BARABARA – ein Slow Fashion Label und seine Schöpferin Barbara Baum

Barbara Baum und ihr Label BARABARA ist mir auf Instagram aufgefallen, denn ich bin ja immer auf der Suche nach interessanter Slow Fashion. Was ich lange nicht wusste: Barbara ist eine etablierte Designerin und erfahrenen Dozentin in Sachen Mode. Geboren in Deutschland studierte sie Modedesign am Central Saint Martins College of Art & Design und am Royal College of Art in London.
Historische Kostüme in München, London, Kenia…
Nach ihrem Studium lebte sie weitere 25 Jahre in London, wo sie als Modedesignerin und Beraterin für zahlreiche internationale Modehäuser in Großbritannien, Italien, den USA, Mexiko und der Türkei tätig war. Vor ihrer Karriere als Modedesignerin absolvierte Barbara eine Ausbildung zur Herstellung historischer Gewänder in der Kostümabteilung der Nationaloper in München. Dort erlernte sie technisches und handwerkliches Wissen, das für ihre Designarbeit von zentraler Bedeutung ist. In den frühen 1990er-Jahren war Barbara Leiterin eines Entwicklungszusammenarbeitsprojekts für lokale Frauen auf der Insel Lamu in Kenia.



Sie war verantwortlich für den Aufbau einer kleinen Modeschule für muslimisch-swahilische Frauen vor Ort. Gemeinsam mit ihrem Team und ihren Schülerinnen entwickelte sie ein Programm zur Einkommensgenerierung durch die Herstellung von „modest fashion“. Inspiriert von den traditionellen Handwerken und der lebendigen Kultur der Insel. Barbara unterrichtete an Kunst- und Designhochschulen in Großbritannien sowie in Izmir, Türkei.
Ihre umfangreiche Erfahrung ermöglichte es ihr, viele talentierte Studierende mit unterschiedlichstem Hintergrund zu fördern und ihnen zu helfen, einen individuellen Designstil und ethischen Ansatz zu entwickeln – was in zahlreichen erfolgreichen Karrieren in der Modebranche mündete.
Ich habe Barbara in ihrem Münchner Pop Up Store besucht und ein Interview mit ihr geführt.
Wann und warum hast du BARABARA gegründet? Was bedeutet der Name?
Ich verbrachte mein Erwachsenenleben größtenteils außerhalb Deutschlands, kehrte aber 2020 in meine Heimatstadt München zurück. Meine Neugier auf die Traditionen und das Gemeinschaftsleben der von mir in unterschiedlichsten gelebten Ländern führte zu einer sensiblen und kulturbewussten Herangehensweise an Modedesign, Handwerkskunst und Produktion. Meine Erkundung Bayerns nach meiner Rückkehr inspirierte mich zu Recherchen über Geschichte, lokales Handwerk und historische Kleidung – woraus 2021 meine erste Marke BARABARA und die daraus bisher resultierenden Kollektionen Alpine Ballroom und Charivari entstanden.



BARABARA bedeutet „die Straße“ in der Sprache Kiswahili. Es ist ein Spitzname, den ich von meinen Freundinnen und Freunden auf der Insel Lamu in Kenia, Ostafrika, erhielt. Passend für ein Modelabel, das sich auf einer Spurensuche bewegt.
Warum ist dir Nachhaltigkeit wichtig?
Folgende Punkte sind für mich als zeitgenössisches Label relevant:
• Respekt und Wertschätzung gegenüber Ressourcen – ob kultureller oder materieller Art.
• Herstellung von saisonunabhängigen und vielseitig einsetzbaren Kleidungsstücken und Accessoires mit langer Lebensdauer.
• Verwendung von recycelten, lokalen, Restposten- und Vintage-Materialien.
• Verwendung von Rohmaterialien produziert von kleinen Familienunternehmen um ihr Bestehen auf den globalen Märkten zu stärken.
• Zusammenarbeit mit spezialisierten Kunsthandwerker:innen und älteren Generationen zur Bewahrung handwerklicher Traditionen und Unterstützung marginalisierter Gemeinschaften durch würdevolle Beschäftigungsmöglichkeiten.
• Begrenzte Produktion – angepasst an den tatsächlichen Bedarf, um Überproduktion zu vermeiden.
• Archivkollektion zum Verkauf verfügbar halten, da gutes Design zeitlos ist.



Charivari von BARABARA an Sonnenblumen (PR Sample). Fotos: Angela Bornschlegel Fotografie
Was inspiriert dich? Woher kommt deine Inspiration?
Durch mein überwiegend in der Ferne verbrachtes Leben haben mich Begriffe wie „Heimat“ und „Nation“ gleichermaßen angezogen wie irritiert. Gibt es sie überhaupt in klarer Form?
Die Geschichte zeigt, dass globale Arbeitsmärkte, Klimawandel, Konflikte und Ungleichheit zwar Wanderbewegungen verstärken, aber auch eine Neugierde auf das Fremde und den Wunsch, voneinander zu lernen, mit sich bringen.
Auch wenn diese Bewegungen nicht immer unter glücklichen Umständen entstehen, tragen sie doch maßgeblich zur Vielfalt unseres kulturellen Erbes bei – durch das Zusammenfließen von Menschen, Geschichten und Traditionen.
Besonders spannend an Bayern finde ich sein Beharren auf Ursprünglichkeit und die Sehnsucht, diese zu bewahren. Schaut man jedoch genauer hin, erkennt man: An Bayern ist so viel „bayerisch“ wie an London „englisch“ – nicht allzu viel! In Bayern waren unter anderem die Franzosen, die Amerikaner, und der Handel über die Alpen – genauso wie sich in London die Bürger:innen des halben ehemaligen Empires versammeln.
Diese Vermischungen machen Kultur lebendig – sie schaffen ein kollektives, sich ständig wandelndes kulturelles Erbe, welches ich mit BARABARA feiern möchte.
So bin ich heute mit den Augen einer „Fremden“ unterwegs – auf der Suche nach den Spuren meiner „Heimat“.



Beschreibe deine aktuelle Kollektion!
Für 2026 arbeite ich gerade an einer Serie von handgestrickten Mohair Jankern, Pullis und Orden der Ehre. Wie alle Produkte von BARABARA sind sie vom kulturellen Erbe des Alpenraums inspiriert und in diesem Falle vom traditionellen Walkjanker und Ehrenorden aus der Kaiserzeit. Wie immer bei BARABARA bewegt sich die Ästhetik zwischen DADA und ROMANTIK – eine Verbindung von humorvollem Spiel und emotionaler Tiefe.
Was sind deine Pläne und Wünsche für die Zukunft?
In einem Pippi Langstrumpf Schloss wohnen und arbeiten – will keep you posted! 😜
Wie und wo kann man die Stücke kaufen?
Im Online Shop unter
https://bara-bara.net/collection/all
Auf Pop Ups in München und Umgebung und internationalen Designmessen.
Der nächste Pop Up mit den Produkten, die im Webshop ausgestellt sind, ist seit 5. November 2025 im Akjumii, Reichenbachstraße 36, 80469 München, und die BARABARA Produkte sind dort durchgehend bis 20. Dezember 2025 erhältlich.
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