Yayoi Kusama Museum Ludwig und 25hours-Hotel Köln

Tausend Kilometer fahren, um eine Ausstellung zu besuchen? Sobald ich die ersten Bilder aus dem Museum Ludwig in Köln zu Yayoi Kusama gesehen habe, wusste ich: Da muss ich hin. Zugegebenermaßen wusste ich vorher wenig über diese faszinierende Japanerin, die seit Jahrzehnten auf eigenen Wunsch in eine Psychiatrischen Anstalt lebt und in Tokyo ein eigenes Museum betreibt. 97 Jahre ist sie inzwischen, und von außen betrachtet ist Yayoi Kusama ein Popstar der Kunstwelt. Ihre Kürbisse werden millionenfach auf Instagram geteilt, ihre Spiegelräume ziehen Besucherströme an, und ihre charakteristischen Polka Dots sind längst Teil der globalen Bildkultur geworden. Doch hinter den bunten Punkten versteckt sich eine hochinteressante Geschichte von unglücklicher Kindheit, psychischer Krankheit, Widerstand, Einsamkeit und weiblicher Selbstbehauptung.
(Zum Titelbild: Installationsansicht, Yayoi Kusama, Museum Ludwig Köln, 2026: Flowers That Speak All about My Heart Given to the Sky, 2018, bemalte Bronze, Sammlung der Künstlerin © YAYOI KUSAMA, Courtesy Ota Fine Arts and David Zwirner. Foto: Historisches Archiv der Stadt Köln mit Rheinischem Bildarchiv, Tobias Kreusler)

Das Museum Ludwig in Köln würdigt noch bis 2. August 2026 in einer umfassenden Retrospektive derzeit das Werk der japanischen Ausnahmekünstlerin Yayoi Kusama. Mehr als 300 Arbeiten aus über sieben Jahrzehnten zeigen eine Frau, die sich gegen gesellschaftliche und familiäre Erwartungen, patriarchale Strukturen und persönliche Krisen behauptete. Habe die lange Fahrt bereut? Niemals. Denn in dieser Form werde ich das Gesamtwerk zu meinen Lebenszeiten wahrscheinlich nicht mehr erleben können.
Aufwachsen im Nachkriegsjapan
Als Yayoi Kusama im März 1929 in Matsumoto geboren wird, ist Japan eine streng hierarchische Gesellschaft. Frauen sollen gefälligst Ehefrauen und Mütter werden und nicht Künstlerinnen. Yayoi erleidet eine Kindheit voller Konflikte, vor allem mit ihrer strengen Mutter. Mit zwölf Jahren muss sie für die Kriegsmaschine des Zweiten Weltkriegs in einer Fabrik für Fallschirme arbeiten und entwickelt früh Halluzinationen, in denen Muster, Punkte und Pflanzen die Welt um sie herum und sie selber überwuchern und quasi verschlingen. Trost findet sie nur in der Kunst. Schon 1939 fertigte sie Zeichnungen an, in denen sie Muster verarbeitete. Kusama litt außerdem an ausgeprägter Angst vor phallischen Objekten, Sexualität und Essen.

