Vorbilder: Amelie Salzmann und FORTUNA – Secondhand statt Überkonsum

04. Juni 2026 | immer.dasleben, immer.schick

Als die gebürtige Regensburgerin Amelie Salzmann vor fünf Jahren mit ihrer Familie von München zurück in die Donaustadt zog, fiel ihr die Umstellung zunächst nicht leicht. Mehr als zwei Jahrzehnte hatte sie in der bayerischen Landeshauptstadt gelebt und gearbeitet, zuletzt im firmeninternen Eventmanagement eines großen Unternehmens. Davor hatte sie bereits verschiedene berufliche Wege eingeschlagen – unter anderem als Hotelfachfrau und Augenoptikerin.

„Es war schon schwer, die Großstadt gegen die Kleinstadt einzutauschen“, erzählt sie. Besonders die Weite Münchens habe ihr gefehlt: die breiteren Straßen, die Isar vor der Haustür und die vielen Grünflächen. Inzwischen fühlt sie sich in Regensburg wieder zu Hause, auch wenn die Stadt für sie bis heute einen ganz anderen Charakter hat.

Aus einer Kundin wird eine Ladenbesitzerin

Dass sie einmal einen Secondhand-Laden eröffnen würde, war nicht lange geplant, ergibt für sie aber rückblickend Sinn. Nachhaltigkeit und bewusster Konsum spielen schon lange eine wichtige Rolle in ihrem Leben. Während ihrer Zeit in München kaufte sie selbst regelmäßig Secondhand ein und schätzte die besondere Mischung aus Individualität und Ressourcenschonung.

„Dieser Überkonsum in großen Modeketten hat mich immer eher erschlagen“, sagt sie.

Statt ständig Neues zu kaufen, gehe es ihr darum, vorhandenen Dingen ein zweites Leben zu geben.

Die Gelegenheit zur Selbstständigkeit ergab sich, als die Vorgängerin ihres heutigen Geschäfts in den Ruhestand ging und der Laden zur Übernahme frei wurde. Da Amelie Salzmann ohnehin vor einer beruflichen Neuorientierung stand, wagte sie den Schritt. Seit zweieinhalb Jahren führt sie nun ihren Secondhand-Laden FORTUNA in bester Lage in der Unteren Bachgasse in der Regensburger Altstadt.

Hinter den Kulissen des Secondhand-Geschäfts

Was viele Kund:innen nicht sehen: Hinter den Kleiderständern steckt weit mehr Arbeit, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Die Kleidung wird in zwei Modellen auf Kommission angenommen, nach vorheriger Terminvereinbarung und passend zur jeweiligen Saison. Jedes einzelne Stück muss geprüft, erfasst, ausgezeichnet und später wieder ausgetragen oder zurückgegeben, beziehungsweise gespendet werden. (Wer sich dafür entscheidet, dass bei Nichtverkauf das Kleidungsstück gespendet wird, erhält einen etwas höheren Verkaufsanteil, mehr zu den Kommissionsmodellen hier https://fortuna2hand.de/agb/)

„Man denkt oft, man sitzt einfach im Laden und verkauft Kleidung. Tatsächlich kommt aber noch einmal mindestens dieselbe Arbeitszeit für Organisation, Buchhaltung und Verwaltung dazu“, erzählt Amelie.

Lange führte sie ihre Bestände sogar komplett analog. Handgeschriebene Etiketten und Listen gehören zum Konzept. Mittlerweile stößt dieses System jedoch an seine Grenzen, weshalb sie schrittweise digitale Lösungen einführt – allerdings ohne klassische Warenwirtschaft.

Mode für alle Generationen

Die Kundschaft ist so vielfältig wie das Sortiment. Durch die zentrale Lage kommen Schülerinnen ebenso in den Laden wie Seniorinnen, Touristinnen oder Stammkundinnen aus Regensburg. Genau das macht den Reiz aus, erschwert aber manchmal eine klare Ausrichtung.

„Von Jugendlichen bis zur Oma ist alles dabei“, sagt Salzmann lachend. Deshalb setzt sie bewusst auf ein breites Angebot statt auf eine starke Spezialisierung. Fast Fashion nimmt sie allerdings nur sehr eingeschränkt an. Gefragt sind vor allem hochwertige, gut kombinierbare Kleidungsstücke für den Alltag – nicht zu extravagant, aber auch nicht beliebig.

Nachhaltigkeit als Haltung

Secondhand erlebt derzeit wieder einen Aufschwung, vor allem bei jüngeren Menschen. Für Amelie ist das eine Entwicklung, die weit über modische Trends hinausgeht. Sie verweist auf die enormen Umweltbelastungen der Textilindustrie und sieht nachhaltigen Konsum als wichtigen Beitrag, Ressourcen zu schonen.

Gleichzeitig spielen oft auch emotionale Aspekte eine Rolle. Viele Kundinnen geben Kleidungsstücke nur ungern ab. Die Vorstellung, dass ein Lieblingsstück von jemand anderem wertgeschätzt und weitergetragen wird, erleichtere das Loslassen.

„Das ist eigentlich das Schöne an diesem Kreislauf“, stellt Amelie fest. „Die meisten freuen sich, wenn ihre Kleidung nicht im Schrank hängen bleibt, sondern jemand anderem noch Freude macht.“

Mit Leidenschaft in die Zukunft

Obwohl die Arbeit aufwendig ist und wirtschaftlich noch Luft nach oben bleibt, bereut sie ihren Schritt nicht. Sie liebt schöne Dinge, den Kontakt mit Menschen und die Idee, Mode nachhaltiger zu gestalten. Ihr Wunsch für die Zukunft ist deshalb gar nicht spektakulär: mehr Routine, eingespielte Abläufe und ein Geschäft, das sich langfristig stabil weiterentwickelt.

Denn für sie ist Secondhand weit mehr als ein Geschäftsmodell. Es ist eine Haltung.

Und wie kam es eigentlich zum Namen FORTUNA?

„Auf FORTUNA bin ich gekommen, da man bei Secondhand immer etwas Glück braucht, etwas Passendes zu finden. Denn alles sind ja Einzelstücke und nicht in verschiedenen Größen und Farben erhältlich. Insofern: Mit etwas FORTUNA finde ich vielleicht was Schönes.“

FORTUNA

Unter Bachgasse 13

93047 Regensburg

Öffnungszeiten:
Di. – FR.: 13.00 – 18.00 Uhr & Sa.: 11.00 – 16.00 Uhr

Warenannahme nur nach vorheriger telefonischer Absprache!

Tel. 0176 10711171

info@fortuna2hand.de

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Ursula Gaisa

1968 in Schwandorf geboren. Studium Anglistik und Germanistik. Seit 1994 beim ConBrio Verlag. Journalistin, Buchautorin und Herausgeberin von immerschick.de

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