Sonntags-Kolumne: Alles kommt wieder

Von der Mode her kennen wir ja das Spiel: alle paar Jahre kommt alles wieder. Gerade Wildlederjacken in Cognac und Westernlook. So bin ich schon mit 13 damals in die Schule. Und der Rock war Bordeaux-farben, daran erinnere ich mich auch noch.
Sehr lange als komplett altbacken verschrien tauchte Weinrot, so nannten wir das früher, plötzlich am Mode-Olymp auf und strahlt weiter bis in den Sommer. Schleifen und Krawatten gab es schon. Ich warte nur darauf, dass der sogenannte Lumpenlook wieder kommt. Mein Papa, Gott hab ihn selig, spuckte vor Schreck sehr oft morgens sein Salamibrot aus.



Lila ist Mode, lila ist modern, lilane Socken tragen die Herrn… Das hat schon meine Oma gesungen! Fotos: Angela Bornschlegl
Vegetarisch gegen das Patriarchat
A propos Salami. Letztens kam am Hauptarbeitsplatz eine dpa Meldung hereingeflattert zum Thema „Vegetarische Ernährung, Kampf gegen das Patriarchat, umweltschonende Lebensweise und Körperkult – all das hatte vor 120 Jahren schon mal Hochkonjunktur.“ Oder: „Als Franz Kafka täglich für seine Fitness müllerte“ (Müller war einer der Vorreiter einer neuen Bewegung.)
Grob gesagt ging es um eine neue Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn zur sogenannten Lebensreform-Bewegung zu Beginn der 20. Jahrhunderts. Unter der These „Unsere Welt ähnelt auf frappierende Weise der um 1900.“



Kommt immer wieder: der Trenchcoat. Fotos, auch Titel: Udo Prokisch
Diese Bewegung verhalf zum Beispiel unseren jetzigen Reformhäusern zu ihrem Namen. In ganzen Kolonien probten damals vor allem junge Menschen den „Ausstieg aus der kapitalistischen und industrialisierten Gesellschaft. Im Mittelpunkt standen ein alternatives Leben, die Rückkehr zur Natur, aber auch Körperkultur und Gesundheit.“
Politisches Statement
Und weiter heißt es: „Eine fleischlose Ernährung war für die Anhänger der Lebensreform-Bewegung sehr wichtig. Dabei ging es ähnlich wie heute sowohl um gesundheitliche Aspekte als auch um das Tierwohl.“ – „Vegetarismus war aber auch ein politisches Statement“, erläutert Robert Eikmeyer, Kurator der Ausstellung mit dem Titel „Para-Moderne“ weiter: Männer hätten Fleisch in rauen Mengen verschlungen, und insofern sei eine pflanzliche Ernährung auch ein Statement gegen das Patriarchat gewesen.



Aha. Verspottet wurden die fortschrittlichen Gesellen übrigens abfällig als Kohlrabi. Darunter befand sich übrigens auch Franz Kafka. Ob er das 1917 eröffnete erste vegane Restaurant besuchte, weiß ich nicht. Körperkult betrieb er jedenfalls, heißt es.
Das wäre aber doch mal eine Revolution, die den Klimawandel aufhalten könnten oder? Was sagt Trump dazu? Weg mit den Burgern und den pupsenden Kühen, her mit dem Grünkohl!
Ich kann es mir denken.
Eine weniger lustige Wiederkehr begegnete mir einem Biopic zu Charles Aznavour, der am 22. Mai in die deutschen Kinos kommt. Seine Eltern mussten Anfang des 20. Jahrhunderts aus Armenien und Georgien fliehen und landeten in Paris. Und auch als Aznavour schließlich weltberühmt und reich wurde, Flucht und Vertreibung blieben in seinen Genen. Zur Ruhe kam er nie in seinem langen Leben.
Wozu Fremdenhass und fehlende Toleranz gegenüber Minderheiten führen kann, das wissen wir aber jetzt. Das ist anders als 1933. Lernen wir daraus. Never forget.
Kolumnen können gerade schwer durchwegs lustig sein, oder was meint Ihr?
Eure Ursula
Du möchtest nichts mehr verpassen? Abonniere den Newsletter hier. Er kommt nur einmal im Monat und du kannst ihn jederzeit wieder abbestellen.
Ähnliche Beiträge

Marta Naturparfüm und Maria Müller: die Welt der Düfte
Maria Müller kenne ich noch über ihren Naturkosmetik-Laden "Marta", den sie vor ein paar Jahren in der Regensburger Altstadt eröffnet hatte. Inzwischen hat sie sich weiter spezialisiert, nämlich auf Naturdüfte und -Parfums. Ich durfte ja letzten Dezember einen ihrer...

Vielleicht ist Glück viel leiser, als wir denken
Der September hat für mich etwas ganz Besonderes. Dieser Monat speziell, verbringe ich ihn doch das erste Mal mit 60 Jahren. Ein unvergesslicher Geburtstag noch Ende August auf Sylt passend zum Erscheinen meines ersten Inselromans. Der September steht irgendwie...

Face Yoga mit Nina Schennach – ein Interview
Nina Schennach folge ich seit längerem auf Instagram und finde ihre Videos wirklich klasse. Mit bunten Tapes oder Farben markiert sie „Problem-Zonen“ im Gesicht, die sie mit Massagen, kleinen Hilfsmitteln und einfachen Übungen bearbeitet. Jetzt ist ihr Buch dazu...

Mit edubily gesund älter werden: Nährstoffe für Frauen ab 50
Werbung. Ich nehme nicht viele Nahrungsergänzungsmittel ein, aber wenn ich Kollagen nicht supplementiere, merke ich das deutlich an meiner Haut, an meiner Beweglichkeit und insgesamt an meinen Gelenken. Das Strukturprotein kommt immer wieder ins Gerede. Letztens las...

Nachhaltige Labels: Puste die Blume und UMIWI
Kleine nachhaltige Labels und auch noch von Frauen gegründet, begeistern mich immer wieder. Zwei Neuentdeckungen habe ich für euch: UMIWI Schmuck aus Köln und Franka mit ihrem Taschen-Label Puste die Blume aus Mainz. Ich durfte beiden ein paar Fragen stellen. Franka...

Glück beginnt oft dort, wo wir langsamer werden…
Manchmal frage ich mich, wann wir eigentlich beschlossen haben, dass ein guter Tag vor allem ein produktiver Tag sein muss. Wir stehen auf, werfen einen ersten Blick aufs Handy, beantworten Nachrichten, erledigen Termine, schreiben Listen und versuchen, allem und...




0 Kommentare