Meraner Frühling: Frauenmuseum, Rössl bianco und Trauttmansdorff

Die Kurstadt Meran ist zu jeder Jahreszeit schön, aber im Frühling ganz besonders, und sie hat viel mehr zu bieten als die berühmten Laubengänge, blühende grüne Parkanlagen und das spektakuläre Kurzentrum mit Saal und Promenade. Mediterranes Flair trifft auf Alpenpanorama, und auch wer sich für Mode und typische Südtiroler Spezialitäten interessiert, wird natürlich vielerorts fündig.*



Mehr als Mode: Warum ein Frauenmuseum wichtig ist
Mitten in der Altstadt von Meran befindet sich etwas versteckt ein Museum, das Geschichte aus einer Perspektive erzählt, die in klassischen Museen oft zu kurz kommt: aus der der Frauen. Das Frauenmuseum Meran – Museo delle Donne – zählt zu den bekanntesten seiner Art in Europa und verbindet Mode, Alltagsgeschichte, Gesellschaftskritik und aktuelle Debatten rund um Gender und Gleichberechtigung.



Gegründet wurde es 1988 von der Sammlerin und Kulturaktivistin Evelyn Ortner. Ausgangspunkt war ihre private Sammlung historischer Kleidung, Accessoires und Alltagsgegenstände. Daraus entstand zunächst das „Kleine Museum für Kleid und Tand“, das sich bald zu einem kulturellen Treffpunkt entwickelte. Seit 2011 befindet sich das Museum im ehemaligen Klarissenkloster am Kornplatz – einem historischen Ort, der selbst eng mit weiblicher Geschichte verbunden ist.



Der rote Faden der permanenten Ausstellung beginnt mit der Teilnahme der Frauen am französischen Revolutionsgeschehen 1789 und der Menschenrechtlerin Olympe de Gouges. Frauengeschichte im Wandel der Zeiten von gestern bis heute – widergespiegelt in Mode und Alltag: Frauen werden hier ins Zentrum der Geschichtsschreibung gestellt, außerdem werden Dauerbrenner der feministischen Bewegung wie Rollenverhalten, Stereotypen, Schönheit, Gender, Care und Berufstätigkeit aufgegriffen. Korsetts erzählen von Einschränkung, der Minirock von Befreiung, Arbeitskleidung von neuen Rollenbildern.
Das Museum ist heute übrigens international vernetzt, koordiniert die International Association of Women’s Museums (IAWM) und arbeitet mit Frauenmuseen weltweit zusammen. Dadurch ist es längst nicht mehr nur ein regionales Kulturprojekt, sondern Teil einer globalen feministischen Museumsbewegung.
Sonderausstellungen als gesellschaftlicher Spiegel
Ein wichtiger Bestandteil des Museums sind die regelmäßig wechselnden Sonderausstellungen. Sie greifen historische und aktuelle Themen auf und verbinden Kulturgeschichte mit gesellschaftspolitischen Fragen. Frühere Ausstellungen beschäftigten sich etwa mit Hygiene, Mobilität von Frauen, Schönheitsidealen oder weiblicher Sportgeschichte.



Gerade diese Sonderausstellungen machen das Museum lebendig, schaffen Raum für Diskussionen und können so aktuelle Entwicklungen rasch aufzugreifen. Begleitend organisiert das Museum Lesungen, Workshops, Vorträge und Diskussionsveranstaltungen. Damit wird das Frauenmuseum nicht nur Ausstellungsort, sondern auch Plattform für Bildung und gesellschaftlichen Austausch. Im Moment geht es um sexualisierte Gewalt in Südtirol, die Folgen über die Generationen und die Aufarbeitung.
Meinhardstraße 2
39012 Meran
Blog: www.ichfrau.com
Die Geschichte des Rössl bianco in Meran
Unter den historischen Meraner Lauben liegt eines der ältesten Gasthäuser der Stadt: das Rössl bianco. Seine Geschichte reicht bis ins Mittelalter zurück und ist eng mit der Entwicklung Merans verbunden. Bereits damals verlief durch die Laubengasse die wichtigste Handelsstraße der Stadt. Händler, Handwerker und Wirte prägten das Leben in den Lauben – und genau dort entstand auch das traditionsreiche „Weiße Rössl“.



Forschungen beweisen, dass Teile des Gebäudes über 800 Jahre alt sind. Verschiedene Baustile sind bis heute erhalten geblieben: romanische Mauern, gotische Räume, Renaissance-Elemente und barocke Details. Während viele repräsentative Gebäude der Stadt mit Fresken und teuren Verzierungen ausgestattet wurden, blieb das Weiße Rössl immer ein Gasthaus der einfachen Leute. Gerade diese Schlichtheit macht seinen besonderen Charakter aus.
Im 18. Jahrhundert gehörte das Gasthaus zu den bekanntesten Wirtshäusern Merans. Während der Faschistenzeit wurde der deutsche Name „Weißes Rössl“ italienisiert, nach dem Zweiten Weltkrieg führte das Haus zeitweise einen zweisprachigen Namen. Seit 2018 heißt es „Rössl bianco“ – ein bewusst zweisprachiger Ausdruck der Meraner Identität.



