Die 5 besten Bücher für den Sommer 2026

Ich lese so viel, dass ich immer dankbar für Buchtipps. Ich hoffe, ihr auch – selbst wenn ihr schon aus dem Urlaub zurück seid. Der Bücher-Sommer ist noch lang… Und die Herbst-Tipps sind auch schon in der Mache. Also – los geht’s!*
Dror Mishani: Nicht (Diogenes)
Ein irgendwie seltsames kleines Buch, das mich aber sehr gefesselt hat. Warum es „Nicht“ heißt – keine Ahnung. Vielleicht weil der Protagonist NICHT sagt, was eigentlich passiert ist und so eine Kette von Unglück entrollt? Aber von vorn: Eli Hat seine geliebte Frau, verloren, sie war erst 52. Mit seiner Tochter verbindet ihn ein inniges Verhältnis, das zum Sohn bleibt geheimnisvoll. Bei Freunden lernt er die Musikerin Lia kennen, die in einem Quartett spielt, das ihr früherer Liebhaber gegründet hat. Das Wichtigste Lebewesen ist aber ihr Hund Felix, auf den der verliebte Eli aufpassen soll, während einer Konzertreise.



Weil er eine Kacktüte entsorgen will und Felix so an der Leine zieht, lässt er diese kurz fallen, und der Hund rennt weg und direkt in das Auto eines Rentnerehepaares. In Panik vergräbt Eli den schwer verletzten, beziehungsweise toten Hund und verschweigt den Unfall gegenüber Lia. Eine großangelegte Suchaktion startet so nach ihrer Rückkehr. Erpresser melden sich und fordern Geld gegen Hund. Eli verstrickt sich immer mehr in Lügen und Halbwahrheiten. Als Leserin möchte man ihn einfach schütteln und ihm sagen, dass er einfach alles erzählen soll. ENDLICH. Aber das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange.
Spannend, rätselhaft, dicht.

Hannah Häffner: Die Riesinnen (Penguin)
Drei großgewachsene Frauen, drei Generationen – von den 1960ern bis in die Jetztzeit wird erzählt. Liese wird weder von ihrem Mann noch von den Schwiegereltern geliebt und noch weniger, als sie „nur“ wieder ein rothaariges Mädchen gebiert. Bei einem Unfall stirbt der Vater von Cora und Liese erkämpft sich die Metzgerei, die sie fortan mit eiserner Disziplin führt.



Wittenmoos ist ein Dorf im Schwarzwald, in dem jeder jeden kennt, aber nicht gerade unterstützt, gelinde gesagt. Es ist ein hartes entbehrungsreiches Leben. Cora geht auf ihren Reisen ein bisschen verloren und kommt mit einem Kind im Bauch zurück. Ihre Tochter Eva wird der Wald nie loslassen, der alle drei tröstet und immer im Hintergrund mitagiert. Ein erfolgreiches Restaurant wird gegründet, die drei halten zusammen. Nur mit den Männern ist und bleibt es schwierig. Was ist Heimat, wo wohnt das Glück? Verletzlich und stark zugleich erkämpfen sich drei Generationen ihren Platz und lassen sich ihre Träume nicht austreiben. Spannend und toll geschrieben.

Laura Wagner: Tutto Bene (Dumont)
Lektüre wie Ildiko von Kürthys „Alt genug“ geht mir manchmal auf den Zeiger, obwohl ich alles, was sie schreibt, nachvollziehen kann und ich gewiss zur Zielgruppe gehöre. Deshalb habe ich dieses Buch sehr genossen, ob die Protagonistin wahrscheinlich meine Tochter sein könnte. Oder vielleicht gerade deswegen.



Emma Anna hat jedenfalls ihr BWL-Studium geschmissen und arbeitet in einem Späti. Auch ansonsten geht irgendwie alles weiter den Bach runter. Ihre Online-Dating Versuche sind eine Katastrophe, sie ist viel zu wenig, trinkt dafür um so mehr Alkohol, und bald wird klar, dass sie einen massiven Vaterkomplex hat. Puh. So taumelst sie einen Sommer lang durch Berlin, bis die 15-jährige Ingrid und der „Matrose“ in ihre Leben finden und sie langsam aber sicher wieder auf angenehmere Pfade bringen. Vorher vermasselt sie es aber noch einige Male ziemlich. Das erinnert alles ein bisschen an „Zusammen ist man weniger allein“, aber das macht ja nichts. An zwei Tagen am Strand gelesen. Tutto bene.

Rachel Khong: Real Americans (Kiepenheuer & Witsch)
Ein schön langer Wälzer, den ich wahnsinnig gern gelesen habe. So viel vorab. Es geht um Lily Chen, Tochter chinesischer Einwanderer, die mit 22 in New York ein unbezahltes Praktikum in einem hippen Medienunternehmen absolviert. Auf einer Feier lernt sie ihre große Liebe Mathew kennen: reich, gut aussehend und verrückt nach ihr. Welten prallen aufeinander, aber die beiden scheinen bestimmt füreinander. Klingt kitschig, ist es aber nicht. Lily ist einfach großartig gezeichnet, die Geschichte ist spannend und realitätsnah.



Aber warum lebt sie zwei Jahrzehnte später allein und in fast ärmlichen Verhältnissen mit ihrem Sohn Nick allein fern von New York? Warum weiß Nick erst einmal gar nichts von und über seinen Vater? Kleiner Hinweis: Matthew ist Erbe eines Pharmaunternehmens, Lilys Eltern, beziehungsweise die Mutter Wissenschaftlerin. Es gab eine Vorgeschichte, von der Lily und Matthew anfangs gar nichts wussten. Aktuell, spannend, packen. Page Turner.

Jane Tara: Mit anderen Augen (Diogenes)
Stellt euch vor, Ihr wacht auf, und es fehlt euch ein Finger! Dann die Hand und so weiter? Ihr seid sozusagen auf dem Weg in die Unsichtbarkeit. So ergeht es Tilda Finch, in unserem Alter natürlich. Die gleichaltrige Ärztin hat keine gute Prognose: sie wird unsichtbar werden, sagt sie. Aber Tilda gibt nicht auf, schließlich hat sie wunderbare Töchter, ein erfolgreiches Unternehmen und gute Freundinnen.



Eine Parabel über Freundschaft, Mut und darüber, auch in der zweiten Lebenshälfte aktiv zu bleiben, unter Leute zu gehen und Neues zu wagen. Mit schönen Zitaten und Lebensweisheit. Zum Schluss wird es etwas esoterisch, aber geht noch. Jedenfalls über Strecken schön zu lesen. Und sehr passend für Frauen in und nach den Wechseljahren. So.

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