Lesen: die besten Bücher für den Frühling 2026

02. April 2026 | immer.kreativ

Auch wenn der Sperling und alle Vögelchen piepen, alles ins Freie strömt, Lesen geht jetzt besonders gut auch wieder auf dem Balkon. Wie immer viele Familiengeschichten, die mag ich einfach besonders. Die Auswahl ist wie immer völlig subjektiv, aber kommt von Herzen. Und los geht’s.*

Katja Früh: Vielleicht ist die Liebe so (Diogenes)

Die nicht mehr ganz junge Erzählerin Anja, getrennt lebend von Drehbuchschreiber Carlos, wird eines schönen Tages mit der Nachricht konfrontiert, dass sich ihre knapp 70-jährige Mutter am 18. Februar um 16 Uhr das Leben nehmen wird. Geplant, sanft, mit Arzt und schnell wirkendem Gift. Warum? Weil sie nicht noch älter, faltiger und unattraktiver werden will, in erster Linie. Sie will Krankheit und Verfall ganz einfach zuvorkommen. Das muss frau erst einmal verdauen.

Und dann ist ja da noch der geliebte Hund, des die Tochter vorsorglich töten soll, denn ihnen Frauchen könne er nicht leben. Sagt Frauchen. Das Schwere erzählt Katja Früh mit viel Humor und Leichtigkeit. Dabei bleibt das Ganze auch noch voll spannend. Wird die exzentrische Lebedame den Plan wirklich umsetzen? Oder blufft sie, weil sie wieder einmal die volle Aufmerksamkeit ihrer Umwelt möchte? Den Hund kann Anja jedenfalls nicht umbringen, er lebt heimlich weiter. Carlos, dem sie immer noch schwer hinterher trauert, bekommt ein Kind mit einer anderen. Und dann kommt noch der Kindheitsfreund Benjamin ins Spiel, der Sohn von Nelly, Mutters Freundin.

Liebevoll gezeichnete und vielschichtige Charaktere wie auch Barbesitzer Mike, der Anja in allen Lebenslagen beisteht, bevölkern eine irrwitzige Familiengeschichte um einen geplanten Suizid. Mit großem Vergnügen gelesen.

Nora Gomriger: Am Meerschwein übt das Kind den Tod (Voland & Quist)

Die Entdeckung meines Jahres 2026 ist jetzt schon die Lyrikerin Nora Gomringer, die sich auf jeden Fall auch um den Preis für den besten Buchtitel bewerben könnte. Als Tochter des berühmten Lyrikers Eugen Gomringer, der als Begründer der Konkreten Poesie gilt, und als drittes Kind ihrer Mutter, die vor ihrer zweiten Ehe schon zwei ältere Halbbrüder geboren hatte, wuchs sie in Wurlitz bei Hof in Oberfranken auf. Sie erinnert sich im Buch vor allem an ihre Mama Nortrud, eine begabte Germanistin, die 2020 nach schwerer Krankheit starb:

„Sie hinterlässt drei Kinder und einen Bindestrich. Sie hinterlässt mir ihre Freundinnen, ihre Bibliothek, ihr Unbehagen. Ich schreibe ihr hinterher als vermissende Tochter, als wütende Frau, als verstummte Dichterin und wundere mich, wie wenig sie sich beschwören lässt, wenn ich es will. Sie hat sich – nun himmlisch – endlich emanzipiert. Ich schreibe über meine mannigfaltige Mutter, ihre Weisheit und Komik, ihren Mann, die Sache mit den Meerschweinchen und mich.“

Und das macht sie einfach ganz wunderbar: ehrlich, schonungslos und oft so anrührend, dass mir beim Lesen öfters die Tränen kamen. So viel Herz, Empathie und Fabulierlust erlebt frau selten. Das Buch ist so bunt und humorvoll wie ihre Autorin Nora Gomringer, die normalerweise Lyrik verfasst und Leiterin der Villa Concordia in Bamberg ist, wo sie auch lebt. Erinnerungsfetzen an Reisen, an die letzten Tage mit ihrer Mutter, an Abendessen und Supermarktbesuche… Seine Mutter zu verlieren ist so einschneidend, das schildert Nora auf einzigartige Weise. Was es aber mit den Meerschweinchen auf sich hat, das lest bitte mal selber nach 😉

Esther Schüttpelz: Grüne Welle (Diogenes)

Eine Frau, die wie sich später herausstellt Amy heißt, trifft wie jeden Monat ihre Freundin im Kino und gerät wegen einer Umleitung auf andere Wege. Weg vom Mann, immer weiter entfernt sie sich von ihm. Kann nicht umkehren, fährt weiter und weiter. Überfährt ein Reh, legt es in den Kofferraum und nimmt schließlich zwei junge Anhalterinnen mit.

Inzwischen sucht der Mann sie natürlich, trifft sich mit der Freundin, sie trinken zusammen. Amy ist Künstlerin, Amy ist eine Frau mit blauen Flecken, die 14 Jahre lang wahrscheinlich auf der falschen Straße war. Ein kunstvolles kleines Buch, das auch am Ende vieles offen lässt und auf jeden Fall nachdenklich macht. Atmosphärisch dicht und toll geschrieben.

