Zwischen Sterneküche und Klosterbier: Genussreise rund um Starnberg

Das 4-Sterne-Superior-Hotel Vier Jahreszeiten Starnberg durfte ich im Frühling praktisch von der Hemingway Bar her kurz erkunden. Denn nach einem Ausflug zum Beispiel nach Berg und zur Votivkapelle, die zu Ehren des Märchenkönigs Ludwig II. an der Stelle errichtet wurde, an der er auf mysteriöse Weise zu Tode kam, kann man sich hier wunderbar erholen. Hervorragendes Barfood und leckere alkoholfreie Drinks inklusive.
Schon damals war ich natürlich auch neugierig auf die Sterneküche im Restaurant Aubergine, das ich jetzt im Rahmen einer kleinen Genussreise in der Region StarnbergAmmersee ausprobieren durfte. Vorab – es war der „Himmel auf Erden“, und auch mein erster Ausflug ins Kloster Andechs mit Brauereiführung bei strahlendem Spätsommer-Sonnenschein war beeindruckend und sehr informativ.*



Das Vier Jahreszeiten Starnberg feiert 2026 sein 20-jähriges Bestehen. Es liegt nur wenige Gehminuten vom Starnberger See entfernt und bietet sowohl Urlaubern als auch internationalen Tagungsgästen Heimat – unweit von der Landeshauptstadt München, die man bequem per S-Bahn erreichen kann. Kulinarisches Herzstück ist das Gourmetrestaurant Aubergine, das seit 2014 durchgehend mit einem MICHELIN-Stern aufwarten kann.



Bild 1(li.): ein neuer Tagungsraum, Bild 2/Mitte: Hoteldirektor Tobias Baumann begrüßte uns höchstpersönlich in der Hemingway Bar.
Dauer-Stern für Chef Maximilian Moser
Verantwortlich für die Küche ist Maximilian Moser. Der gebürtige Münchner entdeckte während eines Schulpraktikums seine Begeisterung für die Gastronomie und begann mit 16 Jahren seine Ausbildung bei Alois Dallmayr in München, die er 2004 abschloss. Es folgten Stationen im Biohotel Stanglwirt in Österreich, im Restaurant Sonne in der Schweiz und im mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten Münchner Restaurant Acquarello.



2007 arbeitete Moser erstmals im Vier Jahreszeiten Starnberg, damals als Chef de Partie. Zwei Jahre später zog es ihn noch einmal nach Österreich, bevor er über das Leonardo Royal München 2012 zurück nach Starnberg kam – diesmal als Küchenchef des Aubergine. Nur zwei Jahre später – im November 2014 – erhielt das Aubergine erstmals einen Michelin-Stern. Moser war damals gerade einmal 28 Jahre alt. Seitdem konnte das Restaurant die Auszeichnung jedes Jahr verteidigen. Auch im Guide MICHELIN 2026 wurde die Küche gerade erneut mit einem Stern ausgezeichnet.
Modern und weltoffen
Was Moser kocht, lässt sich am besten als modern und weltoffen beschreiben. Ein Produkt steht im Mittelpunkt und wird kreativ begleitet. Dabei spielen Saison und Produktqualität eine zentrale Rolle:
„Es muss einen Helden geben – diesen definieren wir nach Saison und Inspiration,“ so das Leitbild des Restaurants.



Maximilian Moser, der die Amuse Gueules höchstpersönlich in der Event-Suite „Sisi“, wo auch Kochkurse und Private Dinings stattfinden, für uns live zubereitete, ist nahbar und bodenständig. Seine Küche ist es auch: Hier werden nicht viele Chichi-Effekte auf dem Teller versammelt, sondern er gibt einem Produkt Raum.
Raffiniert und sehr besonders ist das Ganze natürlich trotzdem: Da wurde aus Tomate-Mozzarella ein himmlisches Schäumchen, das Thunfisch-Tartar von veganem Kavia begleitet, und die gebackene Auster war auch eine Geschmacksexplosion, wie man so schön sagt.
„Internationale Einflüsse treffen auf saisonale Zutaten, handwerkliche Präzision auf eine vergleichsweise entspannte Atmosphäre…“
Auch der Guide MICHELIN hebt übrigens die Kombination aus kreativer Küche, internationalen Einflüssen und saisonalem Bezug hervor.



Seit Ende 2025 gibt es im Aubergine neben den klassischen 5-7-Gänge-Menüformaten wieder eine À-la-carte-Auswahl. Moser begründet diesen Schritt unter anderem damit, die Hemmschwelle für Gäste zu senken, die Sterneküche ausprobieren möchten, ohne sich gleich auf einen langen Menüabend festlegen zu müssen.