Sammlung Museum Voorlinden, Wassenaar, Niederlande © YAYOI KUSAMA. Foto: Historisches Archiv der Stadt Köln mit Rheinischem Bildarchiv, Marc Weber
Flucht in die USA
Ihre Entscheidung, Ende der 1950er-Jahre nach New York zu gehen, ist eine Art von Selbstbefreiung: Kusama verlässt das ländliche, patriarchal geprägte Japan und hofft, dass sie in den USA als Künstlerin und als Frau selbstbestimmt arbeiten kann. Ihre wohlhabenden Eltern geben ihr zwar das Geld für den Flug, sie soll aber bitte nie wieder nach Japan zurückkommen. Wie schrecklich oder?
Eine Frau gegen das männliche Kunstestablishment
In New York trifft Kusama auf eine Kunstwelt, die zwar auf den ersten Blick modern erscheint, aber auch von Männern dominiert wird. Minimalismus, Pop Art und Konzeptkunst werden von Stars wie Andy Warhol geprägt. Kusama arbeitet zeitgleich an Ideen, die später kunsthistorisch wichtig werden sollten: Wiederholung, serielle Muster, raumgreifende Installationen und Performance Kunst.
Ihre öffentlichen Happenings gegen den Vietnamkrieg und ihre Aktionen zur sexuellen Befreiung machten sie in den 1960er-Jahren zu einer politischen Künstlerin. Dabei stellte sie immer wieder den weiblichen Körper, vornehmlich ihren eigenen, ins Zentrum – nicht als Objekt der männlichen Begierde, sondern als eine Art Ort der Selbstbestimmung. Anfang der 1970er gründete sie mehrere Firmen wie Kusama Fashions oder das nicht jugendfreie Magazin Kusamas Orgy. Der große Erfolg blieb jedoch letztendlich aus, und sie kehrte 1973 nach Japan zurück.

Feminismus braucht kein Manifest
Yayoi Kusama hat sich selber nie ganz eindeutig als feministische Künstlerin bezeichnet, doch ohne diesen Bezug zur Rolle der Frau, ist ihr umfangreiches Werk kaum zu verstehen. Es erzählt von Eingesperrtsein, Auflösung, Körper und Sexualität. „Die unzähligen Punkte, die Menschen, Räume und Gegenstände überziehen, wirken wie ein Gegenentwurf zu festen Identitäten. Alles löst sich auf, Grenzen verschwimmen.“ (Museum Ludwig)

Die Kölner Ausstellung: eine Reise durch sieben Jahrzehnte
Die Retrospektive im Museum Ludwig zeichnet Yayoi Kusamas künstlerische Entwicklung eindrucksvoll nach. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Museums versammelt die Ausstellung über 300 Werke aus allen Schaffensphasen. Frühe Zeichnungen, Video-Installationen und überlebensgroße Fotos, die sie immer wieder von Kolleginnen als von ihre machen ließ, münden in monumentale Installationen, die selbst Menschen anlocken, die sonst nichts mit Kunst am Hut haben, aber unbedingt Bilder und Videos für Instagram machen wollen.



Mich persönlich haben besonders ihre kleinformatigen Blumenbilder, die großen bunten Muster und ihre Gedichte beeindruckt. Die monumentalen Bronzeblumen vor der Kulisse des Kölner Doms (siehe Titel) haben natürlich auch was.
Kurz vor Redaktionsschluss erreichte uns noch eine gute Nachricht, denn eigentlich war die Ausstellung komplett ausverkauft. Am 1. und 2. August wird die Retrospektive die ganzen Nächte über geöffnet sein. Tickets können NICHT im Vorverkauf erworben, sondern direkt abends vor Ort gekauft werden. First come, first served!
Also, nicht wie hin! Und einen Hoteltipp habe ich auch noch für euch.
Hotel-Tipp: 25hours The Circle Köln
Ich mag diese Kette, was schon in Berlin und Düsseldorf.* Man fühlt sich sofort zu Hause und jung. Das Personal ist lässig und supernett, es gibt immer ein spektakuläres Restaurant (hier das Neni) und eine Monkey Bar hoch oben, und Themen durchziehen die Zimmer und Flure. Im Kreisinneren gibt es einen analogen Bereich mit Vintage Charme, der auch vor den Räumen nicht Halt macht. Man kann Fahrräder ausleihen, und es gibt eine entzückende Sauna mit Blick auf der Kölner Dom. Klasse.









Tipp: Karten zur Ausstellung unbedingt online vorbestellen/kaufen.
www.museum-ludwig.de/de/ausstellungen/yayoi-kusama
https://25hours-hotels.com/cologne/the-circle
Die Fotos zur Kusama-Ausstellung wurden mir vom Museum Ludwig für die Dauer der Ausstellung zur Verfügung gestellt.
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*Presse Einladung
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