1974 wurde das traditionsreiche Gasthaus geschlossen. Jahrzehntelang stand das Gebäude leer und verfiel langsam, und nach dem Erdbeben von 1976 wurde das Haus zusätzlich beschädigt und schließlich für unbewohnbar erklärt. Erst 2015 erwarb die Familie Haller das Gebäude und ließ es mit großer Sorgfalt restaurieren. Ziel war nicht, ein modernes Luxushotel zu schaffen, sondern die „Gasthausseele“ des Hauses zu bewahren. Alte Holzbalken, Steinmauern und historische Spuren früherer Bewohner wurden bewusst erhalten. Seit 2018 ist das Rössl bianco als Bistro, Bed & Breakfast und kultureller Begegnungsort wieder geöffnet.



Wir haben ein hervorragendes Mittagessen und tollen Service im Innenhof genossen, empfehlen aber unbedingt, einen Blick in den ersten Stock zu werfen. Küche, Rezeption, Festsaal und Frühstücksraum sind besonders schön und nostalgisch. Ein echtes Kleinod.
Rössl bianco
Bistro und Bed & Breakfast
Lauben 357
39012 Meran
Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff – Merans blühendes Wahrzeichen
Oberhalb Merans, Richtung Schenna erstreckt sich eine der berühmtesten und meist besuchtesten Gartenanlagen Europas: die Gärten von Schloss Trauttmansdorff. Die Geschichte des Schlosses reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück. Ursprünglich als Burg Neuberg bekannt, gelangte das Anwesen im 16. Jahrhundert in den Besitz der Familie Trauttmansdorff, die dem Schloss seinen heutigen Namen gab. Im 19. Jahrhundert ließ Graf Joseph von Trauttmansdorff das verfallene Gebäude im Stil der Neogotik restaurieren und erweitern. Besonders berühmt wurde das Schloss durch Kaiserin Elisabeth von Österreich, besser bekannt als „Sisi“, die hier 1870 und 1889 ihre Winter verbrachte. Ihre Besuche machten Meran europaweit als Kurort bekannt.



Die heutigen botanischen Gärten entstanden jedoch erst viel später. 1994 begann das Land Südtirol mit der Gestaltung einer modernen Gartenlandschaft rund um das Schloss. Nach siebenjähriger Bauzeit wurden die Gärten im Jahr 2001 eröffnet. Das Konzept war ambitioniert: Pflanzen aus aller Welt sollten hier in einem natürlichen Amphitheater präsentiert werden, eingebettet in die besondere klimatische Lage Merans zwischen Alpen und Mittelmeer.
Gartenwelten
Heute gliedert sich die Anlage in vier „Gartenwelten“: Sonnengärten mit mediterraner Vegetation, Waldgärten mit asiatischen und amerikanischen Pflanzenlandschaften, Wasser- und Terrassengärten sowie die typischen Landschaften Südtirols. Über 80 Gartenlandschaften zeigen exotische Pflanzen, jahrhundertealte Olivenbäume, Palmen, Bambuswälder und heimische Kulturlandschaften. Durch den Höhenunterschied von rund 100 Metern entstehen immer wieder schöne Panoramablicke über Meran und die umliegende Bergwelt.