Unser Menü war ein echter Gaumenschmaus und ein Erlebnis für alle Sinne. Gekonnt präsentiert vom neuen Restaurantleiter Jean-Marc Ferrara, der unter anderem mich mit einer erstaunlichen alkoholfreien Weinbegleitung verwöhnte. Entalkoholisierte Weine haben in letzter Zeit einen riesen Sprung in Sachen Geschmack gemacht. Beim Lamothe von Jörg Geiger zum Beispiel traute ich erst meinem Gaumen nicht und war überzeugt, dass ich Alkohol im Glas hätte. Dem war nicht so. Der Hammer. Genauso wie die 5 Gänge, die Auge und Geschmacksknospen streichelten. Ein unvergessliches Erlebnis.






Frühstück, Lunch und regionale Küche im Oliv’s
Wer es tagsüber unkomplizierter mag, muss das Hotel nicht verlassen. Im Restaurant Oliv’s geht es deutlich legerer zu, aber auch hier stehen regionale Produkte und klassische Gerichte ebenso auf dem Programm wie kreativere Interpretationen. Das Restaurant bietet von Montag bis Samstag zwischen 12 und 14 Uhr ein Mittagsangebot. Sonntags lädt zudem das „Sunday’s Best“ zum ausgedehnteren Frühstück ein.



Unter der Woche wird das hervorragende Frühstück für Hotel- und Tagungsgäste schon ab 6:30 Uhr serviert, am Wochenende ab 7 Uhr.
Auf zum Heiligen Berg
Der nächste Stopp tags darauf führte uns zum Kloster Andechs. Auf dem Heiligen Berg trifft Wallfahrt auf bayerische Bierkultur. Die Klosterbrauerei blickt auf eine lange Tradition zurück und bietet eine Brauereiführung an, die moderne Technik mit klassischem Biertasting verbindet.
Eine Maus war eigentlich schuld, dass es das Kloster und die Brauerei heute überhaupt gibt. Denn um 1080 herum stand auf dem Heiligen Berg noch kein Kloster, sondern die Burg der Grafen von Andechs. Der Überlieferung zufolge brachten die Grafen von einer Pilgerreise ins Heilige Land kostbare Reliquien mit und bewahrten sie in der Burgkapelle auf.



Diese Reliquien bildeten den Grundstock für den späteren „Heiligen Schatz“ von Andechs. 1128 verpflichtete Graf Berthold II. seine Untertanen sogar dazu, einmal im Jahr nach Andechs zu pilgern und die Reliquien zu verehren. Damit legte er den Grundstein für die älteste Wallfahrt Bayerns.
Doch die Reliquien gerieten allmählich in Vergessenheit. Nachdem die Grafen von Andechs ausgestorben waren, wurde die Burg weitgehend zerstört – nur die Burgkapelle blieb erhalten. Der Schatz galt als verschollen.
Und dann kam die Maus ins Spiel
Der Legende nach zerrte eine Maus während einer Messe in der ehemaligen Burgkapelle einen Zettel hervor, Teil eines Reliquienverzeichnisses. Das machte die Leute neugierig – man begann zu graben. Tatsächlich soll man am 26. Mai 1388 unter dem Altar eine Holztruhe entdeckt haben, in der sich bedeutende Teile des Heiligen Schatzes befanden.



Das Wiederauffinden der Reliquien war eine kleine Sensation und ließ die Wallfahrt nach Andechs wieder aufblühen. Und wo Pilger unterwegs sind, lassen Hunger und Durst meist nicht lange auf sich warten. Seit der Gründung des Klosters im Jahr 1455 kümmern sich die Benediktiner von Andechs deshalb nicht nur um das geistliche Wohl ihrer Gäste: Bis heute gehört das selbstgebraute Andechser Bier fest mit zum Erlebnis auf dem Heiligen Berg.
Brauereiführung
Gemeinsam mit TimeRide wurde vor ein paar Jahren eine VR-gestützte Brauereiführung entwickelt. Mit mobilen VR-Brillen ausgestattet erhielten wir Einblicke in die Geschichte des Klosters und in Bereiche des Brauprozesses, die sich vor Ort nicht ohne Weiteres zeigen lassen. Die 90-minütige Variante wird mit einer Bierverkostung kombiniert, die sehr launig und sachkundig vor und nach dem Time Ride von Guide Flo durchgeführt wurde.



Das Spannende daran: Die virtuelle Welt ersetzt nicht die tatsächliche Brauerei. Sie ergänzt sie. Man steht mitten im Betrieb und bekommt gleichzeitig historische und visuelle Perspektiven auf das Bierbrauen vermittelt.
Und irgendwann landete man auch während der Führung zwangsläufig bei den Grundlagen des Bieres: Wasser, Malz, Hopfen und Hefe.
Was Wasser mit Bier zu tun hat
Die Farbe des Bieres wird vor allem durch die verwendeten Malze und deren Röstung bestimmt. Wasser spielt auch eine wichtige Rolle für den Brauprozess und den Geschmack und kann entsprechend auf die jeweilige Biersorte abgestimmt werden.
Malz ist zunächst nichts anderes als Getreide. Je nach Bier kommen beispielsweise Gerste oder Weizen zum Einsatz. Das Getreide wird befeuchtet und zum Keimen gebracht. Dabei beginnt ein natürlicher Wachstumsprozess, bei dem Enzyme freigesetzt werden. Diese Enzyme werden später beim Maischen benötigt, um die im Getreide enthaltene Stärke in Zucker umzuwandeln. So entsteht eine entscheidende Grundlage für die spätere Gärung.
Doch das Wachstum muss irgendwann gestoppt werden. Dafür wird das Getreide mit warmer Luft getrocknet.



