Vielleicht ist Glück viel leiser, als wir denken

Der September hat für mich etwas ganz Besonderes. Dieser Monat speziell, verbringe ich ihn doch das erste Mal mit 60 Jahren. Ein unvergesslicher Geburtstag noch Ende August auf Sylt passend zum Erscheinen meines ersten Inselromans. Der September steht irgendwie zwischen den Welten. Der Sommer ist noch nicht ganz gegangen und der Herbst noch nicht richtig angekommen. An manchen Tagen sitzen wir noch in der warmen Sonne, an anderen suchen wir morgens bereits nach einer Jacke.
Das Licht verändert sich, die Abende werden früher dunkel, und plötzlich liegt dieser ganz eigene Duft in der Luft, der uns daran erinnert, dass alles im Leben in Bewegung ist.
Vielleicht ist genau das eine wunderbare Einladung, einmal darüber nachzudenken, was Glück eigentlich wirklich bedeutet.
Wir Menschen haben nämlich eine ziemlich interessante Angewohnheit:
Wir verschieben unser Glück gerne auf später.
Wenn ich erst ein bisschen mehr Geld habe, wenn ich ein paar Kilo weniger wiege, wenn endlich Ferien sind, wenn dieses Problem gelöst ist, wenn ich weniger arbeiten muss oder wenn endlich etwas passiert, auf das ich schon so lange warte – dann werde ich glücklich sein. Und irgendwann stellen wir fest, dass wir einen ziemlich großen Teil unseres Lebens damit verbracht haben, auf einen Zustand zu warten, in dem endlich alles stimmt. Aber wann stimmt eigentlich alles? Vermutlich nie und vielleicht muss es das auch gar nicht.



Pures Glück beim Wandern im Bayerischen Wald und am Harlachberg
Ich glaube inzwischen, dass Glück viel weniger mit einem perfekten Leben zu tun hat, als wir manchmal denken. Glück ist nicht der Moment, in dem plötzlich alle Sorgen, Probleme und Baustellen verschwunden sind.
Glück ist vielmehr die Fähigkeit, mitten zwischen all diesen Baustellen trotzdem die Blumen zu entdecken.
Manchmal ist Glück sogar erstaunlich unspektakulär. Es ist der erste Kaffee am Morgen, ein Hund, der sich zufrieden neben uns kuschelt, eine liebe Nachricht, mit der wir nicht gerechnet haben, ein Lieblingslied im Radio oder dieser eine Sonnenstrahl, der plötzlich durchs Fenster fällt und alles für einen kurzen Moment ein bisschen heller macht.
Keiner dieser kleinen Augenblicke würde vermutlich in einer großen Chronik unseres Lebens auftauchen. Und trotzdem sind genau sie es, aus denen unser Leben besteht. Natürlich liebe ich auch die großen Momente. Reisen, das Meer, wunderschöne Orte, Feste, Begegnungen und all die Dinge, bei denen das Herz ein bisschen schneller schlägt. Aber unser Leben kann nicht jeden Tag ein großes Feuerwerk sein. Ganz ehrlich, das wäre wahrscheinlich sogar ziemlich anstrengend. Manchmal darf Glück einfach eine kleine Wunderkerze sein, die für einen Augenblick funkelt. Die eigentliche Kunst besteht darin, dieses Funkeln überhaupt wahrzunehmen.
Je älter ich werde, desto mehr merke ich, wie wertvoll diese kleinen Augenblicke sind.
Vielleicht verändert sich mit den Jahren unser Blick auf das Leben. Früher dachte ich oft, ich müsste noch irgendwohin kommen, noch etwas erreichen, noch etwas schaffen oder beweisen. Heute denke ich viel öfter: Vielleicht bin ich längst da. Nicht am Ziel, denn ich hoffe sehr, dass es noch ganz viele Ziele, Träume und verrückte Ideen gibt. Aber ich bin mitten in meinem Leben angekommen. Und das fühlt sich wunderbar an.



Naturglück am Lechweg
Wir dürfen nämlich auch mit sechzig noch Pläne haben. Wir dürfen uns neu erfinden, spontan irgendwohin reisen, etwas beginnen, von dem andere vielleicht den Kopf schütteln, und wir dürfen uns genauso auf das Leben freuen wie mit dreissig. Vielleicht sogar noch ein bisschen mehr. Denn irgendwann verstehen wir etwas, das uns niemand wirklich beibringen kann: Unsere Zeit ist kostbar – nicht irgendwann, sondern heute. Dieser ganz normale Septembertag, dieses Gespräch, dieser Kaffee, dieses Lachen, dieser Sonnenuntergang – genau daraus besteht unser Leben.
Vielleicht sollten wir deshalb nicht ständig auf das „richtige Leben“ warten.
Das richtige Leben läuft nämlich längst. Vielleicht sitzt es gerade mit zerzausten Haaren am Küchentisch und trinkt Kaffee. Vielleicht hat es heute schlechte Laune und lacht fünf Minuten später Tränen. Vielleicht macht es Fehler, ändert seine Meinung, fährt spontan ans Meer oder beschliesst plötzlich, dass gewisse Dinge einfach nicht mehr wichtig sind. Auch das ist für mich Glück: sich selbst immer mehr die Erlaubnis zu geben, das eigene Leben zu leben. Nicht das Leben, das andere für vernünftig halten. Nicht das Leben, das auf Social Media besonders schön aussieht. Nicht das Leben, bei dem jeder unsere Entscheidungen versteht – sondern wirklich unseres.
Gerade der September ist ein wunderschöner Monat, um uns daran zu erinnern.
Die Natur beginnt langsam loszulassen. Sie diskutiert nicht darüber, ob der Sommer vielleicht doch noch ein bisschen bleiben sollte. Sie hält ihre Blätter nicht krampfhaft fest, weil sie Angst davor hat, wie es ohne sie aussehen könnte. Sie verändert sich und verliert dabei nichts von ihrer Schönheit. Vielleicht dürfen auch wir manches loslassen: Erwartungen, alte Geschichten, Menschen, die uns nicht guttun, den Anspruch, immer alles richtig machen zu müssen, oder diese hartnäckige Vorstellung, dass wir erst noch jemand anderes werden müssten, bevor wir glücklich sein dürfen.



