Face Yoga mit Nina Schennach – ein Interview

03. September 2026 | immer.dasleben

Nina Schennach folge ich seit längerem auf Instagram und finde ihre Videos wirklich klasse. Mit bunten Tapes oder Farben markiert sie „Problem-Zonen“ im Gesicht, die sie mit Massagen, kleinen Hilfsmitteln und einfachen Übungen bearbeitet. Jetzt ist ihr Buch dazu erschienen, eine gute Gelegenheit für ein Interview. Nina ist Diplom-Sportwissenschaftlerin, Master Face Yoga Teacherin, Kundalini-Yoga-Lehrerin. Geboren ist sie in Deutschland, lebt aber seit über 24 Jahren mit ihrer Familie (3 Kindern und 3 Hunden) in der Schweiz.

Wer bist du, woher kommst du?

Bewegung begleitet mich eigentlich schon mein ganzes Leben lang. Durch mein Sportstudium mit dem Schwerpunkt Rehabilitation, Orthopädie und Prävention habe ich früh gelernt, den Körper nicht nur äußerlich zu betrachten, sondern zu verstehen, wie Muskeln, Haltung, Atmung und Bewegung zusammenspielen. Was einen gesunden Körper ausmacht.

Meine berufliche Karriere zog mich nach dem Studium nach Herzogenaurach und danach in die Schweiz. Ich war immer in der Sportbranche tätig.

Privat gilt meine Leidenschaft dem Tanzen (Jazz und Modern). Sowie dem kreativen Arbeiten, welches ich im ortsansässigen Jugend Circus als Zirkusleitung über mehrere Jahre hinweg ausleben konnte. Und dem Lesen von Fantasy Romanen 😉.

Wie bist du zum Face Yoga gekommen und was hat dich überzeugt?

Ich habe mich eines Morgens im Spiegel betrachtet und gedacht: „Das kann es ja jetzt nicht gewesen sein!“ Ich war Mitte 40 und sah die ersten bleibenden Alterungserscheinungen in meinem Gesicht. Und da kam für mich eine ganz simple Frage auf:

Warum trainieren und aktivieren wir unseren Körper so selbstverständlich – aber unser Gesicht eigentlich nicht?

Unser Gesicht besteht aus zahlreichen Muskeln, es reagiert auf Stress, Emotionen, Haltung, Schlaf, Atmung und unsere täglichen Gewohnheiten. Trotzdem nehmen wir es häufig erst dann bewusst wahr, wenn uns im Spiegel etwas stört.

Genau das wollte ich verändern, begab mich auf die Suche nach einem Training fürs Gesicht und fand meine Lehrerin Niki Tierlich aus Dänemark.

DAO Lift aus dem Buch. Alle Fotos Nina: Nils Schwarz Photography / riva

Was hat dich an Face Yoga überzeugt?

Überzeugt hat mich dabei die einfache Logik: wir können unser Gesicht genauso trainieren und aktivieren wie unseren Körper. Unser Körper – unser Gesicht – sind responsiv, das heißt sie reagieren auf Ansprache und Aktivität wie Entspannung, Krafttraining und Gewebestimulation.

Hierbei geht es nicht darum, ganz faltenfrei zu sein, sondern lebendig, entspannt und ganz bei sich. Bei Rückenschmerzen gehen wir ja auch zur Physio oder zum Osteopathen. Wenn ich Muskelschwund habe, dann trainiere ich und baue meine Muskeln auf. Und im Gesicht glauben alle, dass die einzige Lösung aus der Spritze kommt? Ehrlich?

Auch die Gesichtsmuskeln können entspannt und aufgebaut werden.

Von wem hast du es gelernt?

Meine Face-Yoga-Ausbildung habe ich wie gesagt bei Niki Terlich von Niki Face Yoga in Kopenhagen absolviert – zunächst als Face Yoga Teacherin und anschließend als Master Face Yoga Teacherin, insgesamt mit rund 480 Ausbildungsstunden.