Ich mochte neben den spektakulären Ausblicken besonders den Koi-Teich, den kleinen Irrgarten und die wunderschönen Schlossspiegelungen und empfehle eine sehr frühe Anreise, es wird ab 11 Uhr sehr voll. Tier dürfen übrigens leider nicht in die Anlage.
Gärten von Schloss Trauttmansdorff
St. Valentin-Str. 55
39012 Meran
Bis 8.11. täglich ab 9 Uhr geöffnet, keine Voranmeldung nötig
https://www.trauttmansdorff.it
Wohnen durften wir übrigens im 5-Sterne-Hotel Mignon Park & Spa. Mehr dazu hier.
Sehr zu empfehlen ist auch das Hotel Hohenwartin Schenna.
Ferien auf dem Bauernhof mit Qualitätssiegel Roter Hahn? Bitteschön!
Und der Sommer der Frauen geht weiter in Meran. Vor kurzem erreichten uns noch folgende Hinweise:
Ganzjährig aktiv sind in Meran vor allem die Frauen der Stadt. Kaum eine andere italienische Stadt weist eine vergleichbare Dichte an Frauen in Führungspositionen auf: von der Bürgermeisterin über Direktorinnen zentraler Kultur- und Tourismuseinrichtungen bis hin zu Unternehmerinnen, Künstlerinnen, Gastronominnen und Gärtnerinnen prägen sie das öffentliche Leben der Kurstadt entscheidend mit.
Das Meran der starken Frauen
Dabei ist die enge Verbindung zwischen Meran und starken Frauen keineswegs neu. Bereits im 19. und frühen 20. Jahrhundert zog die Stadt Künstlerinnen, Musikerinnen und Intellektuelle aus aller Welt an. Clara Schumann reiste 1886 nach Meran, international gefeierte Opernsängerinnen wie Gemma Bellincioni oder Fay Maude traten im Kurhaus auf. Auch heute erinnert die Stadt mit Kunstprojekten und Ausstellungen an bedeutende Frauenpersönlichkeiten. Auf der Passerpromenade würdigt das Projekt „Menschbilder“ unter anderem die Künstlerin Aliza Mandel und die Schriftstellerin Anita Pichler. Im Palais Mamming Museum widmet sich die Sonderausstellung „Frauen im Licht 1900–2026“ der Darstellung von Frauen in Kunst und Gesellschaft.
Auch kulturell steht der Sommer ganz im Zeichen weiblicher Stimmen: Im Rahmen der „Midsummer Nights“ treten unter anderem die italienische Sängerin Anna Tatangelo sowie Diletta mit ihrer „Adele Experience“ auf.
Dass Genuss in Italien tief mit Kultur verbunden ist, zeigt auch die Aufnahme der italienischen Küche in das immaterielle UNESCO-Kulturerbe. In Meran wird diese kulinarische Vielfalt täglich gelebt – in Restaurants, Weingütern und traditionellen Gasthäusern ebenso wie bei geführten Genuss- und Radtouren von Sissitours.
Infos:
CITY.VINOTHEK
Führungen mit Sekt-, Wein- und Grappaverkostungen im historischen Gebäude oder mit begleitender Stadttour. Auswahl feinster Weine und Sekte aus dem Meraner Anbaugebiet.
Lauben 218, www.kellereimeran.it
Weingut Schloss Rametz – Masterclass Nature
Geführte Genusstour vom Weinberg bis in den historischen Steinkeller inklusive Weinverkostung.
www.meran.eu | www.rametz.com
Sissitours
Kulinarische Spaziergänge, Genuss-Radtouren und Kochkurse in und rund um Meran.
www.sissitours.it
Du möchtest nichts mehr verpassen? Abonniere den Newsletter hier. Er kommt nur einmal im Monat, inkludiert Verlosungen nur für Abonnentinnen, und du kannst ihn jederzeit wieder abbestellen.
*Pressaufenthalt in Kooperation mit den Tourismusexperten
Ähnliche Beiträge

Füssen: Wandern auf den Spuren der Königs-Familie, Kneippen & guter Schlaf
Mit Füssen, der malerischen Stadt im Allgäu verbindet mich seit über 25 Jahren das Thema Ludwig-Musical. Als ich im vergangenen Jahr die Museen der Stadt und das Museum der bayerischen Könige in Hohenschwangau erkunden durfte, fiel mir ein Bild von der Mutter des...

Hotel Mignon Meran Park & Spa, Südtirol – das Erbe der Zenzi Glatt
Wenn ich einmal zehn Stunden ohne Unterbrechung am Stück schlafen kann, dann muss das schon ein besonderer Ort sein. So geschehen Anfang Mai im 5-Sterne-Hotel Mignon Meran Park & Spa in Südtirol. Kein Autoverkehr, kein Geschrei, nur Stille, Blumen, Bäume und viel...

Roter Hahn – Gallo Rosso – und der Greiterhof in Südtirol
Roter Hahn – auf Italienisch Gallo Rosso – ist ein Qualitätssiegel und ein Zusammenschluss ausgewählter Landwirtschaften in Südtirol, die unter anderem authentische Ferien auf dem Bauernhof anbieten. Die Höfe stehen für Qualität, Regionalität und echte...

Höllensteinhaus und -See – Ausflug ins Viechtacher Land
„Bayerisch Kanada“ wird es auch genannt: das Regental im Viechtacher Land in der nördlichen Oberpfalz. Ein besonderes Highlight für geübte Wanderer ist der Wandersteig 1a Höllensteinsee: Ein naturbelassener Steig über mächtige Felsen und durch saftig-grünen...

Hollmann am Berg: Hütten-Luxus auf der Turracher Höhe
Der ehemalige Opernsänger Robert Hollmann aus Wien mag keine Hotels und keine Buffets, so gründet er einfach schöne Orte, die ganz nach seinem Geschmack sind. Die Hollmann Beletage in Wien, die jetzt Buxbaum Boutique Hotel heißt, hat er inzwischen verkauft. Aber drei...

Hotel Hohenwart in Schenna bei Meran, Südtirol
Schon als ich das erste Bild vom 25-Meter-Pool mit dieser Aussicht in die Berge auf Instagram entdeckte, wusste ich, da muss ich hin: ins Hotel Hohenwart. Ein Südtirol-Fan bin ich ja sowieso schon seit vielen Jahren... Das Hohenwart punktet aber nicht nur mit einer...




0 Kommentare