Tschechiens Bäderdreieck – Teil 1: Franzensbad, Eger und das Naturschutzgebiet Soos

Wie ihr wisst, besuche ich unser Nachbarland Tschechien besonders gern, zweimal war ich bereits in Südböhmen in Český Krumlov zu Besuch. Jetzt habe ich mich über eine Presse-Einladung in das bekannte Bäderdreieck in Westböhmen gefreut. Untergebracht war ich in der kleinen Perle Franzensbad nahe der hübschen Stadt Eger (tschechisch Cheb), deshalb stelle ich euch beides gleich zu Anfang vor. Die Gegend hat aber noch viel mehr als heilendes Quell- und Kurwasser zu bieten, was im Laufe der Artikelserie sicher zum Vorschein kommen wird.
Drei Bäder im Dreieck
Auf Tschechisch heißen die drei historischen Kurstädte Karlovy Vary (Karlsbad, gegründet 1370), Mariánské Lázně (Marienbad, offiziell gegründet 1808) und Františkovy Lázně (Franzensbad, gegründet 1792). Die beiden Zusätze Lázně deuten auf kalte Quellen hin, das Vary in Karlsbad auf heiße.
Was alle drei eint, sind nicht nur die heilenden Quellen, sondern die prachtvolle Architektur in den Farben „Schönbrunner Gelb“ und Stuckweiß, ihre kulturelle Bedeutung und die prominenten Besucher – darunter Goethe, Beethoven oder Kaiser Franz Joseph I.



Franzensbad
Františkovy Lázně, Franzensbad wurde zu Ehren von Kaiser Franz II. benannt, dem letzten Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und ersten Kaiser von Österreich, der die Gründung der Kurstadt unterstützte.



Erstes Bild li.: Es soll Fruchtbarkeit bringen, das beste Stück des Jungen anzufassen… Hihi…
Es ist der kleinste, heute ruhigste und grünste Ort unter den Bädern, beherbergt das älteste Kurhotel der Welt, das „Drei Lilien“, und gehört zusammen mit zehn weiteren Kurstädten zum UNESCO-Welterbe.
Früher kamen vor allem Frauen, die keine Kinder bekommen konnten oder andere gynäkologische Probleme hatten, nach Franzensbad. Und betrachtet man heute die wunderschöne Kurpromenade mit dem Casino im Vordergrund, das nächstes Jahr wiedereröffnet werden soll, sieht man direkt die fein gekleideten Damen mit ihren Galans vor sich, die damals auch den diversen Vergnügungen wie Cafés, Konzerten oder Tanzveranstaltungen nicht abgeneigt waren.



Mineralwasser, Salz und Moor
Die 20 Quellen sind zum Teil stark mit Glaubersalz versetzt, in Franzensbad werden aber heute auch Herz- und Gefäßkrankheiten und vieles mehr behandelt. Und allein schon ein Spaziergang in einem der vielen Parks ist durch die mit Kohlendioxid angereicherte Luft an sich sehr gesund. Er herrscht ein einzigartiges Mikroklima.



Ich durfte hier unter anderem die „Slatinné lázně“ (Moorheilbäder) besuchen, wo mir vor Ort erklärt wurde, woher das Moor für die Kurbehandlungen stammt, wie er transportiert und weiterverarbeitet und schließlich angewärmt und verdünnt direkt in die Kabinen hineingereicht wird. Balneotechnikerin Romana Omáčková beschrieb auch, dass in der Frauenheilkunde das heilende Moor bis heute sowohl innerlich mithilfe eines Tampons als auch äußerlich angewendet wird.



Die dritte Form neben Heilwasser und Moor ist das sogenannte Naturheilgas, das aus dem Franzensbader Mineralwasser und aus einer separaten CO₂-Trockenquelle separiert wird. Das reine natürliche Kohlendioxid vulkanischen Ursprungs kann für Trockengassitzbäder, Gasinjektionen und gynäkologische Gasbäder verwendet werden. Offene Wunden können so auch ohne Wasser gut behandelt werden.
Naturschutzgebiet Soos
Sechs Kilometer nordöstlich von Franzensbad befindet sich auf einer Länge von 2.200 m und etwa 1.400 m Breite das Naturschutzgebiet Soos, ein Torf- und Mineralwiesenmoor mit ausströmendem Naturgas aus sogenannten Mofetten, das gut gepflegt und erhalten wird. Das geringe Eintrittsgeld ist also durchaus berechtigt.



Der Name „Soos“ bezeichnete früher im Deutschen ein unfruchtbares Sumpfgebiet, das nur Wildtieren als Zufluchtsort diente. Eine reiche Fauna und Flora sowie eine Tierauffangstation findet man in dem Naturreservat neben den Gasquellen ebenfalls. Nur ein Teil des Gebiets kann über einen Holzpfahlweg begangen werden. Die Kaiserquelle in Soos ist die wärmste im Egerbecken, ihre Temperatur schwankt zwischen 14 und 18 Grad.