Gleichzeitig fließt natürlich mein Hintergrund als Diplom-Sportwissenschaftlerin stark in meine Arbeit ein. Ich wollte Face Yoga von Anfang an nicht nur anwenden, sondern verstehen: Was passiert anatomisch? Welche Muskeln arbeiten? Wo brauchen wir Aktivierung – und wo vielleicht gerade nicht noch mehr Training, sondern Entspannung?

Mit meinem Bruder (Dipl.-Psychologe) zusammen gehe ich nun einen Schritt weiter. Mit Emfacement (emfacement.com) verbinden wir Sport und Verhaltenstherapie. Viele Menschen leiden unter Bruxismus, Spanungskopfschmerzen und Stress. Wir verbinden Sport fürs Gesicht mit verhaltenstherapeutischen Ansätzen, um die klinischen Störungsbilder erfolgreich zu behandeln. Ein neuer Ansatz, der sicherlich Zukunft hat.

Lymphatische Aktivierung

Was genau kann Face Yoga bewirken?

Face Yoga kann sehr viel – aber es ist kein „Zauberallheilmittel“. Und genau das finde ich wichtig.

Wir können gezielt Muskeln aktivieren, andere entspannen und vor allem unbewusste Bewegungsmuster verändern. Gleichzeitig können Massagen und weitere Techniken die Wahrnehmung für Spannungen und das Gewebe verbessern.

Das Gesicht kann dadurch entspannter, wacher, aufgerichteter und lebendiger und ja auch jünger wirken. Gerade Kiefer, Stirn, Augen- oder Mundbereich profitieren häufig davon, wenn wir nicht einfach nur «trainieren», sondern lernen zu unterscheiden: Wo fehlt Aktivität und wo halte ich bereits viel zu viel Spannung?

Man kann einen trainierten Körper von einem untrainierten Körper unterscheiden und das Gleiche gilt für das Gesicht.

Aber für mich ist der größte Effekt deshalb gar nicht die einzelne Falte. Es ist das Bewusstsein für das eigene Gesicht und eine liebevolle und wohlwollendere Ansprache meiner selbst. Ist dir bewusst, wie hart du manchmal mit dir selbst bist?

Viele Menschen schauen morgens in den Spiegel und suchen sofort nach dem, was ihnen nicht gefällt. Ich möchte diesen Blick verändern: weg von «Was stimmt heute nicht mit mir?» hin zu «Was braucht mein Gesicht heute?»

Das ist für mich Face Yoga.

Wangenkontur Übung 1, 2 und…

Wie viel Zeit braucht man pro Tag und wann wirkt es wirklich?

Weniger, als viele denken. Du musst nicht jeden Tag 30 oder 40 Minuten vor dem Spiegel verbringen. Lieber 5 bis 10 Minuten regelmäßig und bewusst als einmal pro Woche eine längere Session. Der erste Schritt beginnt sowieso in deinen 14 Wachstunden und mit dem Beobachten deiner «Muster», die sich über die Jahre hinweg in dein Gesicht geschlichen haben. Bewusstwerden und diese lösen, so startest du erfolgreich ins Face Yoga.

Natürlich spürst oder siehst du manche Veränderungen tatsächlich direkt nach einer Einheit: Das Gesicht wirkt frischer, der Kiefer entspannter oder Schwellungen können reduziert erscheinen. Muskelaufbau und vor allem das Verändern eingeschliffener mimischer Gewohnheiten brauchen dagegen Zeit und Regelmäßigkeit. Und vor allem das Bewusstsein dafür.

Und genau da kommt mein Lieblingssatz ins Spiel: Der Haken an Face Yoga ist – du musst es machen. 😉

Es ist ein bisschen wie beim Sport. Eine Kniebeuge verändert deinen Körper nicht. Aber wenn du sie regelmässig machst, passiert etwas.

…3 (Wangenkontur)

Gibt es eine gute Ergänzung dazu?

Unbedingt. Für mich ist Face Yoga viel mehr als Muskeltraining.