James Rebanks: Insel am Rand der Welt (Penguin)

„Auf einer Farm im englischen Lake District geboren“, das hat sofort gezogen bei mir. Denn dort war ich während meines Aufenthalts als Teaching Assistant in Nordengland desöfteren. Nach seinem Geschichte-Studium hat James Rebanks den Hof von seinem Vater übernommen, der seit 600 Jahren in Familienbesitz ist. Seine Bücher „Mein Leben als Schäfer“ und „Mein englisches Bauernleben“ sind Bestseller.

Jetzt hat er drei Monate auf einer gottverlassenen norwegischen Insel verbracht – mit Anna, einer älteren Dame, die im Einklang mit der Natur lebt und als einer der Letzten das ursprüngliche Eiderdaunen-Handwerk beherrscht. Denn nur die Enten, die auf solchen Inseln leben, spenden den Menschen traditionelle echte Daunen.

Wieder etwas, was langsam von der Erde verschwindet. Ein Buch für Naturliebhaber, das spannend den Arbeitsalltag einer naturverbundenen Frau nacherzählt und tiefe Einblicke in eine Lebensweise bietet, die echt, einfach und doch so schwer ist. Wehmütig, zärtlich, poetisch.

Louise Brown: Zuversicht (Diogenes)

Alles was Zuversicht bringt in diesen Zeiten, verdient Beachtung. Die in Deutschland lebende Engländerin Louise Brown ist unter anderem Trauerrednerin und begann auch an dieser Welt voller Kriege und Konflikte zu verzweifeln. Also hat sie sich eine Nachrichtensperre auferlegt und beschlossen, Kraft aus den kleinen Lichtblicken des Alltags zu schöpfen. Gut, dass sie ihre kleinen Geschichten aus dem Leben aufgeschrieben hat.

Sie haben mir an manchem Abend Trost verschafft und regen an, wieder auf die kleinen, scheinbar unwichtigen Momente zu achten, die das Leben immer bietet. Jeden Tag auf’s Neue. Seien es zwitschernde Vögel oder die Momente, in denen man wartet, bis der Hund sein Geschäft erledigt hat und in den Himmel blickt. Nach oben. Schön!

Nicola Jane Hobbs: Die entspannte Frau. Warum wir Freiräume für echte Erholung brauchen… (Goldmann)

Gereizte Frauen in den Wechseljahren gibt es ja zuhauf, aber Entspannte? Viel zu selten… Erinnert ihr euch an diesen Zustand von Freiheit und Selbstvergessenheit, als wir kleine Mädchen waren, Blumenketten flochten und in den Himmel statt aufs Handy schauten? Die Psycholigin Nicola Jane Hobbs zeigt auf, wie wir durch gezieltes Ausruhen und mehr Freiräume wieder unser volles Potenzial entfalten und erfüllt und ohne Stress oder Burnout leben können. Denn wir wurden vom Patriarchat in Rollen wir die Märtyrerin, die Mutter oder Die Alte Frau gedrängt, von denen wir uns befreien können.

Wie man das macht? Das ist wunderbar praktisch erklärt, und frau bekommt sofort Lust, in ein neues entspanntes, wildes Leben in Freiheit aufzubrechen. Auch gut mit der besten Freundin durchzuarbeiten!

Petra Orzech, Dr. Meike Streker: Feel your Skin: In 28 Tagen zu deinem natürlichen Glow (GU Gesundheit)

Ernährungs- und Longevity-Expertin Petra Orzech hat sich mit der promovierten Kosmetikwissenschaftlerin Meike Streker zusammengetan, um einen umfassenden Ratgeber rund um unser größtes Organ, unsere Haut, zu verfassen. Denn wie wir alle wissen: die Haut ist der Spiegel der Seele! Strahlende Haut ist also kein Zufall, sondern oft das Ergebnis bewusster Entscheidungen. Genau hier setzt das Buch an. Es verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit alltagstauglichen Tipps und lädt dazu ein, Hautpflege ganzheitlich neu zu denken.

Im Zentrum steht ein 28-Tage-Programm, das nicht nur oberflächliche Pflege behandelt, sondern tiefer geht: Ernährung, Lebensstil, Stresslevel und innere Balance spielen eine ebenso wichtige Rolle wie die richtige Creme. Schritt für Schritt wird man durch die vier Wochen geführt – mit konkreten Impulsen, kleinen Routinen und leicht umsetzbaren Veränderungen. Es geht nicht um Perfektion oder radikale Umstellungen, sondern um nachhaltige Gewohnheiten, die sich gut in den Alltag integrieren lassen.

Dabei wird schnell deutlich: „Glow“ bedeutet hier nicht nur ein kosmetisches Ergebnis. Vielmehr geht es um ein neues Körpergefühl, mehr Achtsamkeit und ein besseres Verständnis für die eigenen Bedürfnisse. Ein weiterer Pluspunkt ist die Mischung aus fundiertem Wissen und persönlicher Ansprache. Komplexe Zusammenhänge werden verständlich erklärt, ohne belehrend zu wirken. Stattdessen fühlt man sich eher begleitet – fast so, als würde man einen individuellen Haut- und Lifestyle-Coach an der Seite haben.

„Feel your Skin“ ist mehr als ein klassischer Beauty-Ratgeber. Es ist ein ganzheitlicher Ansatz für alle, die ihr Hautbild langfristig verbessern wollen – ohne sich in endlosen Produktlisten oder Trends zu verlieren.

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Ursula Gaisa

1968 in Schwandorf geboren. Studium Anglistik und Germanistik. Seit 1994 beim ConBrio Verlag. Journalistin, Buchautorin und Herausgeberin von immerschick.de

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