Alkohol und Frauen – Bücher von Nathalie Stüben und Mia Gatow

Na, planst du eventuell wieder oder zum ersten Mal einen Dry January? Dann habe ich die richtigen Bücher für dich, die dich vielleicht so beeindrucken werden, dass du das mit dem Alkohol ganz sein lässt. Denn es gibt keine Vorteile, nur Nachteile – vor allem für Frauen, die wir schon allein körperlich nur die Hälfte gesundheitlich vertragen können im Vergleich zu Männern. Ungerecht? Aber auf jeden Fall wahr. Er bringt deine Hormone durcheinander, sorgt für schlechten Schlaf und erhöht das Brustkrebsrisiko. Abnehmen funktioniert auch nicht mit Alkohol im Blut, denn dann ist deine Leber die ganze Nacht damit beschäftigt und kann kein Fett abbauen. Nur mal so. Weiterlesen lohnt sich 😉
Nathalie Stüben
Die Journalistin, Autorin und Podcasterin Nathalie Stüben (*1985) ist ein echtes Phänomen in Sachen Aufklärung zum Thema Alkohol und Abhängigkeit. In den vergangenen Jahren hat sie sich von der Nischen-Podcasterin (OAMN – Ohne Alkohol mit Nathalie) zur prominenten Stimme in der Diskussion um Alkohol, insbesondere um Alkoholkonsum und Abstinenz bei Frauen, gemausert und macht sogar ihren Doktor in Suchtforschung. Nathalie arbeitete nach ihrem Summa cum Laude Abschluss und dem Besuch der Münchener Journalistenschule unter anderem für die Deutsche Presse-Agentur, die Süddeutsche Zeitung und den Bayerischen Rundfunk.



OAMN – Ohne Alkohol mit Nathalie
2019 startete sie den Podcast „Ohne Alkohol mit Nathalie“, in dem sie offen über ihre eigenen Erfahrungen mit Alkoholabhängigkeit spricht und in den Dialog mit anderen Betroffenen geht. Stüben lebt seit 2016 abstinent und gilt heute als eine der wichtigsten Begründerinnen der deutschsprachigen Nüchternheitsbewegung. Ihre Geschichte kann man gut in ihrem ersten Spiegel Bestseller von 2021 nachlesen: „Ohne Alkohol: Die beste Entscheidung meines Lebens: Erkenntnisse, die ich gern früher gehabt hätte“ (Kailash).*
OAMN richtet sich an Menschen, die einen problematischen Alkoholkonsum hinter sich lassen wollen, und versucht, nicht nur Tipps und Motivation zu geben, sondern auch das gesellschaftliche Verständnis von Alkohol und Abstinenz zu verändern.
Ihr zweites Buch „Frauen und Alkohol: Wie sie trinken, warum sie trinken und was sie gewinnen, wenn sie damit aufhören“ hat sie zusammen mit dem Suchtmediziner Prof. Dr. Falk Kiefer geschrieben, zeigt Fallbeispiele auf und ist wissenschaftlicher aufgebaut.



Kernthemen des Buches
- Warum Alkohol heute bei Frauen gesellschaftlich akzeptiert ist und oft auf Stress, Überforderung oder emotionale Belastung reagiert wird.
- Wie Trinkverhalten und Gründe bei Frauen sich von traditionellen Vorstellungen unterscheiden.
- Die Auswirkungen des Alkoholkonsums auf Gesundheit, Beziehungen und Alltag.
- Außerdem zeigt es Wege auf, den Alkohol hinter sich zu lassen.
Denn „Ein Leben ohne Alkohol ist keine Qual, sondern bedeutet Freiheit!“
Die Fallbeispiele sind sehr gut und plastisch beschrieben und greifen auch wichtige gesellschaftliche Frauenthemen auf: das ewige Überfordertsein, Stress, die Angst, nicht zu genügen. Von der Leistungsträgerin der Generation X über die Babyboomerin, die plötzlich nichts mehr mit sich anfangen zu weiß, bis zur ewig gestressten und oftmals gemobbten Gen Y – jede Altersgruppe weist ein spezifisches Trinkverhalten auf. Dabei spielen politische und kulturelle Rahmenbedingungen auch eine wichtige Rolle.


Stüben und Kiefer zeigen Alarmsignale und Augenöffner in Sachen Alkohol-Abhängigkeit auf, und die verschiedenen Frauentypen illustrieren ihre Erkenntnisse und Forschungsergebnisse. „Abstinenz als Chance“ und „Was du ohne Alkohol gewinnen kannst“ – am Ende wird es praktisch und hilfreich. Das Buch hat das Zeug zum Klassiker der deutschen Sober Literatur.

