Füssen: Wandern auf den Spuren der Königs-Familie, Kneippen & guter Schlaf

07. Juni 2026 | immer.unterwegs

Mit Füssen, der malerischen Stadt im Allgäu verbindet mich seit über 25 Jahren das Thema Ludwig-Musical. Als ich im vergangenen Jahr die Museen der Stadt und das Museum der bayerischen Könige in Hohenschwangau erkunden durfte, fiel mir ein Bild von der Mutter des Märchenkönigs, Ludwig II, Königin Marie, besonders ins Auge. Sie trug für ihre Wanderungen in die Berge eine eigens für sie geschneiderte Wanderhose unterm Reifrock.*

Die preußische Prinzessin wurde 17-jährig mit König Maximilian II von Bayern verheiratet, bekam zwei Kinder, die sie nicht erziehen durfte, und musste sich bestimmt einsam gefühlt haben. In den Bergen rund um den Sommersitz Schloss Hohenschwangau, den König Max bereits vor der Heirat sorgfältig restauriert hatte, fand sie Freiheit und Zuversicht. Im Alpsee neben dem Schloss lernten Ludwig und sein Bruder Otto das Schwimmen. Und hier fielen ihm sicher die Burgen Hinter- und Vorderhohenschwangau ins Auge, die er als Erwachsener zu Neuschwanstein umbauen ließ.

Wenn der Opa der König ist

Zeit, Füssen als Wander-, Natur- und Kneippparadies zu erkunden, was ich zwei Tage mit einer Expertin machen durfte. Vanessa Richters Opa war Schlossverwalter auf Neuschwanstein. Die Geschichten rund um die Wittelsbacher sind ihr von Kindheit an vertraut: „Mein Großvater hat 30 Jahre lang dort gearbeitet, aber auch gelebt. Meine Großeltern hatten ihre Wohnung im Torbau des Schlosses. Für mich war es immer toll und besonders, sie dort zu besuchen. Mein Großvater war für mich der König.“

Die Geschichte der Bayerischen Königsfamilie ließ Vanessa nie richtig los, so wechselte sie nach zehn Jahren als Krankenschwester zum Wittelsbacher Ausgleichsfond und anschließend zu Füssen Tourismus und Marketing.

Aktueller Filmtipp: am 13. Juni feiert Der Klang von Neuschwanstein in Füssen Premiere. Der Dokumentarfilm von Regisseur Andreas Morell beleuchtet das Schloss Neuschwanstein als einzigartige Verbindung von Architektur, Kunst und der Vision König Ludwigs II. Im Zentrum steht dabei die Wiederbelebung der Neuschwanstein-Konzerte. Der Film zeigt, wie der jahrhundertealte Traum des Königs, einen Ort für die Musik Richard Wagners zu schaffen, in Form von Open-Air-Klassikkonzerten im Schlosshof in die Gegenwart geholt wird. Foto: W-Film

Königin und Mutter

Die preußische Prinzessin Marie und spätere Königin von Bayern galt im 19. Jahrhundert als ungewöhnlich modern: Sie liebte Bergtouren, ritt leidenschaftlich, schwamm in kalten Bergseen und bewegte sich oft freier als viele Frauen ihrer Zeit. Leicht hatte sie es trotzdem nicht. Vanessa Richter weiß viel über die Königinmutter: „Es ist keine leichte Aufgabe, Marie in nur wenigen Worten zu beschreiben.

Marie wurde durch ihre Geschichte, durch die vielen Schicksalsschläge ihres Lebens und durch die Entscheidung, die man für sie getroffen hatte, geformt. Ihre Wünsche und Hoffnungen entsprachen selten den Umständen, die sie vorfand. Und als Frau, auch wenn sie Königin war, war es ihr nicht möglich eine große Änderung zu erzielen. Sie musste sich den Entschlüssen ihres Vaters, ihres Ehemanns und letztlich ihres Sohnes beugen. Sie liebte ihre Kinder sehr und wollte viel mehr Zeit mit ihnen verbringen, sie aufziehen und für sie da sein. Das wurde ihr aber nicht gestattet, was sie sehr erschütterte.“

Wunderschöne Natur rund um den Schwansee

Diese gemeinsame Zeit in den Bergen und in der Sommerresidenz Hohenschwangau, Maries Lieblingsort, wo sie 1889 auch starb, prägte Ludwig II. tief. Viele seiner späteren Sehnsuchtsorte spiegeln genau jene Welt wider, die er hier mit seiner Mutter erlebte: Einsamkeit, Natur, Romantik und der Wunsch nach Rückzug.

