Die 5 besten Bücher für den Sommer 2026

13. August 2026 | immer.kreativ

Ich lese so viel, dass ich immer dankbar für Buchtipps. Ich hoffe, ihr auch – selbst wenn ihr schon aus dem Urlaub zurück seid. Der Bücher-Sommer ist noch lang… Und die Herbst-Tipps sind auch schon in der Mache. Also – los geht’s!*

Dror Mishani: Nicht (Diogenes)

Ein irgendwie seltsames kleines Buch, das mich aber sehr gefesselt hat. Warum es „Nicht“ heißt – keine Ahnung. Vielleicht weil der Protagonist NICHT sagt, was eigentlich passiert ist und so eine Kette von Unglück entrollt? Aber von vorn: Eli Hat seine geliebte Frau, verloren, sie war erst 52. Mit seiner Tochter verbindet ihn ein inniges Verhältnis, das zum Sohn bleibt geheimnisvoll. Bei Freunden lernt er die Musikerin Lia kennen, die in einem Quartett spielt, das ihr früherer Liebhaber gegründet hat. Das Wichtigste Lebewesen ist aber ihr Hund Felix, auf den der verliebte Eli aufpassen soll, während einer Konzertreise.

Weil er eine Kacktüte entsorgen will und Felix so an der Leine zieht, lässt er diese kurz fallen, und der Hund rennt weg und direkt in das Auto eines Rentnerehepaares. In Panik vergräbt Eli den schwer verletzten, beziehungsweise toten Hund und verschweigt den Unfall gegenüber Lia. Eine großangelegte Suchaktion startet so nach ihrer Rückkehr. Erpresser melden sich und fordern Geld gegen Hund. Eli verstrickt sich immer mehr in Lügen und Halbwahrheiten. Als Leserin möchte man ihn einfach schütteln und ihm sagen, dass er einfach alles erzählen soll. ENDLICH. Aber das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange.

Spannend, rätselhaft, dicht.

Hannah Häffner: Die Riesinnen (Penguin)

Drei großgewachsene Frauen, drei Generationen – von den 1960ern bis in die Jetztzeit wird erzählt. Liese wird weder von ihrem Mann noch von den Schwiegereltern geliebt und noch weniger, als sie „nur“ wieder ein rothaariges Mädchen gebiert. Bei einem Unfall stirbt der Vater von Cora und Liese erkämpft sich die Metzgerei, die sie fortan mit eiserner Disziplin führt.

Wittenmoos ist ein Dorf im Schwarzwald, in dem jeder jeden kennt, aber nicht gerade unterstützt, gelinde gesagt. Es ist ein hartes entbehrungsreiches Leben. Cora geht auf ihren Reisen ein bisschen verloren und kommt mit einem Kind im Bauch zurück. Ihre Tochter Eva wird der Wald nie loslassen, der alle drei tröstet und immer im Hintergrund mitagiert. Ein erfolgreiches Restaurant wird gegründet, die drei halten zusammen. Nur mit den Männern ist und bleibt es schwierig. Was ist Heimat, wo wohnt das Glück? Verletzlich und stark zugleich erkämpfen sich drei Generationen ihren Platz und lassen sich ihre Träume nicht austreiben. Spannend und toll geschrieben.

Laura Wagner: Tutto Bene (Dumont)

Lektüre wie Ildiko von Kürthys „Alt genug“ geht mir manchmal auf den Zeiger, obwohl ich alles, was sie schreibt, nachvollziehen kann und ich gewiss zur Zielgruppe gehöre. Deshalb habe ich dieses Buch sehr genossen, ob die Protagonistin wahrscheinlich meine Tochter sein könnte. Oder vielleicht gerade deswegen.

Emma Anna hat jedenfalls ihr BWL-Studium geschmissen und arbeitet in einem Späti. Auch ansonsten geht irgendwie alles weiter den Bach runter. Ihre Online-Dating Versuche sind eine Katastrophe, sie ist viel zu wenig, trinkt dafür um so mehr Alkohol, und bald wird klar, dass sie einen massiven Vaterkomplex hat. Puh. So taumelst sie einen Sommer lang durch Berlin, bis die 15-jährige Ingrid und der „Matrose“ in ihre Leben finden und sie langsam aber sicher wieder auf angenehmere Pfade bringen. Vorher vermasselt sie es aber noch einige Male ziemlich. Das erinnert alles ein bisschen an „Zusammen ist man weniger allein“, aber das macht ja nichts. An zwei Tagen am Strand gelesen. Tutto bene.

Rachel Khong: Real Americans (Kiepenheuer & Witsch)

Ein schön langer Wälzer, den ich wahnsinnig gern gelesen habe. So viel vorab. Es geht um Lily Chen, Tochter chinesischer Einwanderer, die mit 22 in New York ein unbezahltes Praktikum in einem hippen Medienunternehmen absolviert. Auf einer Feier lernt sie ihre große Liebe Mathew kennen: reich, gut aussehend und verrückt nach ihr. Welten prallen aufeinander, aber die beiden scheinen bestimmt füreinander. Klingt kitschig, ist es aber nicht. Lily ist einfach großartig gezeichnet, die Geschichte ist spannend und realitätsnah.

Aber warum lebt sie zwei Jahrzehnte später allein und in fast ärmlichen Verhältnissen mit ihrem Sohn Nick allein fern von New York? Warum weiß Nick erst einmal gar nichts von und über seinen Vater? Kleiner Hinweis: Matthew ist Erbe eines Pharmaunternehmens, Lilys Eltern, beziehungsweise die Mutter Wissenschaftlerin. Es gab eine Vorgeschichte, von der Lily und Matthew anfangs gar nichts wussten. Aktuell, spannend, packen. Page Turner.