Mia Gatow – Rausch und Klarheit
Mia Gatow (*1984) ist ist freie Autorin und Podcast-Host aus Berlin, die für Medien wie Tagesspiegel, Cosmopolitan, Playboy und andere Publikationen schreibt. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit arbeitet sie auch als Illustratorin und Journalistin. Zusammen mit Mika Döring moderiert sie den wöchentlichen SodaKlub-Podcast, der sich mit Themen rund um Alkohol, Sucht und Unabhängigkeit beschäftigt. Ihr Memoir „Rausch und Klarheit“ ist 2024 erschienen, und es ist ein rauschhafter, phantastisch gut geschriebener Trip durch die Geschichte ihrer Alkoholabhängigkeit und die Befreiung daraus.
„Der Alkohol, meine Familie, die Gesellschaft und ich“ – so der aussagekräftige Untertitel des Buchs. Mia Gatow verknüpft hier ihre persönliche Autobiografie mit einer rasanten gesellschaftlichen Analyse des Alkoholkonsums.



Fotos Mia Gatow: Philip Zwanzig
Alkohol in der Familie
Sie beschreibt plastisch, wie sehr der Alkohol in ihrer Familie präsent war und wie er zu einem festen Bestandteil ihres eigenen Lebens wurde. Der Text beleuchtet die Romantisierung des Trinkens, die gesellschaftliche Normalisierung von Alkohol und die emotionalen Geschichten, die wir darüber erzählen, um ihn zu rechtfertigen. Toxische Beziehungen und Berliner Großstadtleben inklusive.
„Stigma“, „Die schöne Französin“, „Rotwein und Rebellion“, Trink-Mythen oder „Die Suche nach Drama und Großen Gefühlen“ – Gatows Überschriften sprechen schon für sich.
Mathilde
Über ihre Großmutter Mathilde schreibt sie: „Als meine Eltern sich in den späten Siebzigern in einem westdeutschen Dorf verliebten, war die Mutter meines Vaters gerade in einer Entzugsklinik. Damals sagte man, Mathilde sei »auf Kur«. Als ich klein war, waren viele Frauen in regelmäßigen Abständen »auf Kur«. Ich stellte mir vor, dass die Frauen auf Kur waren, um für ihre harte Arbeit belohnt zu werden, und dass sie dort permanent Schaumbäder nahmen, in malerischen Parks lustwandelten und in weißen Leinenkleidern auf sonnenbeschienenen Terrassen in der frischen Brise saßen wie Damen auf Renoir-Gemälden. Heute frage ich mich, wie viele der Mütter in Wirklichkeit in Kliniken waren, um Abhängigkeit, Depressionen oder Burn-out behandeln zu lassen – alles Leiden, die man höchstens inoffiziell hatte.“


Großstadtleben in Berlin
„Ich agiere meinen Liebeskummer aus wie eine Wahnsinnige auf einer Selbstmordmission. Ich fantasiere von Mord und Brandstiftung, verliere mich nächtelang in dunklen Clubs, verwickle mich bei einem Streit mit Heiner auf der menschenleeren frühmorgendlichen Oranienburger Straße in eine Quasischlägerei mit ein paar Polizisten und lande in einer Gefängniszelle. Ich habe Kater epischen Ausmaßes, einer davon verwandelt sich in eine Panikattacke, mit der ich im Krankenhaus lande.
Wenn ich auch nur an Heiners Haus vorbeigehe, beginne ich am ganzen Körper zu zittern. Ich arbeite trotzdem weiter im Kunsthaus und bin der Meinung, dass es als Selbstschutzstrategie völlig ausreicht, von der dritten Etage ins Erdgeschoss zu wechseln. Meine Bewältigungsstrategie: Zynismus und Sex mit Fremden, Peaches singt Fuck the Pain Away, und ich nehme mir das zu Herzen. Ich werfe fremden Männern in Clubs schwülstige Blicke zu, zerre sıe ohne Vorstellungsrunde in Toilettenkabinen und verbeiße mich in ihnen, ohne sie hinterher auf der Tanzfläche eindeutig zuordnen u können. Ich sammle Typen auf der Straße auf. Ich zeige auf einen und sage: »Hey, du, komm jetzt mit!« Das funktioniert erstaunlicherweise fast immer.“

Hin zur Klarheit
Vom schillernden intensiven Nachtleben über den „gewöhnlichen“ Konsum bis hin zu wiederkehrenden echten Lebenskrisen, die letztendlich zu der Erkenntnis führen, dass Alkohol zu einem Problem geworden ist. Eine mitreißende Tour de Force, in der sich manch eine sicher wiedererkennen wird. Klarheit und Unabhängigkeit statt „glamouröses Trinken“ stehen am Ende, der ein Neuanfang ist. Mia Gatow und Nathalie Stüben sind übrigens eng befreundet und auch 2026 gemeinsam auf Lesetour.

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