Ich arbeite sehr gerne mit Gua Sha, Facial Cupping, Kinesiotaping, Massagen und lymphatischen Techniken. Aber auch Haltung, Atmung und Entspannung spielen eine große Rolle.

Gerade der Nacken und die Körperhaltung werden oft unterschätzt. Unser Kopf schwebt schließlich nicht losgelöst über unserem Körper. Wenn ich den ganzen Tag mit vorgeschobenem Kopf auf Laptop oder Smartphone schaue, hat das auch Auswirkungen auf Hals, Kiefer und Gesicht.

Deshalb schaue ich gerne etwas weiter als bis zur nächsten Falte.

Du hast ein Buch geschrieben – worum geht es da?

Mein Buch heißt „Glow-up mit Face Yoga“ und ist am 19. August im riva Verlag erschienen. Mir war wichtig, kein klassisches Anti-Aging-Buch zu schreiben. Ich möchte Frauen – und natürlich auch Männer – dazu einladen, ihr Gesicht neu kennenzulernen.

Im Buch geht es deshalb nicht nur um Face-Yoga-Übungen. Wir beschäftigen uns mit dem Körper, Gesichtsmuskulatur, Mimik, Haltung, Atmung, Lymphe, Entspannung, Massagen, Gua Sha und Kinesiotaping. Es gibt außerdem einen 28-Tage-Plan, mit dem sich die verschiedenen Elemente unkompliziert in den Alltag integrieren lassen. Dazu Gratis Videos, welche mit dem QR Code angeschaut werden können.

Mein Wunsch war ein Buch, das man nicht nur liest, sondern wirklich benutzt.

Und vielleicht ist die wichtigste Botschaft darin: Dein Gesicht ist kein Problem, das du reparieren musst. Es darf lachen, denken, fühlen und älter werden. Aber wir können lernen, besser mit ihm umzugehen und es fit zu halten.

Was wünschst du dir – für dich, die Zukunft und die Erde?

Für mich persönlich wünsche ich mir, neugierig zu bleiben. Ich möchte weiter lernen, entwickeln, unterrichten, Menschen begegnen – und Lösungen finden.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass wir Schönheit wieder etwas großzügiger definieren. Dass ein Gesicht nicht möglichst glatt, unbewegt und perfekt sein muss, um als schön zu gelten.

Ich wünsche mir Gesichter, die leben dürfen.

Und für unsere Erde wünsche ich mir eigentlich etwas ganz Ähnliches: mehr Wertschätzung für das, was bereits da ist. Weniger ständig optimieren, ersetzen und konsumieren – und stattdessen wieder bewusster wahrnehmen, pflegen und erhalten.

Vielleicht beginnt vieles davon tatsächlich mit unserem Blick.

Wie schauen wir auf unseren Körper? Wie schauen wir auf andere Menschen? Wie schauen wir auf unsere Umwelt?

Wenn dieser Blick etwas liebevoller und wertschätzender wird, ist schon sehr viel gewonnen.

Ninas Buch „Glow Up mit Face Yoga“ ist im Riva Verlag erschienen.

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Ursula Gaisa

1968 in Schwandorf geboren. Studium Anglistik und Germanistik in Regensburg. Seit 1994 beim ConBrio Verlag. Journalistin, Buchautorin und Herausgeberin von immerschick.de - liebt Nachhaltigkeit, den Slow Lifestyle, Kunst und natürlich Musik. Chefin vom Dienst der neuen musikzeitung, Porträts für Politik & Kultur, die Zeitschrift des Deutschen Kulturrats. Gründungsmitglied der Bavarian Giants, HSP und neurodivergent...

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2 Kommentare
  1. Guten Tag !
    Mir hat der Artikel gut gefallen. Gute Aufklärung um was es bei Face Yoga geht. Leider sind Rechtschreibfehler dabei.

    Antworten
    • Danke Brigitte, ich werde mich gleich drum kümmern! Ursula

      Antworten

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