Christina kocht: Vogelkirsch-Chutney

Die Vogelkirsche (Prunus avium) ist die wilde Urform unserer heutigen Süßkirschen. Aus ihr wurden über viele Generationen hinweg die großen, saftigen Herzkirschen und Knorpelkirschen gezüchtet, die wir heute aus Gärten und Obstplantagen kennen. Zwar sind die Früchte der wilden Vogelkirsche meist deutlich kleiner, doch in ihnen steckt derselbe unverwechselbare Kirschgeschmack – oft sogar mit einer besonders intensiven, leicht herben Note.
Die Vogelkirschenzeit gehört für mich fest zum Sommer. In meiner Nähe steht ein Vogelkirschbaum, den ich jedes Jahr besuche. Oft bin ich dort gemeinsam mit meinen beiden Hunden. Besonders Dackeline Elli liebt die kleinen süßen Früchte und wartet im Sommer regelrecht darauf, dass die ersten Kirschen reif werden.



Und wie vertragen es Hunde?
Ein kleiner Hinweis für alle Hundebesitzer: Nicht jeder Hund verträgt Kirschen gleich gut. Beobachte deshalb immer genau, wie dein Hund reagiert. Bei Elli habe ich festgestellt, dass sie die Kirschkerne nicht zerbeißt. Sie werden unverdaut wieder ausgeschieden. Kirschkerne enthalten Stoffe, aus denen bei Beschädigung Blausäure freigesetzt werden kann. Ganze, unzerkaute Kerne passieren den Verdauungstrakt meist problemlos. Werden die Kerne jedoch zerbissen, kann das gesundheitliche Probleme verursachen. Deshalb solltest du deinem Hund keine Kirschen geben, wenn er dazu neigt, die Kerne zu knacken oder zu zermahlen.



Viele Menschen lassen die Vogelkirsche links liegen, obwohl sie reichlich wächst und wunderbar schmeckt. Der häufigste Grund: Die kleinen Früchte gelten als zu mühsam zu verarbeiten. Tatsächlich steckt in einer Vogelkirsche weniger Fruchtfleisch als in einer großen Herzkirsche, weshalb das Entkernen auf den ersten Blick nach viel Arbeit aussieht.
In der Praxis gibt es jedoch mehrere einfache Möglichkeiten
Variante 1: Die Kirschen werden ganz klassisch mit einem Messer entkernt. Zugegeben, sehr meditativ, aber in kleiner Menge gut zu schaffen.
Variante 2: Die Kirschen werden mitsamt den Kernen gekocht und anschließend durch die Flotte Lotte passiert. So bleiben Kerne und Fruchthäute zurück, während dann nur das Fruchtmus weiterverarbeitet werden kann. Nutze dazu eine mittlere bis grobe Lochscheibe, damit das dicke Fruchtfleisch gut durchfließen kann.
Variante 3: Die etwas rustikale „Meuchelmörder-Variante“, die ich selbst ausprobiert habe. Dabei werden die Kirschen zunächst mit Kernen weichgekocht. Nach dem Abkühlen des Chutneys oder Fruchtmus werden die Kerne einfach auf der Hand portionsweise herausgesammelt. Klingt zunächst ungewöhnlich, funktioniert aber erstaunlich gut.
Wer die Vogelkirsche allein wegen des vermeintlichen Aufwands ignoriert, verpasst eine der aromatischsten Wildfrüchte des Sommers.



Rezept Vogelkirsch-Chutney
Für 2 Personen braucht man:
- 300 g Vogelkirschen (optional: vorher entsteint)
- 1 kleine rote Zwiebel, fein gewürfelt
- 1 kleiner Apfel, gewürfelt
- 50 ml Apfelessig
- 2 EL Ahornsirup oder Zucker
- 1 TL Senfkörner
- 1 TL geräuchertes Paprikapulver
- 1 Prise Chili
- 1 kleines Stück frischer Ingwer
- Etwas Salz, etwas Pfeffer



Und so geht‘s
Vogelkirschen entstielen und Blätter entfernen, danach waschen.
Zwiebel in wenig mildem Olivenöl glasig dünsten.
Apfel, Vogelkirschen, den Ingwer (als ganzes Stück) und alle Gewürze zugeben. Mit Essig ablöschen und Süße hinzufügen.
Bei kleiner Hitze 20–30 Minuten einkochen lassen, bis eine marmeladenartige Konsistenz entsteht. Das Stück Ingwer entfernen.
Nochmals abschmecken und abkühlen lassen. Mit sauberen Händen oder auch mit Einweghandschuhen das Chutney auf der flachen Hand von den Kernen befreien. Funktioniert am besten mit kleinen Mengen.
Danach in ein sauberes Glas füllen und bis zum Abend im Kühlschrank durchziehen lassen.

Für das Grillgemüse (2 Personen):
- 4 mittelgroße Karotten
- 5 Kartoffeln
- 1 Feta (Schafskäse)
- Thymianzweige
- 2 EL Ahornsirup
- 4 EL Olivenöl (mild)
- 1 Knoblauchzehe
- Salz und Pfeffer nach Geschmack
- Geröstete Pistazien (ungesalzen)



So geht’s:
Karotten und Kartoffeln waschen. Die Karotte zusammen mit den Kartoffelspalten in eine Auflaufform geben. Mit einer Marinade aus Ahornsirup, Olivenöl, Salz und Pfeffer gut beträufeln und bei 200 Grad Celsius ca. 25 Minuten in den Ofen geben.
Den Feta mit Olivenöl beträufeln und mit dem Knoblauch spicken. Ebenfalls in den Ofen. Das Ergebnis sollte leicht geröstet sein, nicht verbrannt.
Gemüse, Feta und Kirsch-Chutney auf einem Teller anrichten. Mit gerösteten Pistazien bestreuen.

Guten Appetit!
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