Weitwandern am Lechweg – unterwegs mit Genuss

12. Juli 2026 | immer.unterwegs

Schon lange träumte ich vom Weitwandern, denn nirgends kann ich mich besser entspannen als beim Gehen in der freien Natur. Als Kind wurde ich oft in den Bayerischen Wald mehr oder weniger gezwungen, was mir damals nicht wirklich Spaß gemacht hat. Aber vor allem seit dem Corona-Jahr 2020 habe ich das Wandern wieder kennen und schätzen gelernt. Die Weite, das Freiheitsgefühl… Mehrere Tage am Stück und von Dorf zu Dorf bin ich bisher noch nicht gegangen, meine Begleiterin Sigi von my-lovely-cosmos.de schon. Sie hat Erfahrungen am Jakobsweg gesammelt. Umso besser, dass ich sie bei meiner ersten Begehung des Lechwegs dabeihatte.*

Einer der letzten Wildflüsse Europas: der Lech

Der Lech fließt auf weiten Strecken noch so, wie es Wasserströme seit Jahrtausenden tun, aber meist nicht mehr dürfen: Er sucht sich seinen Weg durch breite Kiesbänke, verzweigt sich in zahlreiche Arme und verändert mit jeder Schneeschmelze sein Gesicht. Und diesem wilden Fluss folgt der Lechweg – ein Weitwanderweg, der seit 2012 auf rund 125 Kilometern die hochalpine Landschaft rund um den Formarinsee mit den sanften Hügeln und Bergen des Allgäus verbindet.

Die Route führt durch Vorarlberg, Tirol und Bayern und ist auch für weniger Geübte 50plus geeignet, die normalerweise nicht jedes Wochenende im Hochgebirge unterwegs sind. Beeindruckende Natur, urige Bergdörfer und gelebte Tiroler Gastfreundschaft inklusive. Unser Gepäck wurde von Hotel zu Hotel transportiert, was wie als sehr angenehm empfunden haben.

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Leading Quality Trail

Ein besonderes Qualitätsmerkmal des Lechwegs ist das Gütesiegel „Leading Quality Trail – Best of Europe“ der Europäischen Wandervereinigung (ERA). Die Auszeichnung erhalten ausschließlich Fernwanderwege, die strenge Kriterien hinsichtlich Wegequalität, Beschilderung, Naturerlebnis, Infrastruktur und kultureller Vielfalt erfüllen. Der Lechweg wurde schon 2012 zertifiziert und trägt das renommierte Prädikat auch weiterhin: Auf der CMT 2026 wurde das Gütesiegel um weitere drei Jahre bis 2028 verlängert.

Damit zählt der Lechweg offiziell zu den besten Weitwanderwegen Europas – ein Qualitätsversprechen, das sich unterwegs in der tollen Wegführung, der zuverlässigen Beschilderung und L-Kennzeichnung sowie den gepflegten Pfaden und Wegen spiegelt. Die Hauptsaison ist kurz, da der Formarinsee, also der Startpunkt auf fast 1.800 Metern Höhe liegt. Eigentlich ist der Weg nur komplett von Mitte Juni bis Ende September begehbar. Es gibt aber eine Frühjahrsvariante, die nicht ganz oben am Berg beginnt. Manche laufen übrigens auch in der umgekehrten Richtung vom Lechfall in Füssen bis zum Formarinsee, wo man auch in einer Hütte des Deutschen Alpenvereins nächtigen kann.

Los geht’s: Start in Füssen und weiter nach Lech

Vier, eigentlich fünf Etappen haben wir für euch ausgekundschaftet. Slow Travel mäßig sind wir nach Füssen mit der Bahn angereist. Von dort ging es mit der Buslinie 100 nach Reutte in Tirol und von dort mit der Linie 110 nach Lech am Arlberg. Um die drei Stunden ist man dann also nochmal unterwegs. Es empfiehlt sich, erst einmal zu übernachten, bevor es dann am nächsten Morgen mit dem Bus (Linie 707) hoch hinauf zum Formarinsee geht. Also nicht ganz, ein Stückchen Weg muss man von der Bushaltstelle schon noch gehen. Die enge kurvige Straße ist oft von Kühen besetzt, die vom resoluten Busfahrer weggehupt werden.

Übernachtet haben wir in einer hübschen gemütlichen Pension mit Restaurant und leckerem Essen, dem Walkerbach etwas außerhalb des Ortszentrums mit tollem Blick auf den Hausberg Lechs, das Omeshorn. In zehn Minuten Fußweg gelangt man von der Pension zur Bushaltestelle Schlosskopf. Das Ticket kostet 26 Euro inklusive Mautgebühr und kann zum Beispiel in der Tourist Info erworben werden. Wer im Besitz der Lech Card ist, fährt umsonst, ausgestellt wird sie in den Hotels oder auch im Tourismusbüro.

