Sonntags-Kolumne: Jahreszeiten

Es gibt immer so Sätze, die einem ewig im Gedächtnis bleiben. Wie der, der während eines Essens vorletzte Woche fiel: „Ach, wie schön ist es, dass wir Jahreszeiten haben! So könnte man den Frühling nie so genießen!“
Das kam aus vollem Herzen aus dem Mund meiner Bekannten. Wir hatten uns vorher über das Fahrradfahren unterhalten. Sie fährt zu jeder Jahreszeit, aber im Winter in mehrere dicke Schichten gepackt. Langsam kann sie sich Stück für Stück davon befreien. (Fotos: Patrick Schrepf)
Ich persönlich versuche es immer wieder, bin aber eine typische Warme-Jahreszeit-Radlerin 😉



Das wird sich auch nicht mehr ändern. Basta. Aber zurück zu den Jahreszeiten. Sprechen wir jetzt nicht über das Wetter, das man nicht ändern kann. Völlig sinnlos, sich darüber aufzuregen. Aber geht es euch auch so, dass Ihr euch am Ende des Winters überhaupt nicht mehr vorstellen könnt, wie das ist, im T-Shirt draußen zu sitzen und zu SCHWITZEN???
Umgekehrt im Hochsommer: du schaust einen Film mit Schnee an und kannst dir die Kälte einfach so gar nicht mehr in Erinnerung rufen?
Komisch oder? Ein paar Monate Dunkelheit verändern dann wieder alles von Grund auf. Und dann das Aufwachen an einem der letzten Tage im Februar, wenn plötzlich am Morgen gerade die Sonne auf geht und alles hell wird.



(Vergessen wir mal den Staub und Dreck in der Wohnung, der plötzlich wieder überall sichtbar wird…)
Jedes Jahr denke ich dann wieder: ach, nur diesen einen Frühling noch! Die Freude, wenn die Büsche und Bäume die hellgrünen Knospen zeigen. Wenn die Menschen plötzlich wieder draußen vor den Cafés sitzen und das Lachen in den Gassen erklingt.
Blüten, Insekten, dicke Hummeln…
Immer fühlt es sich wie ein Neustart, ein kompletter Neubeginn an. Es muss nicht viel passieren. Den ersten Kaffee am Morgen in der Sonne trinken – vielleicht noch im Mantel, aber immerhin. Mittags die Jacke ausziehen, weil es zu warm wird…



Im Sommer dann die Haare am Morgen lufttrocknen lassen auf dem Fahrrad. Nur in ein Kleid und Schlappen schlüpfen, unbezahlbar. Der erst kühle Septembertag nach einem langen heißen Sommer. Das Blau des Himmels, das plötzlich anders ist. Klarer.
Im Winter ohne jedes schlechte Gewissen ein ganzes Wochenende auf der Couch verbringen, in die dicke Lieblingsdecke gehüllt. 25 Folgen der Lieblingsserie schauen…
Aber nur im Frühling spüre ich diese Leichtigkeit, dass wieder alles möglich ist. Dass wir uns freuen dürfen, auch wenn die Weltlage alles andere als rosig ist. Ich schöpfe wieder Hoffnung – auf einen Neuanfang, dass am Ende die Liebe, die Wärmer und die Freude siegen werden. Oder wie es der großartige Eduard Mörike so trefflich in DEM Frühlingsgedicht ausdrückt:



Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab ich vernommen!
In diesem Sinne wünsche ich euch einen Frühling voller Sonne, shine bright!
Eure Ursula
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