Vanessas Lieblingsorte sind übrigens der etwas versteckt liegende Schwansee und der Kalvarienberg. Beides erreicht man auf ihrem und jetzt auch meinem Lieblingswanderweg, den wir natürlich auch gegangen sind.

Wandern auf königlichen Spuren rund um Füssen

Zwischen Alpsee, Schwansee und den Bergen rund um Hohenschwangau führt ein besonderer Themenweg durch die Landschaft, die Marie und König Ludwig II. bereits als Kind liebten: Die Drei-Schlösser-Runde verbindet Natur, Geschichte und Monarchie auf besonders atmosphärische Weise.

Bild 1: Einstieg in die 3-Schlösser-Runde, Bild 2: mit Local Guide Vanessa Richter

Die Wanderung führt vom Zentrum Füssens aus vorbei am Hohen Schloss, hinauf Richtung Kalvarienberg und weiter zu den Schlössern Hohenschwangau und Neuschwanstein. König Ludwig II soll übrigens kurz vor seinem Tod alle Stationen des Kreuzwegs besucht und dort gebetet haben.

„Eine Wanderung vollgepackt mit Geschichten aus der Geschichte, traumhaften Aussichten und wunderschöner Natur. Auf diesen Wegen waren schon die Königlichen Hoheiten des 19. Jahrhunderts unterwegs. Man wandert quasi auf königlichen Spuren.“

Vanessa Richter

Während meiner Führung im Schloss Hohenschwangau durfte ich leider nicht fotografieren. Schade, denn dort sind einige echte Raritäten ausgestellt: zum Beispiel der Rollstuhl des Prinzregenten Luitpold, der nach dem bis heute ungeklärten Tod Ludwigs II für dessen Bruder Otto einspringen musste. Der jüngere Sohn von Marie verbracht wegen einer psychischen Erkrankung den Großteil seines Lebens eingesperrt und abgeschottet von der Außenwelt. Prächtige Wandgemälde mit mittelalterlichen Sagengestalten schmücken die Wände, original Porzellan und Kunstgegenstände stehen für die Besucher:innen zur Ansicht bereit.

Noch ein Tipp zu Neuschwanstein: den schönsten Blick hat man von der Marienbrücke aus. Und vom Aussichtspunkt „Jugend“ blickt man auf Hohenschwangau, den Alpsee und ins flache Allgäu. Wunderschön. (siehe auch das Titelbild!)

Der Tegelberg und die Bleckenau – Rückzugsort der Königsfamilie

Eine zweite sehr schöne etwa zweieinhalbstündige Wanderung führte uns von der Bergstation der Tegelberg-Bahn zur Bleckenau. Die kleine Hochebene oberhalb der Pöllatschlucht war schon für König Maximilian II. ein privater Rückzugsort. Um 1850 ließ er dort ein sogenanntes „Schweizerhaus“ errichten – fernab höfischer Verpflichtungen und inmitten der Bergwelt.

Für Ludwig II. bedeutete die Bleckenau vermutlich etwas, das ihn sein ganzes Leben beschäftigte – Ruhe und Rückzug vor Öffentlichkeit und Hofzeremoniell. Die Stille, die Bäume, die Aussichten in den Alpen, das ist heute noch genauso wohltuend und erhebend wie damals. Und das Essen im Berggasthaus Bleckenau echt gut!

Kneippheilbad Füssen – Erholung mit Tradition

Die Stadt Füssen trägt seit 2025 offiziell den Titel Kneippheilbad – eine Auszeichnung, die mit umfangreichen Anforderungen verbunden war. „Die Standards sind schon sehr hoch“, erzählt Kathrin Sorg von Füssen Tourismus und Marketing (FTM) rückblickend auf den Prüfungsprozess. Dabei wurden unter anderem Luftqualität, Infrastruktur und Gesundheitsangebote überprüft. Trotz des neuen Status entschied sich die Stadt bewusst dagegen, sich „Bad Füssen“ zu nennen: „Wir haben viele internationale Gäste – und mit Bad Füssing sollte man uns nicht ständig verwechseln.“

Doch für Füssen soll das Prädikat weit mehr sein als nur ein Titel.