Eine Mofette, die wie eine Pfütze aus kochendem Wasser aussieht, ist in Wirklichkeit also eine Austrittsöffnung für Kohlendioxid. Dieses Gas stammt aus dem Erdmantel und hat bis zur Oberfläche eine Strecke von über 30 km zurückgelegt. Mineralwasser gehört übrigens nicht zu den erneuerbaren Ressourcen, es entsteht unterirdisch durch die Vermischung von kohlendioxidgesättigtem Regenwasser mit tertiären Solen. Der Boden ist hier so salzig, dass dort Pflanzen wachsen, die sonst nur an der Meeresküste heimisch sind. Ein echtes Erlebnis für alle Sinne, das auch für einen Kurztrip aus Deutschland geeignet ist. Das Sooser Moor ist auch heute noch im Besitz der Stadt Franzensbad.
Eger und seine historischen Dachstühle
Das sogenannte Egerbecken mit dem verloschenen Vulkan ist nach Cheb, deutsch Eger, benannt. Im Hoch- und Spätmittelalter war Eger Freie Reichsstadt im Heiligen Römischen Reich, was sich heute noch im Stadtwappen widerspiegelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die meist deutschsprachige Bevölkerung zwangsausgesiedelt, beziehungsweise vertrieben.



Aber auch heute noch lohnt sich ein Besuch der pittoresken Altstadt, dem Marktplatz mit prächtigen Bürgerhäusern und den Resten einer einst wehrhaften Burg am malerischen Fluss Eger. Eine Besonderheit sind auch die besonders gut erhaltenen mehrstöckigen Dachstühle in den Stadthäusern aus dem Mittelalter, dem Barock und der Renaissance, die man zum Teil in Führungen besichtigen kann.



Stadtmuseum, Kirche, Freizeit, Restaurants
Das 1873 gegründete Stadtmuseum ist im sogenannten Pachelbelhaus beheimatet, wo Wallenstein ermordet worden ist, der eigentlich Waldstein hieß. Ein schöner sehr informativer Ort mit tollen Exponaten vom Mittelalter über den Sozialismus bis hin zur Neuzeit. Zu den Besonderheiten zählen das Egerer Antependium aus dem 14. Jahrhundert, der Kachelofen von Willibald Russ, Produkte der Es-Ka Fahrrad-Werke und die umfangreichste Kollektion persönlicher Besitztümer Albrecht von Wallensteins, einschließlich dem ausgestopften Lieblingspferd, eines der ältesten Tierpräparate weltweit.












Ein Besuch der schönen Pfarrkirche St. Nikolaus lohnt sich ebenfalls. Eger hat ein weitläufiges Freizeitgebiet mit Spazierwegen, Kletterpark, Spiel- und Sportplätzen, das man gut vom Schwarzen Turm der Kaiserburg aus sehen kann. Dieser ist also ebenfalls eine Stippvisite wert – ein Besuch der Burg lohnt sich auch schon allein wegen der romanisch-gotischen Schlosskapelle.









Die Reste der Kaiserburg mit dem Schwarzen Turm und der Schlosskapelle, Blick auf das weitläufige Freizeitgelände



Pfarrkirche St. Nikolaus
Zwei, drei kulinarische Tipps: das Restaurant Hvězda am Marktplatz ist einerseits im Stil gemütlicher tschechischer Kneipen gehalten, hat aber tolle moderne Akzente und ist sehr großzügig gestaltet. Das Essen hat auch sehr gemundet. Genauso wie im kleinen Bistro Botanik gleich beim Stadtmuseum. Gegenüber gibt es übrigens in der Gelateria Corso das beste Eis weit und breit.






Restaurant Hvězda






Bistro Botanik
Hotel Harvey Spa in Franzensbad
Gewohnt habe ich im Fünf-Sterne-Hotel Harvey Spa Hotel (Dlouhá 222, Františkovy Lázně), ein modernes Haus mit schöner typischer gelb-weißer neoklassizistischer Fassade am Rand der Kurzentrums. Meine Suite unterm Dach war sehr geräumig, mit toller Badewanne und einem bequemen Box Spring Bett. Kapselmaschine für den Kaffee am Morgen, Minibar, sogar ein Bügeleisen gab es…






Der Wellness-Bereich im Keller ist klein, aber fein. Frühstück und Abendessen kann man in Buffetform schnabulieren. Im Restaurant William’s kann man auch à la carte essen. Alles war sehr gut. Verschiedenste Wellness- und Kurbehandlungen werden natürlich auch angeboten, meine halbstündige Massage war absolut wohltuend und fachgerecht ausgeführt.
Der Lobby-Bereich, die Zimmer und das Restaurant sollen im Frühjahr 2026 komplett restauriert werden. Vielleicht darf ich ja dann neue Bilder zeigen… Hier seht Ihr nachfolgend schon einmal die Pläne:




Jeden Abend gibt es in einem der Kurhotels übrigens feine kleine Konzerte, die man kostenlos besuchen kann. Ich durfte einem Jazz-Duo im Hotel Belvedere lauschen. Das Kulturprogramm findet man in den ausliegenden Franzensbader Blättern.
Weitere Infos zum Bäderdreieck und Karlsbader Region unter
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