Weitwandern am Lechweg Teil 2: von Wängle über Pflach nach Füssen

21. Juli 2026 | immer.unterwegs

Unsere ersten Tage am Lechweg führten uns von der Quelle des Wildflusses nahe des Formarinsees zurück nach Lech am Arlberg über Steeg bis nach Bach. Von dort ging es mit dem Bus nach Höfen und zu Fuß hoch nach Wängle.

Von Wängle nach Pflach

Voranschicken möchte ich an dieser Stelle, dass es für alle Etappen GPS aufs Handy gibt. Das hätten wir uns mal auch an diesem Tag laden sollen, der uns auf Abwege führte – aus Blödheit und Ungeduld. Oder sollte man Hybris sagen? Denn am Morgen dachten wir noch: nur drei Stunden und unter zehn Kilometer heute? Mhmmm.

Der Einstieg befand sich direkt am Panoramahotel Talhof und führte erst auf einem Höhenpanoramaweg mit Blick in den Reutter Kessel am Wald entlang. „Von dort leitet ein Steig hinauf zur Costaries-Kapelle“ hieß es in unserer Wegbeschreibung.

Ein Steig heißt ja immer steiler Anstieg direkt durch Wald und Felsen. Nach einer in einem Wanderführer beschriebenen Linkskurve sollte der Einstieg zu finden sein. Wie sahen nur weiße Ls auf Bäumen und dachten, da muss es jetzt einfach nach oben gehen. Vorsicht, der richtige Steig ist sehr gut beschildert und kommt erst nach einer weiteren Kurve. Wir also ohne richtigen Weg den Steilhang hoch, bis wir buchstäblich nicht mehr weiterkonnten. Ich hing an einer rutschigen Stelle mit trockenem Waldboden und Kiefernnadeln und dachte, das war’s, ich brauch die Bergrettung.

Auf Umwegen ins Abenteuer

Die besonnene Sigi blieb ruhig wie immer, hangelte sich unter mich, und über abenteuerliche querfeldein „Wege“ mit Totholz und stacheligem Gebüsch erreichten wir schwer keuchend (also ich) einen Forstweg, von dem wir dachten, dass dieser bequemer zur Kapelle führt. In knalliger Sonne wanderten wir mindestens eine halbe Stunde in ausladenden Serpentinen immer weiter nach oben, bis wir eine App konsultierten, die uns zeigte, dass wir in die falsche Richtung liefen. Na, bravo.

Also wieder zurück, über ein Absperrgitter bis zum richtigen Steig, der uns dann wirklich in zehn Minuten hoch zur kleinen Kapelle brachte. Hungrig verspeisten wir nach unserem Abenteuer mit Blick ins Tal unser gesamtes Lunchpaket. Bergab ging zum wunderhübschen Frauensee, wo wir ein kühles Getränk zu uns nahmen und im klaren Wasser schwimmen gingen.

Rund um den Frauensee und die Pflacher Au, einem bedeutenden Naturschutzgebiet der Region, sind seltene Vögel wie Eisvögel oder Graureiher zu beobachten. Über Hochwasserdämme ging es zu einem Vogelbeobachtungsturm weiter über eine Hängebrücke über den Lech bis nach Pflach ins Hotel Schwanen mit uriger Gaststube und modernen großen Zimmern. Ein Abstecher nach Reutte wäre hier möglich, wir waren aber nach unserem „Abenteuer“ zu müde.

Von Pflach nach Füssen – romantischer Abschluss, Schlösser und Seen

Nach dem Frühstück ging es direkt vom Hotel weg über die Eisenbahnschienen Richtung Wald. Der Weg führt anfangs noch einem durch die weitläufige Auenlandschaft, bevor es über eine Befestigungsanlage über den Kniepass hoch zur Sternschanze geht, von der aus man eine wunderbare Aussicht auf Oberpinswang hat. Den Fluss sieht man erst wieder in Füssen.

Jetzt folgt ein besonders schönes Stück Weg auf Waldpfaden über die bayerische Grenze bis zum Alpsee. Stille, Bäume, Moos… Ein richtiger Märchenwald ist das. Irgendwann schimmert das Wasser des Sees, in dem der spätere König Ludwig das Schwimmen lernte, durch die Fichten.

Am Ostufer entlang geht es bis fast nach Hohenschwangau, der Weg ist jetzt von Tagestouristen bevölkert, entschädigt aber immer wieder mit schönen Aussichten auf den Alpsee und die Königsschlösser. Kurz vor Hohenschwangau führt der Weg nach links Richtung Füssen. Wir haben noch einen kleinen Schwimmabstecher zum Schwansee gemacht, bevor es über den Kalvarienberg zum Lechfall in Füssen ging, dem Endpunkt des Lechwegs.

Letztes Bild: der Lechfall in Füssen: Ziel- und Endpunkt des Lechwegs

Die historische Altstadt Füssens mit ihren bunten Häuserfassaden und engen Gassen hat auch kulturell einiges zu bieten, was ich bei meinen ersten Besuchen in der schmucken Stadt bereits beschrieben habe.

Wer noch Zeit mitbringt, kann den Aufenthalt verlängern und die nahegelegenen Königsschlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau besuchen oder am Forggensee das Festspielhaus besuchen. Ich bin ja bereits im Frühling auf den Spuren von Königin Marie gewandert.