„Wir wollen das Qualitätsversprechen einhalten und tolle Produkte bieten, die mit Kneipp verbunden sind“, so Sorg.

Deshalb entwickelte die Stadt ein modernes Gesundheitskonzept rund um das Thema Schlaf. Denn: „Schlafprobleme sind ein großes Thema unserer Zeit.“

Gemeinsam mit Wissenschaftlern wurde untersucht, wie sich die fünf Kneipp-Säulen – Wasser, Bewegung, Ernährung, Heilkräuter und „innere Ordnung“ – auf das Schlafverhalten auswirken. Die Studie zeigt deutliche positive Effekte. Daraus entstanden konkrete Angebote für Gäste, darunter die dreiwöchige Kompaktkur „Gesunder Schlaf durch innere Ordnung“. Sie verbindet Kneipp-Anwendungen, Bewegung, Ernährungstipps, Achtsamkeit und Entspannungstechniken.

„Kneipp ist eben nicht nur Wassertreten“, betont die Kathrin Sorg. Gerade die sogenannte „innere Ordnung“, also mentale Balance und bewusste Lebensführung, spiele heute eine große Rolle.

Auch immer sehenswert: der Lech-Fall

Schlaf-Schnupper-Pauschale

Zusätzlich gibt es eine fünftägige „Schlaf-Schnupper-Pauschale“, die einen Einstieg in die Kneipp-Philosophie ermöglichen soll. Dort lernen Gäste einfache Alltagstipps für besseren Schlaf – vom richtigen Umgang mit Stress bis hin zu kleinen Verhaltensänderungen. „Nicht auf die Uhr schauen, wenn man nachts wach liegt – solche Kleinigkeiten können schon helfen“, erklärt Sorg.

Auch im gesamten Stadtgebiet wird das Thema Kneipp sichtbar gemacht. Eine Kneipp-Radrunde verbindet die Ortsteile und führt an verschiedenen Kneippanlagen vorbei. Im Baumgarten lädt ein Besinnungsweg mit Zitaten von Sebastian Kneipp zum Innehalten ein. Am Hopfensee entsteht zudem eine neue Yoga- und Meditationsplattform direkt auf dem Wasser.

„Das soll ein Ort für Ruhe und innere Ordnung sein“, so Kathrin Sorg

Essen hält Leib und Seele zusammen: hervorragend geht das Gasthaus zum Schwanen oder in Hohenschwangau beim Dorfwirt.

Schlafgastgeber, Gesundheit, Erholung

Hinzu kommen sogenannte „Schlafgastgeber“ – Hotels und Ferienwohnungen, die sich besonders auf gesunden Schlaf spezialisiert haben. Dazu gehören etwa spezielle Betten, ruhige Zimmer, Kräuterkissen oder Tipps für besseren Schlaf. Manche Häuser setzen sogar auf reduzierte Strahlung und schalten nachts das WLAN ab.

Füssen steht also nicht nur für Königsschlösser, Bergpanorama und historische Altstadt, sondern auch für Gesundheit und Erholung. Ich komme sicher wieder. Gerade das Schlafthema interessiert mich sehr. Es gibt noch viel zu entdecken im Allgäu.

Zum Beispiel auch das neue Musical „Rudolf – Der letzte Kuss“ im Festspielhaus Neuschwanstein, darüber habe ich hier berichtet.

Und hier noch drei Geheimtipps für Füssen von Vanessa Richter:

  • Das Musical LUDWIG² – Der König ist zurück! Im Festspielhaus Neuschwanstein in Füssen
  • Eine gute Brotzeit im Berggasthaus Bleckenau, das einst für Königin Marie gebaut wurde und die bayerische Königsfamilie jedes Jahr nutzte. 
  • Ein Besuch der einzigartigen Galerien im Hohen Schloss und die Aussicht vom Uhrturm genießen.

Füssen.de

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*Pressaufenthalt in Kooperation mit FTM

Ursula Gaisa

1968 in Schwandorf geboren. Studium Anglistik und Germanistik in Regensburg. Seit 1994 beim ConBrio Verlag. Journalistin, Buchautorin und Herausgeberin von immerschick.de - liebt Nachhaltigkeit, den Slow Lifestyle, Kunst und natürlich Musik. Chefin vom Dienst der neuen musikzeitung, Porträts für Politik & Kultur, die Zeitschrift des Deutschen Kulturrats. Gründungsmitglied der Bavarian Giants, HSP und neurodivergent...

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