Hopfen: Bitterkeit, Aroma und ein bisschen Hallertau
Nach Wasser und Malz kommt der Hopfen in den Bierprozess. Und spätestens jetzt wird klar, wie viel Charakter in einer vergleichsweise kleinen Zutat stecken kann.
Die Hopfensorten, die in Andechs zum Einsatz kommen, stammen aus der Hallertau nördlich von München. Die Region ist eines der wichtigsten Hopfenanbaugebiete der Welt und prägt seit Jahrhunderten die bayerische Bierkultur.
Bei der Führung darf man Malz und den Hopfen nicht nur anschauen, sondern auch daran riechen. Je nach Sorte und Kombination können auch die Hopfensorten ganz unterschiedliche Aromen ins Bier bringen – von fruchtig und blumig bis hin zu harzig, würzig oder kräftig.
Dazu kommen seine natürlichen konservierenden Eigenschaften: Hopfen trägt zur Haltbarkeit des Bieres bei und unterstützt außerdem die Stabilität des Schaums.



Das Andechser Bräustüberl
Die Hefe macht aus Zucker Alkohol
Nach Wasser, Malz und Hopfen fehlt noch ein entscheidender Akteur: die Hefe. Sie übernimmt im Brauprozess eine Aufgabe, die sich vereinfacht als Transformation beschreiben lässt. Der beim Maischen aus der Stärke gewonnene Zucker wird durch die Hefe vergoren. Dabei entstehen Alkohol und Kohlensäure beziehungsweise Kohlendioxid.
Ist ihre Arbeit getan, setzt sich die Hefe ab. Ein Teil kann anschließend geerntet und für weitere Brauvorgänge wiederverwendet werden. So entsteht ein Kreislauf, bei dem die Hefekulturen immer wieder eingesetzt werden.
Die verwendeten Hefekulturen sind nicht einfach nur ein beliebiger Bestandteil des Produktionsprozesses. Sie können den Charakter eines Bieres entscheidend mitprägen. Und damit ist man bei einer der großen Unterscheidungen der Bierwelt angekommen: obergärig oder untergärig.



Obergärig oder untergärig?
Bei obergärigen Bieren arbeitet die Hefe bei höheren Temperaturen und sammelt sich während der Gärung stärker an der Oberfläche. Zu den bekannten obergärigen Bierstilen gehören beispielsweise Kölsch, Altbier und viele Weizenbiere.
Untergärige Hefen arbeiten dagegen bei niedrigeren Temperaturen und setzen sich nach der Gärung eher am Boden ab. Zu dieser Gruppe gehören viele der klassischen bayerischen Biere, etwa Helles, Export oder Märzen.
Um die zehn verschiedene Biersorten werden in Andechs gebraut, darunter auch eine alkoholfreie Variante, neu ist eine Mischung aus alkoholfreiem Weißbier und Apfelschorle, die Apfelweiße.


Region StarnbergAmmersee
Früher als 5-Seen-Land bekannt bietet die Region StarnbergAmmersee also einiges an Kulinarik, Landschaft, Touren und Sehenswürdigkeiten. Neben der Ludwig-Tour am Ostufer in Berg, gibt es den Sisi-Audio-Spaziergang gegenüber des Sees – mit der Roseninsel, auf der sich Ludwig und Sisi oft getroffen haben, und Possenhofen natürlich.
Trotzdem will man kein „Disneyland“ sein. Die Bereiche Leben, Arbeiten und Wirtschaft dicht an einer Metropole, das sind neben dem Tourismus auch Herzensangelegenheiten der Region, wie Maria Schägger, gwt Starnberg, berichtete. StarnbergAmmersee hat übrigens die größte Golfplatzdichte bundesweit, rund zehn 18-Loch-Anlagen innerhalb von 25 Kilometern. Um auch junges Publikum heranzuführen, wird einiges unternommen.
Die Berge immer im Hintergrund, viel Wasser, das manchmal zu Bier wird, grüne Wiesen und Natur, soweit das Auge reicht – ich komme wieder.
https://www.vier-jahreszeiten-starnberg.de
https://www.andechs.de/veranstaltungen/fuehrungen/fuehrung-klosterbrauerei.html
https://www.starnbergammersee.de
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*Pressereise in Kooperation mit AHM Kommunikation
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