Und pures Glück am Strand von Bibione
Vielleicht müssen wir gar nicht jemand anderes werden.
Vielleicht dürfen wir einfach wieder ein bisschen mehr wir selbst werden. Mit unseren Ecken, unseren Macken, unseren Träumen und auch mit all den Dingen, die nicht perfekt sind. Denn vielleicht liegt genau darin eine ganz besondere Form von Freiheit. Nicht mehr jeden überzeugen zu müssen. Nicht mehr überall hineinpassen zu wollen. Nicht mehr jedem gefallen zu müssen. Sondern morgens aufzuwachen und zu wissen: Das hier ist mein Leben, und ich darf entscheiden, womit ich es füllen möchte.
Und so könnten wir diesen September einmal etwas ausprobieren.
Statt ständig danach zu schauen, was uns noch fehlt, könnten wir bewusster wahrnehmen, was längst da ist.
Es müssen keine zehn Dinge sein, für die wir dankbar sind. Einer dieser kleinen Momente reicht vollkommen. Ein warmer Sonnenstrahl auf der Haut, ein gutes Gespräch, ein Stück Kuchen, ein Lied, das Erinnerungen weckt, ein herzliches Lachen oder einfach ein Augenblick, in dem wir merken: Gerade jetzt ist eigentlich alles gut.

Vielleicht werden wir dann feststellen, dass das Glück nie wirklich weit weg war. Wir haben nur manchmal so angestrengt in die Ferne geschaut, dass wir übersehen haben, wie es längst neben uns sass. Ganz still und unspektakulär, mitten in unserem ganz normalen Leben. Und vielleicht ist das meine schönste September-Erkenntnis: Wir müssen nicht auf irgendwann warten, um glücklich zu sein. Unser Leben findet heute statt und irgendwo in diesem Tag versteckt sich ganz bestimmt ein kleiner Glücksmoment. Wir dürfen nur wieder lernen, ihn zu sehen.
Ich wünsche DIR einen ganz zauberhaften September mit ganz vielen schönen Glücksmomenten und Begegnungen die dein Herz bereichern…
Monika
Jeden Tag only good Vibes, keine Werbung auf meinem Telegram-Kanal unter
Buchbestellung Ayna World Publishing
Du möchtest nichts mehr verpassen? Abonniere den Newsletter hier. Er kommt nur einmal im Monat und du kannst ihn jederzeit wieder abbestellen. Exklusiv finden nur da Verlosungen statt!
Ähnliche Beiträge

Marta Naturparfüm und Maria Müller: die Welt der Düfte
Maria Müller kenne ich noch über ihren Naturkosmetik-Laden "Marta", den sie vor ein paar Jahren in der Regensburger Altstadt eröffnet hatte. Inzwischen hat sie sich weiter spezialisiert, nämlich auf Naturdüfte und -Parfums. Ich durfte ja letzten Dezember einen ihrer...

Face Yoga mit Nina Schennach – ein Interview
Nina Schennach folge ich seit längerem auf Instagram und finde ihre Videos wirklich klasse. Mit bunten Tapes oder Farben markiert sie „Problem-Zonen“ im Gesicht, die sie mit Massagen, kleinen Hilfsmitteln und einfachen Übungen bearbeitet. Jetzt ist ihr Buch dazu...

Mit edubily gesund älter werden: Nährstoffe für Frauen ab 50
Werbung. Ich nehme nicht viele Nahrungsergänzungsmittel ein, aber wenn ich Kollagen nicht supplementiere, merke ich das deutlich an meiner Haut, an meiner Beweglichkeit und insgesamt an meinen Gelenken. Das Strukturprotein kommt immer wieder ins Gerede. Letztens las...

Nachhaltige Labels: Puste die Blume und UMIWI
Kleine nachhaltige Labels und auch noch von Frauen gegründet, begeistern mich immer wieder. Zwei Neuentdeckungen habe ich für euch: UMIWI Schmuck aus Köln und Franka mit ihrem Taschen-Label Puste die Blume aus Mainz. Ich durfte beiden ein paar Fragen stellen. Franka...

Glück beginnt oft dort, wo wir langsamer werden…
Manchmal frage ich mich, wann wir eigentlich beschlossen haben, dass ein guter Tag vor allem ein produktiver Tag sein muss. Wir stehen auf, werfen einen ersten Blick aufs Handy, beantworten Nachrichten, erledigen Termine, schreiben Listen und versuchen, allem und...

Nur HSP oder auch ADHS? – Beraterin Nina Payer im Interview
Nina Payer ist psychologische Beraterin und Nervensystem- sowie Hypnose-Coach mit somatischem Ansatz. Sie begleitet sensible und neurodivergente Frauen – mit ADHS, Hochsensibilität oder Autismus-Spektrum-Tendenzen – dabei, ihre Muster nicht nur zu verstehen, sondern...




0 Kommentare