Weitwandern am Lechweg Teil 2: von Wängle über Pflach nach Füssen

Unsere ersten Tage am Lechweg führten uns von der Quelle des Wildflusses nahe des Formarinsees zurück nach Lech am Arlberg über Steeg bis nach Bach. Von dort ging es mit dem Bus nach Höfen und zu Fuß hoch nach Wängle.
Von Wängle nach Pflach
Voranschicken möchte ich an dieser Stelle, dass es für alle Etappen GPS aufs Handy gibt. Das hätten wir uns mal auch an diesem Tag laden sollen, der uns auf Abwege führte – aus Blödheit und Ungeduld. Oder sollte man Hybris sagen? Denn am Morgen dachten wir noch: nur drei Stunden und unter zehn Kilometer heute? Mhmmm.
Der Einstieg befand sich direkt am Panoramahotel Talhof und führte erst auf einem Höhenpanoramaweg mit Blick in den Reutter Kessel am Wald entlang. „Von dort leitet ein Steig hinauf zur Costaries-Kapelle“ hieß es in unserer Wegbeschreibung.



Ein Steig heißt ja immer steiler Anstieg direkt durch Wald und Felsen. Nach einer in einem Wanderführer beschriebenen Linkskurve sollte der Einstieg zu finden sein. Wie sahen nur weiße Ls auf Bäumen und dachten, da muss es jetzt einfach nach oben gehen. Vorsicht, der richtige Steig ist sehr gut beschildert und kommt erst nach einer weiteren Kurve. Wir also ohne richtigen Weg den Steilhang hoch, bis wir buchstäblich nicht mehr weiterkonnten. Ich hing an einer rutschigen Stelle mit trockenem Waldboden und Kiefernnadeln und dachte, das war’s, ich brauch die Bergrettung.
Auf Umwegen ins Abenteuer
Die besonnene Sigi blieb ruhig wie immer, hangelte sich unter mich, und über abenteuerliche querfeldein „Wege“ mit Totholz und stacheligem Gebüsch erreichten wir schwer keuchend (also ich) einen Forstweg, von dem wir dachten, dass dieser bequemer zur Kapelle führt. In knalliger Sonne wanderten wir mindestens eine halbe Stunde in ausladenden Serpentinen immer weiter nach oben, bis wir eine App konsultierten, die uns zeigte, dass wir in die falsche Richtung liefen. Na, bravo.



Also wieder zurück, über ein Absperrgitter bis zum richtigen Steig, der uns dann wirklich in zehn Minuten hoch zur kleinen Kapelle brachte. Hungrig verspeisten wir nach unserem Abenteuer mit Blick ins Tal unser gesamtes Lunchpaket. Bergab ging zum wunderhübschen Frauensee, wo wir ein kühles Getränk zu uns nahmen und im klaren Wasser schwimmen gingen.



Rund um den Frauensee und die Pflacher Au, einem bedeutenden Naturschutzgebiet der Region, sind seltene Vögel wie Eisvögel oder Graureiher zu beobachten. Über Hochwasserdämme ging es zu einem Vogelbeobachtungsturm weiter über eine Hängebrücke über den Lech bis nach Pflach ins Hotel Schwanen mit uriger Gaststube und modernen großen Zimmern. Ein Abstecher nach Reutte wäre hier möglich, wir waren aber nach unserem „Abenteuer“ zu müde.






Von Pflach nach Füssen – romantischer Abschluss, Schlösser und Seen
Nach dem Frühstück ging es direkt vom Hotel weg über die Eisenbahnschienen Richtung Wald. Der Weg führt anfangs noch einem durch die weitläufige Auenlandschaft, bevor es über eine Befestigungsanlage über den Kniepass hoch zur Sternschanze geht, von der aus man eine wunderbare Aussicht auf Oberpinswang hat. Den Fluss sieht man erst wieder in Füssen.



Jetzt folgt ein besonders schönes Stück Weg auf Waldpfaden über die bayerische Grenze bis zum Alpsee. Stille, Bäume, Moos… Ein richtiger Märchenwald ist das. Irgendwann schimmert das Wasser des Sees, in dem der spätere König Ludwig das Schwimmen lernte, durch die Fichten.






Am Ostufer entlang geht es bis fast nach Hohenschwangau, der Weg ist jetzt von Tagestouristen bevölkert, entschädigt aber immer wieder mit schönen Aussichten auf den Alpsee und die Königsschlösser. Kurz vor Hohenschwangau führt der Weg nach links Richtung Füssen. Wir haben noch einen kleinen Schwimmabstecher zum Schwansee gemacht, bevor es über den Kalvarienberg zum Lechfall in Füssen ging, dem Endpunkt des Lechwegs.






Letztes Bild: der Lechfall in Füssen: Ziel- und Endpunkt des Lechwegs
Die historische Altstadt Füssens mit ihren bunten Häuserfassaden und engen Gassen hat auch kulturell einiges zu bieten, was ich bei meinen ersten Besuchen in der schmucken Stadt bereits beschrieben habe.
Wer noch Zeit mitbringt, kann den Aufenthalt verlängern und die nahegelegenen Königsschlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau besuchen oder am Forggensee das Festspielhaus besuchen. Ich bin ja bereits im Frühling auf den Spuren von Königin Marie gewandert.
Weitwandern mit Genuss
Zusammenfassend kann man sagen, dass der Lechweg zwar etwas Kondition und Ausdauer verlangt, aber als Belohnung wartet eine außergewöhnliche landschaftliche Vielfalt und eine hervorragende Infrastruktur auf die Besucher:innen, hauptsächlich weiblich, wie wir festgestellt haben. Die Etappen lassen sich individuell anpassen und planen, passende Unterkünfte finden sich in nahezu allen Etappenorten, und auf Wunsch kann das Gepäck bequem von Unterkunft zu Unterkunft transportiert werden.



Ein Hinweis: die von uns genannten Etappen entsprechen nicht vollständig der offiziellen Etappeneinteilung des Lechwegs. Von 7 bis 10 Tagen gibt es verschiedene Varianten, die ihr alle auf den Internetseiten recherchierten könnt. Dort ist man auch bei der Quartierssuche behilflich. Wir empfehlen, die Hotels vorab zu buchen, das in jeder Hauptsaison bis zu 10.000 Wanderer unterwegs sind.
Insgesamt können inklusive der Schleifen rund 125 Kilometer erwandert werden, die durch zwei Länder (Österreich und Deutschland) und drei Regionen führen: Vorarlberg, Tirol und das Allgäu. Die Hauptsaison geht von Mitte Juni bis Anfnag Oktober. Die oberen Abschnitte können im Frühjahr noch schneebedeckt sein. Deshalb gibt es bis zur vollständigen Schneeschmelze auch eine verkürzte Frühjahrsvariante, die weiter flussabwärts beginnt.
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*Pressereise in Kooperation mit dem Verein Lechweg und AHM Kommunikation
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