Sonntags-Kolumne: Alles kommt wieder

04. Mai 2025 | immer.dasleben

Von der Mode her kennen wir ja das Spiel: alle paar Jahre kommt alles wieder. Gerade Wildlederjacken in Cognac und Westernlook. So bin ich schon mit 13 damals in die Schule. Und der Rock war Bordeaux-farben, daran erinnere ich mich auch noch.

Sehr lange als komplett altbacken verschrien tauchte Weinrot, so nannten wir das früher, plötzlich am Mode-Olymp auf und strahlt weiter bis in den Sommer. Schleifen und Krawatten gab es schon. Ich warte nur darauf, dass der sogenannte Lumpenlook wieder kommt. Mein Papa, Gott hab ihn selig, spuckte vor Schreck sehr oft morgens sein Salamibrot aus.

Lila ist Mode, lila ist modern, lilane Socken tragen die Herrn… Das hat schon meine Oma gesungen! Fotos: Angela Bornschlegl

Vegetarisch gegen das Patriarchat

A propos Salami. Letztens kam am Hauptarbeitsplatz eine dpa Meldung hereingeflattert zum Thema „Vegetarische Ernährung, Kampf gegen das Patriarchat, umweltschonende Lebensweise und Körperkult – all das hatte vor 120 Jahren schon mal Hochkonjunktur.“ Oder: „Als Franz Kafka täglich für seine Fitness müllerte“ (Müller war einer der Vorreiter einer neuen Bewegung.)

Grob gesagt ging es um eine neue Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn zur sogenannten Lebensreform-Bewegung zu Beginn der 20. Jahrhunderts. Unter der These „Unsere Welt ähnelt auf frappierende Weise der um 1900.“

Kommt immer wieder: der Trenchcoat. Fotos, auch Titel: Udo Prokisch

Diese Bewegung verhalf zum Beispiel unseren jetzigen Reformhäusern zu ihrem Namen. In ganzen Kolonien probten damals vor allem junge Menschen den „Ausstieg aus der kapitalistischen und industrialisierten Gesellschaft. Im Mittelpunkt standen ein alternatives Leben, die Rückkehr zur Natur, aber auch Körperkultur und Gesundheit.“

Politisches Statement

Und weiter heißt es: „Eine fleischlose Ernährung war für die Anhänger der Lebensreform-Bewegung sehr wichtig. Dabei ging es ähnlich wie heute sowohl um gesundheitliche Aspekte als auch um das Tierwohl.“ – „Vegetarismus war aber auch ein politisches Statement“, erläutert Robert Eikmeyer, Kurator der Ausstellung mit dem Titel „Para-Moderne“ weiter: Männer hätten Fleisch in rauen Mengen verschlungen, und insofern sei eine pflanzliche Ernährung auch ein Statement gegen das Patriarchat gewesen.

Aha. Verspottet wurden die fortschrittlichen Gesellen übrigens abfällig als Kohlrabi. Darunter befand sich übrigens auch Franz Kafka. Ob er das 1917 eröffnete erste vegane Restaurant besuchte, weiß ich nicht. Körperkult betrieb er jedenfalls, heißt es.

Das wäre aber doch mal eine Revolution, die den Klimawandel aufhalten könnten oder? Was sagt Trump dazu? Weg mit den Burgern und den pupsenden Kühen, her mit dem Grünkohl!

Ich kann es mir denken.

Eine weniger lustige Wiederkehr begegnete mir einem Biopic zu Charles Aznavour, der am 22. Mai in die deutschen Kinos kommt. Seine Eltern mussten Anfang des 20. Jahrhunderts aus Armenien und Georgien fliehen und landeten in Paris. Und auch als Aznavour schließlich weltberühmt und reich wurde, Flucht und Vertreibung blieben in seinen Genen. Zur Ruhe kam er nie in seinem langen Leben.

Wozu Fremdenhass und fehlende Toleranz gegenüber Minderheiten führen kann, das wissen wir aber jetzt. Das ist anders als 1933. Lernen wir daraus. Never forget.

Kolumnen können gerade schwer durchwegs lustig sein, oder was meint Ihr?

Eure Ursula

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Ursula Gaisa

1968 in Schwandorf geboren. Studium Anglistik und Germanistik in Regensburg. Seit 1994 beim ConBrio Verlag. Journalistin, Buchautorin und Herausgeberin von immerschick.de - liebt Nachhaltigkeit, den Slow Lifestyle, Kunst und natürlich Musik. Chefin vom Dienst der neuen musikzeitung, Porträts für Politik & Kultur, die Zeitschrift des Deutschen Kulturrats. Gründungsmitglied der Bavarian Giants, HSP und neurodivergent...

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