Tschechiens Bäderdreieck Teil 3: Karlsbad und Elbogen – Loket

Schon an den tschechischen Namen erkennt man, dass in Karlsbad, also Karlovy Vary, etwas anders ist als in Marienbad – Mariánské Lázně – und Franzensbad -Františkovy Lázně. Hier sind die heilenden Quellen des berühmten Kurbads nämlich warm, beziehungsweise fast heiß. Entstanden sein soll der Ort bereits im 14. Jahrhundert, um seine Entstehung ranken sich die verschiedensten Sagen. Die Legende erzählt von einem Hirsch, der auf der Flucht vor Jägern von einer Felsklippe sprang und in das heiße Wasser fiel. Daran erinnert der sogenannte Hirschensprung (Jelení skok) oberhalb des Tals der Teplá mit der Hauptpromenade.
Einer anderen Geschichte aus der Zeit der Herrschaft Karls IV. zufolge stürzte während einer Jagd einer der Hunde aus der kaiserlichen Jagdgesellschaft in eine Vertiefung mit heißem Wasser und verbrühte sich beinahe. Dieses Ereignis soll die Jäger und sogar den Kaiser selbst auf das Vorhandensein der heißen Quellen im Tal aufmerksam gemacht haben. Das Wasser wurde verkostet und der Kaiser soll die Besiedlung rund um diese erste Quelle angeordnet haben, weil er um die heilende Wirkung wusste.



La Belle Époque
Seine prägende Blütezeit erlebte Karlsbad in der Belle Époque, der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Fünf eindrucksvolle Kolonnaden und Kurhäuser, die von weltberühmten Architekten wie Ferdinand Fellner oder Hermann Helmer im Stil der Renaissance und Antike, später auch im Empire- und Funktionalismus-Design entworfen wurden, zeugen unter anderem davon. Besonders sehenswert sind die Mühlbrunnkolonnade mit Skulpturen nach Entwürfen von Josef Zitek, die Sprudelkolonnade mit dem Pavillon des Sprudel-Geysirs und die Marktbrunnkolonnade mit dem Bild der Stadtgründung durch Karl IV.
Die Stadt liegt im Tal der Flüsse Teplá und Eger und ist von Wäldern mit vielen Spazierwegen und Aussichtspunkten umgeben, die zu gemütlichem Bummeln – oder Erkundungstouren im heilsamen Mikroklima einladen. Nur der Aufenthalt dort ist also an sich schon gesund.






Pure Gesundheit
Und der größte der drei Kurorte bietet neben den oben genannten Prachtbauten natürlich als Wichtigstes zwölf gefasste Quellen, aus denen man unter pittoresken Kolonnaden Heilwasser schöpfen kann. Dafür benutzt man am besten ein typisches Trinkgefäß mit Schnabel. Der Schnabelbecher dient dazu, die Karlsbader Quellen langsam und in kleinen Schlucken zu trinken. Das Mineralwasser kann so sanft und gleichmäßig in den Mund fließen, wie es beim Verkosten der Quellen üblich ist. Die Karlsbader Quellen haben von Natur aus einen hohen Gehalt an Mineralstoffen, daher empfiehlt es sich, sie in kleinerer Menge und eher in Form einer Kostprobe zu genießen. Das Wasser bildet sich etwa 2.500 Meter unter der Erdoberfläche, wird für Trinkkuren, Bäder, Inhalationen und Spülungen verwendet. Es unterstützt Verdauung, Stoffwechsel, Bewegungs- und Stützapparat, Atmungs- und Kreislaufsystem, hilft bei bestimmten Erkrankungen und kann auch psychisches Wohlbefinden beeinflussen. Die Karlsbader Heilquellen ziehen bis heute Besucher aus aller Welt an, einst auch Größen wie Franz Josef I., Goethe, Paganini oder Freud.