Jane Tara: Mit anderen Augen (Diogenes)

Stellt euch vor, Ihr wacht auf, und es fehlt euch ein Finger! Dann die Hand und so weiter? Ihr seid sozusagen auf dem Weg in die Unsichtbarkeit. So ergeht es Tilda Finch, in unserem Alter natürlich. Die gleichaltrige Ärztin hat keine gute Prognose: sie wird unsichtbar werden, sagt sie. Aber Tilda gibt nicht auf, schließlich hat sie wunderbare Töchter, ein erfolgreiches Unternehmen und gute Freundinnen.

Eine Parabel über Freundschaft, Mut und darüber, auch in der zweiten Lebenshälfte aktiv zu bleiben, unter Leute zu gehen und Neues zu wagen. Mit schönen Zitaten und Lebensweisheit. Zum Schluss wird es etwas esoterisch, aber geht noch. Jedenfalls über Strecken schön zu lesen. Und sehr passend für Frauen in und nach den Wechseljahren. So.

Du möchtest nichts mehr verpassen? Abonniere den Newsletter hier. Er kommt nur einmal im Monat und du kannst ihn jederzeit wieder abbestellen.

*Teilweise Rezensionsexemplare, die Cover am Ende der Empfehlungen enthalten sogenannte Affiliate Links, das heißt wenn Ihr darüber bestellt, kostet euch das keinen Cent mehr. Wir verdienen ein paar zum Erhalt dieses Magazins.

Ursula Gaisa

1968 in Schwandorf geboren. Studium Anglistik und Germanistik in Regensburg. Seit 1994 beim ConBrio Verlag. Journalistin, Buchautorin und Herausgeberin von immerschick.de - liebt Nachhaltigkeit, den Slow Lifestyle, Kunst und natürlich Musik. Chefin vom Dienst der neuen musikzeitung, Porträts für Politik & Kultur, die Zeitschrift des Deutschen Kulturrats. Gründungsmitglied der Bavarian Giants, HSP und neurodivergent...

Ähnliche Beiträge

Kino-Tipp: VIVA LA VIDA – So klingt das Leben
Kino-Tipp: VIVA LA VIDA – So klingt das Leben

Mit VIVA LA VIDA – So klingt das Leben kehrt Regisseur Daniel Sánchez Arévalo („dunkelblaufastschwarz“) auf die Kinoleinwand zurück und erzählt eine berührende Tragikomödie über Trauer, Zusammenhalt und die heilende Kraft der Musik. Ausgangspunkt ist ein tragisches...

Yayoi Kusama Museum Ludwig und 25hours-Hotel Köln
Yayoi Kusama Museum Ludwig und 25hours-Hotel Köln

Tausend Kilometer fahren, um eine Ausstellung zu besuchen? Sobald ich die ersten Bilder aus dem Museum Ludwig in Köln zu Yayoi Kusama gesehen habe, wusste ich: Da muss ich hin. Zugegebenermaßen wusste ich vorher wenig über diese faszinierende Japanerin, die seit...

Lesen: die besten Bücher für den Frühling 2026
Lesen: die besten Bücher für den Frühling 2026

Auch wenn der Sperling und alle Vögelchen piepen, alles ins Freie strömt, Lesen geht jetzt besonders gut auch wieder auf dem Balkon. Wie immer viele Familiengeschichten, die mag ich einfach besonders. Die Auswahl ist wie immer völlig subjektiv, aber kommt von Herzen....

Florian Paul & Die Kapelle der letzten Hoffnung – ein Interview
Florian Paul & Die Kapelle der letzten Hoffnung – ein Interview

Selten hat mich in letzter Zeit eine junge Band so begeistert wie Florian Paul & Die Kapelle der letzten Hoffnung. Im Vorfeld des ausverkauften Konzerts in der Münchener Muffathallt im Dezember 2025 durfte ich den Kir Royal trinkenden, charismatischen Bandleader...

Geschenke aus der Schönen Handlung
Geschenke aus der Schönen Handlung

Ihr wisst ja, bei mir oder bei uns in der Familie gibt es „Wir schenken uns nix“ NICHT. Aber schon im Frühherbst mache ich mich auf die Suche nach besonderen nachhaltigen Geschenkideen. Denn wenigstens eine Kleinigkeit, die die Augen am Heiligen Abend und den...

0 Kommentare

Hallo!

Herzlich willkommen bei immerschick.de. Dieses ü50-Blogzine soll von allem handeln, was das Leben einfacher, schöner und interessanter macht: von gesunden, aber leckeren vegetarisch-veganen Rezepten, modischen Anregungen, Beauty und Lifestyle, Reisen und spannenden Büchern. Nachhaltigkeit und Slow Fashion liegen uns besonders am Herzen. Denn vielleicht können wir die Welt ein kleines bisschen besser machen.

Unsere Krimi-Komödie

Newsletter

Bitte wählen Sie aus, wie Sie von uns hören möchten:

Sie können sich jederzeit abmelden, indem Sie auf den Link in der Fußzeile unserer E-Mails klicken. Informationen zu unseren Datenschutzpraktiken finden Sie auf unserer Website.

We use Mailchimp as our marketing platform. By clicking below to subscribe, you acknowledge that your information will be transferred to Mailchimp for processing.Learn more about Mailchimp’s privacy practices here.