schön finden, egal ob du Modelmaße hast, gestrafft bist oder vom Leben gezeichnet.

Das heißt aber nicht, dass es nicht Spaß machen darf, sich zu pflegen und schön zu machen. Im Gegenteil, ich habe weit mehr Spaß an meiner Pflege, seit ich haargenau weiß, was für Zutaten ich mir eincreme. Seit ich weiß, dass ich eigentlich alles auch essen könnte, was ich nutze (es schmeckt aber nicht immer:-) finde ich meine Pflege noch luxuriöser als in meinen 30-ern, in denen es nicht teuer genug sein konnte.

Heute ist weniger mehr, in meinem ganzen Leben, dafür alles in hoher Qualität.

Damit komme ich auf das vermeintlich natürliche Silbershampoo zurück, was es eben nicht ist. Zu der Zeit als ich mich entschloss, nicht mehr zu färben, befasste ich mich bereits mit Fragen zum Umweltschutz und der Nachhaltigkeit. Ein Shampoo besteht aus über 90 Prozent Wasser, was im Grunde genommen eine schreckliche Verschwendung ist. Ganz zu Schweigen von den Emissionen, die der Transport durch das erhöhte Gewicht ausmacht. Eine Idee, die mir zuflog, wollte eine völlig natürliche Haarseife für graue Haare werden 🙂 Das spezielle an Silbershampoos sind die violetten Farben. Violett hebt den Gelbstich auf der oft mit grauen oder weißen Haaren kommt. Auch Blonde oder Blondgefärbte haben dieses Problem oft. Sogenannte Silbershampoos enthalten Farben und Wirkstoffe die dagegen wirken.

Ich begann also damit mit violetten und blauen Pflanzenfarben zu experimentieren.

Von den herkömmlichen Haarseifen bin ich allerdings schnell abgekommen. Seifen sind superbasisch und sind für die Haare absolut ungeeignet. Der Ph- Wert der Haare liegt zwischen 4.5 und 5.5, eine Seife mit Ph-Wert 8-9 (kann sogar noch höher sein) stellt die Schuppen derart auf und trocknet das Haar sehr schnell völlig aus. Die nächsten Schritt waren feste Shampoos und Conditioner. Das stellte sich als perfekte Lösung heraus, und nach tatsächlich monatelanger Entwicklung, stehen nun die Formulierungen. Die festen Shampoos und Conditioner sind bald erhältlich. Es wird sie für verschiedene Haartypen geben, nicht nur für Silverhair Women 🙂

Puurpur ist geboren

Aber das allerbeste, worauf ich am meisten stolz bin, ist die Tatsache, dass unser Produkt wirklich eine absolute Neuheit ist. Auch diese Idee ist mir zugeflüstert worden, und ich bin unendlich dankbar dafür. Unsere Shampoo- und Conditionerbars nennen sich Macrons. Sie sind zwei in eins und zwar nicht alles in einer Masse (was für mich keinen Sinn macht), sondern hübsch getrennt und trotzdem in einem soliden Stück. Eine Seite Shampoo, eine Conditioner, ganz wie das Bedürfnis ist. Wir werden auch eine Mini Serie anbieten, die sowohl als Probiererli- als auch Reiseset dienen. In einem weiteren Schritt sind Produkte wie ein Face Cleaner, ein Body Cleaner und ein solides Deo geplant. Wenn ich übrigens im Zusammenhang mit Puurpur von wir und uns spreche, dann schließe ich meine Kinder damit ein. Puurpur hat das Potenzial, wirklich etwas mit Substanz zu werden, und mein schönstes Langzeitziel sieht Puurpur als Familien-Firma.

Du hast das Happymemagazin ins Leben gerufen, was genau ist das und was und wen willst du damit erreichen?

Das Happymemagazin ist mein digitales Zuhause. Nicht dass ich noch keine Website hätte:-) Aber diese liegt mir am Herzen. Hier gehe ich Themen an, die mich bewegen, und hier versuche ich, so ehrlich und offen zu sein, wie es möglich ist. Happymemagazin ist meine ganz persönliche Seite, hier setze ich mir selbst keinen Druck auf Content zu veröffentlichen. Was fließt, das fließt, sonst lass ich es sein. Ich verdiene ja nichts damit. Die Feedbacks auf meine Mails sind es die mir zeigen, weniger ist mehr und ehrlich zu sein wird in einer Welt wie dieser, immer wichtiger.

Ist 50 das neue 30?

Nein, so krass sehe ich das nicht. Aber mit Sicherheit sind wir jünger als noch vor 20 Jahren. Wir sind fitter, haben mehr Möglichkeiten, uns hübsch zu halten und überall mitzureden. Von daher sind wir anders als es unsere Mütter noch waren. Vor 40 Jahren noch, waren Scheidungen beinahe undenkbar, eine Frau, die es doch tat, wurde fast als Schlampe betrachtet. Mit Sicherheit war sie schuld und nicht der arme Mann. Also blieben die Frauen und ließen sich erniedrigen und demütigen. Vieles ist besser geworden, aber es liegt noch ein langer Weg vor uns und ein großes Stück wird von uns Frauen selber blockiert.

Wenn ich darf, verweise ich gerne auf einen ausführlichen Artikel, den ich im Rahmen einer Blogparade darüber geschrieben habe? – „Gestern war ich noch sexy, heut bin ich heiß“.

Deine Ziele für 2020?

  • In erster Linie wünsche ich mir, weiterhin gesund zu bleiben, damit ich meine Familie in vollen Zügen genießen kann. Was ich vermehrt tun möchte.
  • Puurpur zu starken Beinen zu verhelfen
  • Ein weiteres Buch zu schreiben: lieber schlampig als zickig

Alle Fotos wurden mir von Sonja zur Verfügung gestellt.

Buchcover ist ein Affilatelink

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2 Comments

  • Reply Sonja Haueis 24. September 2019 at 12:16

    Lieben Dank Ursula! Hat mich sehr gefreut und weiterhin soviel Elan und Freude an dem was Du tust!

    • Reply Ursula Gaisa 24. September 2019 at 12:42

      Es ist mir eine Ehre, liebe Sonja. Ich wünsche dir ganz viel Erfolg mit Puurpur! <3

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