Die sogenannte 13. Quelle ist übrigens hochprozentig: das ist nämlich der berühmte Kräuterlikör Becherovka, dem ein ganzes Museum am Rand des Stadtzentrums gewidmet ist. Und dann wären dann natürlich auch noch die sogenannten Karlsbader Oblaten: hauchdünne mit Zucker oder Schokolade gefüllte runde Waffeln, ein beliebtes Mitbringsel.
Fitness im Kaiserbad
Im Kaiserbad unweit des Grandhotels Pupp, in dem schon der James Bond Thriller „Casino Royal“ gedreht wurde, entstand 1893 im großen Saal eines der ersten „Fitness Studios“ Europas mit 55 Geräten, an denen sich die Kurgäste ertüchtigen konnten. Karlsbad steckt voll von diesen Geschichten aus Adel und Politik. Während des Sozialismus wollte man übrigens die linke Seite der Teplá ganz anders gestalten.



Im Stil des sogenannten Brutalismus wurde das Hotel Thermal in den 1970er-Jahren (auch) als Spielstätte für die Internationalen Filmfestspiele Karlsbad errichtet. Der Grundriss ist einer Filmkamera nachempfunden, was man auf den ersten Blick natürlich nicht erkennt. Von außen ein riesiger grauer Klotz wirkt das Hotel Thermal innen durch viel Glas luftig, und der Blick aus einem der Zimmer und Suiten ist einmalig. Genauso wie das Thermalbad auf der Dachterrasse, das der Öffentlichkeit zugänglich ist. Wieder. Lange Jahre war es aus Kostengründen geschlossen.















Die roten Ledersessel der Lobby, der eindrucksvolle große Kinosaal, die Original Logos und Hinweisschilder – auch nur zum Schauen sollte man das Hotel Thermal wenigstens über die Lobby betreten. Die Filmfestspiele finden hier einmal im Jahr nach wie vor mit der internationalen Crème de la Crème der Schauspieler und Regisseure statt.



Hervorragend gegessen haben wir im Restaurant La Hospoda etwas außerhalb des Zentrums mit schönen Außensitzen, innen ist es modern und floral eingerichtet. Der Service und das Menü waren hervorragend.






Loket – Elbogen
„Casino Royal“ wurde nicht in Montenegro gedreht, sondern die Szenen in Grandhotel Pupp in Karlsbad, wie bereits erwähnt. Und ein weiterer Drehort war Loket, zu Deutsch Elbogen mit seiner eindrucksvollen Burg. Ein bezauberndes Städtchen, das sich in eine Eger-Flussschleife (Flussknie, daher der Name) schmiegt und ein beliebtes Ausflugsziel für Karlsbads Kurgäste war und ist. Goethe soll hier im heutigen Hotel Weißes Roß vergeblich um die Hand von Ulrike von Levetzow angehalten haben. Er wurde von der 50 Jahre jüngeren abgewiesen, feierte aber trotzdem hier mit ihr seinen 74. Geburtstag.

Auf der Terrasse des Hotels sind dem verhinderten Paar und dem Dichterfürsten Gedenktafeln gewidmet. Hier kann man durch die pittoresken Gassen spazieren und in einem der zahlreichen Cafés auf dem Marktplatz einen Kaffee trinken. Auch die Spazierwege unten am Fluss sind einfach romantisch und erholsam.






Am Ende meiner Serie zum Bäderdreieck möchte ich auch noch einmal darauf hinweisen, dass das ganze Gebiet des Bäderdreiecks hervorragend mit der Bahn besucht werden kann. Wanderungen und Radfahren sind in der herrlichen Natur ringsherum sehr gut möglich. Bei der Tourenplanung helfen die Touristenbüros. Und hier geht es noch zu meinen Beiträgen rund um
Marienbad und
Auch immer eine Reise wert:
Cesky Krumlov, Krumau
Pressereise in Kooperation mit VisitCzechia & AHM Communications
Weitere Infos zum Bäderdreieck und Karlsbader Region unter
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