Weitwandern mit Genuss

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Lechweg zwar etwas Kondition und Ausdauer verlangt, aber als Belohnung wartet eine außergewöhnliche landschaftliche Vielfalt und eine hervorragende Infrastruktur auf die Besucher:innen, hauptsächlich weiblich, wie wir festgestellt haben. Die Etappen lassen sich individuell anpassen und planen, passende Unterkünfte finden sich in nahezu allen Etappenorten, und auf Wunsch kann das Gepäck bequem von Unterkunft zu Unterkunft transportiert werden.

Ein Hinweis: die von uns genannten Etappen entsprechen nicht vollständig der offiziellen Etappeneinteilung des Lechwegs. Von 7 bis 10 Tagen gibt es verschiedene Varianten, die ihr alle auf den Internetseiten recherchierten könnt. Dort ist man auch bei der Quartierssuche behilflich. Wir empfehlen, die Hotels vorab zu buchen, das in jeder Hauptsaison bis zu 10.000 Wanderer unterwegs sind.

Insgesamt können inklusive der Schleifen rund 125 Kilometer erwandert werden, die durch zwei Länder (Österreich und Deutschland) und drei Regionen führen: Vorarlberg, Tirol und das Allgäu. Die Hauptsaison geht von Mitte Juni bis Anfnag Oktober. Die oberen Abschnitte können im Frühjahr noch schneebedeckt sein. Deshalb gibt es bis zur vollständigen Schneeschmelze auch eine verkürzte Frühjahrsvariante, die weiter flussabwärts beginnt.

lechweg.com/de

Du möchtest nichts mehr verpassen? Abonniere den Newsletter hier. Er kommt nur einmal im Monat, inkludiert Verlosungen nur für Abonnentinnen, und du kannst ihn jederzeit wieder abbestellen.

*Pressereise in Kooperation mit dem Verein Lechweg und AHM Kommunikation

Ursula Gaisa

1968 in Schwandorf geboren. Studium Anglistik und Germanistik in Regensburg. Seit 1994 beim ConBrio Verlag. Journalistin, Buchautorin und Herausgeberin von immerschick.de - liebt Nachhaltigkeit, den Slow Lifestyle, Kunst und natürlich Musik. Chefin vom Dienst der neuen musikzeitung, Porträts für Politik & Kultur, die Zeitschrift des Deutschen Kulturrats. Gründungsmitglied der Bavarian Giants, HSP und neurodivergent...

Ähnliche Beiträge

Magischer Harlachberg: Urlaub mit Hund im GutsAlm Erdhäusel
Magischer Harlachberg: Urlaub mit Hund im GutsAlm Erdhäusel

Wenn ich meine erste kleine Runde mit Molly um 7 Uhr morgens gedreht habe, hat sich die ganze Magie der GutsAlm Harlachberg entfaltet: Hier fahren keine Autos, nichts stört die Stille. Nur Vogelgezwitscher, Blumen, Schmetterling und die wenigen Gebäude auf sehr viel...

100 Jahre GOLDNER: Perfekte Passform auch bei Reisekleidung
100 Jahre GOLDNER: Perfekte Passform auch bei Reisekleidung

Werbung. GOLDNER (bis Januar 2026 atelier GOLDNER) – das ist ein Jahrhundert Modegeschichte, die zeigt, dass Langlebigkeit nicht nur eine Frage der Materialien ist, sondern auch der richtigen Passform. Wenn ein Modeunternehmen 2026 sein 100-jähriges Bestehen feiert,...

Weitwandern am Lechweg – unterwegs mit Genuss
Weitwandern am Lechweg – unterwegs mit Genuss

Schon lange träumte ich vom Weitwandern, denn nirgends kann ich mich besser entspannen als beim Gehen in der freien Natur. Als Kind wurde ich oft in den Bayerischen Wald mehr oder weniger gezwungen, was mir damals nicht wirklich Spaß gemacht hat. Aber vor allem seit...

bottleplus – Wasser-Sprudler: 5 Fragen an den Mitgründer
bottleplus – Wasser-Sprudler: 5 Fragen an den Mitgründer

Eine Zeitlang war ich jetzt ohne Wassersprudler, da es einfach Plastikmonster sind und mein zweiter „Normaler“ ganz schnell kaputt gegangen ist. Aber Sprudel in Glasflaschen immer drei Stockwerke hochschleppen im Sommer ist auch nicht schön. Bei meinen Recherchen bin...

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Hallo!

Herzlich willkommen bei immerschick.de. Dieses ü50-Blogzine soll von allem handeln, was das Leben einfacher, schöner und interessanter macht: von gesunden, aber leckeren vegetarisch-veganen Rezepten, modischen Anregungen, Beauty und Lifestyle, Reisen und spannenden Büchern. Nachhaltigkeit und Slow Fashion liegen uns besonders am Herzen. Denn vielleicht können wir die Welt ein kleines bisschen besser machen.

Unsere Krimi-Komödie

Newsletter

Bitte wählen Sie aus, wie Sie von uns hören möchten:

Sie können sich jederzeit abmelden, indem Sie auf den Link in der Fußzeile unserer E-Mails klicken. Informationen zu unseren Datenschutzpraktiken finden Sie auf unserer Website.

We use Mailchimp as our marketing platform. By clicking below to subscribe, you acknowledge that your information will be transferred to Mailchimp for processing.Learn more about Mailchimp’s privacy practices here.