Christina kocht: Duftiger Magnolien-Milchreis

Ich habe keinen eigenen Garten. Also habe ich angefangen, die Gärten anderer kennenzulernen. Mittlerweile weiß ich ziemlich genau, wer in meiner Stadt nicht spritzt. Ich weiß, wo die Tulpenmagnolien (Magnolia × soulangeana) stehen. Und wo ich die Veilchen (Viola odorata) finde.
Veilchen wachsen selten mitten im perfekt gepflegten Rasen. Du findest sie eher in den Ecken – dort, wo es ein bisschen wilder sein darf. Und genau da leuchten sie: dieses intensive Lila-Blau, das du kaum übersehen kannst.



Wenn du ein Duftveilchen – botanisch Viola odorata – pflückst und mit reinnimmst, passiert etwas Spannendes: Drinnen entfaltet sich dieser weiche, fast pudrige Duft.
Geschmacklich sind Veilchen ganz fein. Mild, leicht süßlich, fast ein bisschen „grün-blumig“.
Kein Wow im ersten Moment – eher etwas, das sich leise aufbaut.
Und dann ist da noch die Magnolie.
Die Tulpenmagnolie erkennst du sofort an ihren großen, kelchförmigen Blüten.
Ihr Duft ist betörend.



Und der Geschmack?
Überraschend.
Knackig.
Leicht scharf – fast wie Ingwer.
Dazu kommt eine feine Bitterkeit und eine zitrische Note.
Magnolien gab es schon zur Zeit der Dinosaurier.
Eine Urblume.
Häufige Arten in Deutschland:
- Magnolia × soulangeana (Tulpen-Magnolie)
- Magnolia stellata (Stern-Magnolie)
- Magnolia kobus
- Magnolia grandiflora
Essbar sind die Blütenblätter (Tepale)
Geschmack: leicht ingwer-/cardamomartig /zitronig.
Aussortieren:
- Stempel und Staubgefäße (oft bitter)
- grüne Kelchblätter
- alles Braune oder Welke
Wichtig:
- Nur ungespritzte Bäume verwenden
- Am besten frisch geöffnete Blüten
Kurzregel: Magnolienblütenblätter essen – den Rest weg. Einschleichen: nicht zu viel auf einmal. Rantasten, ob Du es verträgst. Weniger ist mehr. 1 Blüte reicht für den Anfang.
Nur essen, was du zu 100 % erkennst.



Duftiger Magnolie-Milchreis
Vorbereitung:
Kandierte Veilchen (24 Stunden vorher):
- 1 Ei trennen und das Eiweiß leicht aufschlagen (nicht steif schlagen).
- Mit einem feinen Pinsel jede Blüte vorsichtig mit Eiweiß benetzen.
- Blüten mit Zucker bestreuen oder sanft darin wenden.
- Auf Backpapier auslegen.
- An einem trockenen Ort lufttrocknen lassen, bis sie vollständig fest sind.
Milch mit Magnolie parfümieren:
6 Tepale (Blütenblätter) der Tulpenmagnolie in Milch einlegen und 2 Stunden im Kühlschrank ziehen lassen.
Danach entfernen.



Grundrezept Milchreis für 1 Person:
- 500 ml Milch (parfümiert)
- 125 g Milchreis
- 1 Prise Salz
- Etwas Butter
- Optional: 1 TL Ahornsirup



Und so geht’s:
Parfümierte Milch mit einer Prise Salz in einem Topf erhitzen.
Reis einrühren und kurz aufkochen lassen. Dann bei niedriger Hitze sanft köcheln lassen, dabei regelmäßig umrühren.
So lange ziehen lassen, bis der Reis weich und cremig ist. Etwas Butter hinzufügen.
Nach Geschmack mit Ahornsirup etwas süßen.



Mascarponecreme:
- 125 g Mascarpone
- Saft einer halben Zitrone
- Zeste nach Geschmack
- 1 TL Ahornsirup
Alle Zutaten in einem Mixer gut vermischen.

Ich mag es sehr zitronig. Deswegen nutze ich viel Zeste und Zitrone. Das kann aber individuell angepasst werden.
Den Milchreis auf einem Teller anrichten, die Mascarponecreme darüber geben.
Jetzt nach Herzenslust mit den Blütenblättern der Magnolie dekorieren. Zitronenzeste und kandierte Veilchen als Farbtupfer obenauf.
Wer mag, kann auch noch etwas Kirsch- und Kornelblüte verwenden. Sind aber eher geschmacksneutral und nur fürs Auge.
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Sehr interessant! Jetzt weiß ich, dass die Blütenblätter der Magnolie essbar sind. Es blüht ja gerade so schön!
Liebe Grüße
Heike
Liebe Heike, danke fürs Lesen und Vorbeischauen. Ich finde, das ist ein großartiges und außergewöhnliches Rezept. Ganz herzliche Grüße Ursula