Etappe 1: Vom Formarinsee nach Lech

Der Lechweg, der mindestens alle 70 m mit einem weißen L gekennzeichnet ist, beginnt also auf rund 1.793 Metern Höhe an einem besonderen Ort: dem Formarinsee, eingebettet zwischen schroffen Kalkbergen und den markanten Gipfeln der Roten Wand. Er gilt als einer der schönsten Bergseen Vorarlbergs und schimmert hübsch türkis in fast unberührter Landschaft. Hier entspringt der Lech, anfangs sind das aber mehrere kleine Bäche, die sich dann nach einiger Zeit erst zum jungen Lech und dann zum Wildfluss entwickeln. Es geht vom See das Weglein zurück, vorbei an der Bushaltestelle, kurz entlang der Straße bis zum Steinbock-Denkmal, das den Einstieg in der Lechweg markiert und an die Wiedereinsetzung des Steinwilds 1958 erinnert.

Danach führt der Weg begleitet vom leisen Klang der Kuhglocken erst leicht bergab über Almen und steinige Bergpfade. Obwohl wir beide nicht so gern bergab gehen, war das gut zu bewältigen, und wir haben die Ausblicke sehr genossen. Findlinge, kleine Brücken und Stege machen das Ganze noch abwechslungsreicher.

Nach einiger Zeit überquert man die Straße, dann geht es über eine Schotterbank in einen kleinen Wald, bevor man nach dem Ortsteil Zug und dem Waldschwimmbad schließlich wieder in das das traditionsreiche Bergdorf Lech am Arlberg gelangt. Bekannt als Wintersportort, zeigt sich Lech im Sommer von einer ruhigeren, entspannten Seite. Gemütliche Cafés, gepflegte Hotels und Sportartikelläden sind hier vor allem zu finden. Aber auch ein Heimatmuseum und eine hübsche Kirche.

Wir sind aber nach einer kurzen Kaffeepause wieder mit dem Bus in die umgekehrte Richtung bis nach Steeg gefahren. Die Abschnitte Lech-Warth und Warth-Steeg haben wir übersprungen. Es gibt neben den Hauptetappen übrigens noch die sogenannten Lechschleifen, Rundwege, die man natürlich zusätzlich erwandern kann.

Von Steeg nach Bach – durch das Herz des Lechtals

Über eine kleine Brücke ging es von der Bushaltestelle in das schöne Kräuterhotel „Stearawirts Hauserei“ mit moderner Lobby, Bar und einem tollen Sauna-Wellness-Bereich oben unter dem Dach. Abends wurde im Stammhaus nebenan gegrillt, dort wird auch das Frühstück serviert, das ganz besonders ist. Eierspeisen werden auf Bestellung zubereitet, alles andere wird in kleinen Portionen, Schüsselchen und Gläschen serviert: von der Golden Milk über Smoothies bis Apfelessig und allerlei leckeren Aufstrichen. Klasse.

Im Regen ging es dann am nächsten Morgen frisch gestärkt immer am Lech entlang bis nach Holzgau. Ziemlich bald erreicht man eine Kneipp-Anlage und einen eindrucksvollen Wasserfall. Danach folgt ein ruhigerer Abschnitt durch grüne Wiesen und lichte Wälder… Das türkise Wasser des Lechs rauscht über helle Kiesbänke, während sich an den Ufern seltene Pflanzen und Tiere angesiedelt haben. Heilkräuter haben hier noch eine echte Bedeutung, und werden von den sogenannten „Lechtaler Kräuterhexen“ gesammelt, die man auch begleiten kann.

Reiches Dorf Holzgau

Ein kurzer Abstecher nach Holzgau lohnt sich schon wegen der sogenannten Lüftlmalereien aus dem Spätbarock an einigen historischen Gebäuden, bevor es wieder hoch hinauf zu einer beeindruckenden Hängebrücke geht, Höhenangst sollte man nicht haben. Der eigentliche Weg geht unten vorbei, wir sparten uns so eine Stunde Gehzeit, denn es ging noch weiter für uns: über grüne Hänge, das Landschaftsjuwel Schigge und Waldstücke mit Miniwasserfällen bis nach Bach, das als eines der schönsten Dörfer des Lechtals gilt.

Immer wieder fällt auf, wie gut gepflegt die Markierungen, die Abschnitte, Holzbretter und Brücklein sind. Die folgenden Wegabschnitte Elbigenalp, Häselgehr, Elmen, Vorderhornbach. Stanzach, Forchach und Weissenbach haben wir wieder ausgelassen, beziehungsweise sind mit dem Bus bis Höfen gefahren. Von dort ging es hoch nach Wängle ins Panoramahotel Talhof mit Pool und hübschem Blick in den Talkessel von Reutte. Es liegt direkt am Einstieg in unsere nächste Wegstrecke. Aber nach fast 16 km Gehzeit war erst einmal Relaxen angesagt.

Wie es weiterging? Warum wir auf einem Steilhang hingen und nicht mehr vor oder zurückkonnten? Hier weiter lesen

lechweg.com/de

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*Pressereise in Kooperation mit dem Verein Lechweg und AHM Kommunikation

Ursula Gaisa

1968 in Schwandorf geboren. Studium Anglistik und Germanistik in Regensburg. Seit 1994 beim ConBrio Verlag. Journalistin, Buchautorin und Herausgeberin von immerschick.de - liebt Nachhaltigkeit, den Slow Lifestyle, Kunst und natürlich Musik. Chefin vom Dienst der neuen musikzeitung, Porträts für Politik & Kultur, die Zeitschrift des Deutschen Kulturrats. Gründungsmitglied der Bavarian Giants, HSP und neurodivergent...

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