Vorbilder: Slow Fashion von LUNA & Petra

Petra Vykoukalova und ihr Label LUNA habe ich vor Jahren auf dem Dilly Dally Design Markt in Regensburg entdeckt, das jedes Jahr im Herbst stattfindet. Immer wieder stoße ich dort auf außergewöhnliche nachhaltige Slow Fashion Brands, die sich wohltuend vom Mainstream abheben. Petra arbeitet einerseits mit sogenannten Deadstock-Stoffen, aus denen sie tolle Kimonos und Kleider näht, andererseits setzt sie auf Upcycling und gestaltet Secondhand Blazer, T-Shirts und Blusen mit viel Farbe, Stickereien und Schmuck um. Mehr erzählt sie im Interview.
„Ich bin eine Frau, Mutter, Designerin und komme aus Prag. Ich bin 48 Jahre alt und habe ursprünglich als Grafikdesignerin gearbeitet. Aber das hat mich nie wirklich erfüllt – nichts fiel mir leicht, alles fühlte sich immer erzwungen und anstrengend an.“



(Die Fotos, auch Titel, vom Blazer und dem Hemd stammen von Wiebke Weisbach)
Wann und warum hast du LUNA gegründet?
Mit der Zeit begann die Arbeit als Grafikdesignerin mich zu ermüden und zu frustrieren, bis ich an einem Punkt angekommen bin, an dem ich Burnout hatte und sagte: Genug. Es war Zeit, das zu tun, was mich wirklich glücklich macht – Mode, Styling, Secondhand-Funde und handgemachte Arbeiten. Seit meiner Kindheit fühle ich mich zu diesen Dingen hingezogen.
Früher habe ich Kleidung für mich genäht und umgestaltet, und die Leute fragten oft, was ich trage. Deshalb dachte ich, ich könnte es auch anderen anbieten – so entstand LUNA. Es war keine leichte Zeit – mein Sohn besuchte eine private High School und ich war alleinerziehend. Aber ich bin jemand, der nach Lösungen sucht, statt Ausreden zu finden. Seitdem hat sich LUNA stark verändert und ist in eine etwas andere Richtung gewachsen, als ich es ursprünglich geplant hatte. Aber diese Reise bereitet mir unglaubliche Freude, und ich bin gespannt, wohin sie uns noch führen wird. 🙂



Warum ist Nachhaltigkeit für dich so wichtig?
Das ist keine einfache Frage, denn für mich ist Nachhaltigkeit ganz natürlich und selbstverständlich – manchmal weiß ich gar nicht, wie ich darauf antworten soll.
Als Menschen sind wir oft im Materialismus gefangen. Wir leben über unsere Verhältnisse, nehmen Dinge als selbstverständlich hin, verschwenden Ressourcen und tun so, als hätten wir keine Konsequenzen.



Wir jagen Besitz und Geld nach, vergessen aber, was wirklich wichtig ist – Beziehungen und die Verbindung zu uns selbst. Wir haben Angst vor Stille, weil Stille unser Gewissen und Fragen aufwirft, denen wir uns nicht stellen wollen.
„Wir umgeben uns mit Dingen, um die Leere zu verdecken, anstatt nach innen zu schauen und uns selbst zu heilen. Wo wir heute als Gesellschaft stehen, ist nicht die Schuld von anderen – es ist das Ergebnis unserer eigenen Entscheidungen.“
Und zu glauben, dass wir als Einzelne keinen Unterschied machen können, ist meiner Meinung nach der größte Fehler. Wenn nur jeder von uns eine andere Person dazu inspiriert, bewusster und nachhaltiger zu leben, wäre das schon genug.



Was inspiriert dich? Woher kommt die Inspiration?
Ich bin eine emotionale und introvertierte Person. Die meiste Inspiration kommt, wenn ich allein bin, in Stille, im Wald, nur mit mir selbst. Dort beginnt alles.
Wenn ich kreativ bin, brauche ich Ruhe und Musik um mich herum. Ich arbeite meistens in intensiven Phasen – ich kann 16 Stunden am Tag an einem Projekt arbeiten, eine ganze Woche lang, und dann brauche ich ein paar Tage, um mich zurückzuziehen und neue Energie zu tanken. Das ist mein natürlicher Rhythmus. Vivienne Westwood ist eine große Inspiration für mich, ebenso Tim Burton, den ich für einen absoluten Genie halte.



Beschreibe deine aktuelle Kollektion!
LUNA befindet sich in ständiger Weiterentwicklung. Ich entferne mich nach und nach von Deadstock-Stoffen und arbeite immer mehr mit Vintage- und Secondhand-Kleidung, die ich bedrucke, von Hand nähe und mit Schmuck dekoriere.
Derzeit konzentriere ich mich hauptsächlich auf Blazer, die ich für eines der wichtigsten und zeitlosesten Stücke in jedem Kleiderschrank halte.



Ich habe einige Ideen für Herbst und Winter, aber mein kreativer Prozess ist sehr spontan, deshalb weiß ich nie genau, wie alles am Ende aussehen wird.
Die Blazer werden definitiv bleiben, und ich möchte auch mit Pullovern und Winteraccessoires anfangen. Außerdem spiele ich momentan mehr mit Vintage-Perlen – ich bereite Armbänder und Taschenanhänger vor. Und natürlich sind alle bunt 🙂
Wie und wo können die Leute die Stücke kaufen?
Die meisten finden mich auf Märkten – die meisten meiner Kunden kommen aus Deutschland. Die Deutschen lieben Farben, sie sind mutig, und es macht mir großen Spaß, sie zu kleiden.



Kimono aus Deadstock-Viscose auf Frankreich. Fotos: Birgit Pechler
Wenn jemand etwas mag – egal ob bei jemand anderem oder auf Instagram – kann er mir direkt eine Nachricht schicken, und wir finden eine individuelle Lösung.
Ich habe keinen traditionellen Online-Shop und plane auch momentan keinen zu starten. Aber ich habe einige Pop-Art-Shops in Deutschland kontaktiert, mal sehen, ob daraus etwas wird.
Was sind deine Pläne und Wünsche für die Zukunft?
Im Herbst plane ich, durch Europa zu reisen und verschiedene Märkte zu besuchen. Ich brauche eine Pause, um neue Inspiration zu sammeln.



Gleichzeitig konzentriere ich mich jetzt mehr auf Online-Kurse zu Farbgestaltung und Styling. Im August starte ich einen neuen Bereich auf Substack, der sich mit Mode und nachhaltigem Styling beschäftigt.
Außerdem widme ich mich mehr dem Styling selbst und plane, bei dem Markt im Oktober in Regensburg kostenlose Styling-Sessions anzubieten.



Viele von uns haben etwas zu Hause, das wir nicht wegwerfen wollen, weil wir es nicht mehr tragen, aber nicht wissen, wie man es stylt. Genau das macht mir am meisten Spaß – und darin bin ich auch gut.
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