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Sommerlektüre – fünf Empfehlungen

24. Juli 2019

Sobald der Bücherstapel auf meinem Nachttisch zu schrumpfen beginnt, macht mich das sehr nervös. Seit ich lesen kann, liebe ich es, in Geschichten zu versinken. Leider komme ich manchmal nicht so richtig dazu. Aber vor allem im Urlaub werde ich wieder gierig… Während einer mehrwöchigen Reise durch Mexiko ging mir einmal die Lektüre aus. Schrecklich. Dank meines Kindles, der mich auf Reisen immer begleitet, kann das kaum mehr passieren. Zuhause lese ich aber immer noch lieber gedruckte Bücher. Und hier sind einige Empfehlungen für euch:

Tracy Baron: Das wilde Leben der Cheri Matzner (Diogenes 2019, 500 Seiten) – mein Schweizer Lieblingsverlag hatte eigentlich den Titel “Thanksgiving” auf dem Cover, den ich passender fand, denn so wild ist das Leben des Adoptivkindes gar nicht. Alles beginnt in Italien, wo sich der amerikanische Radiologe in die Italienerin Cici verliebt, die ihm schließlich – gegen den Willen ihrer Eltern – in die USA folgt. Cici wird dort nicht so richtig heimisch, als sie endlich schwanger setzt sie alle Hoffnung in ihre Zukunft als Mama. Doch tragischerweise verliert sie das Kind und stürzt in eine tiefe Depression.

Solomon will sie retten und “organisiert” ein Baby, das von einer minderjährigen Mutter in seinem Krankenhaus verlassen wurde.

Und so nimmt die Geschichte ihren Lauf. Wer lange Familiengeschichten mit vielen Wendungen mag, ist hier genau richtig. Tracy Baron arbeitete früher als Theater- und Drehbuchautorin, das merkt man dem Buch an, es könnte sofort verfilmt werden. Spannend ist es außerdem noch, und die Figuren sind vielschichtig und glaubwürdig. (Rezensionsexemplar vom Verlag, danke!)

Martin Walker: Menu surprise: Der elfte Fall für Bruno, Chef de police (Diogenes 2019, 432 Seiten) – die Bücher des britischen Multitalents haben inzwischen Kultstatus erreicht. Im elften Band agiert Bruno auch in Pamelas neuer Kochschule als Dozent zum Thema Ente in verschiedensten Zubereitungen und wird befördert. Und natürlich passiert wieder ein aufsehenerregender Kriminalfall im beschaulichen Périgord: eine Kursteilnehmerin, die junge Frau eines britischen Geheimdienstoffiziers wird ermordet im Haus ihres Geliebten aufgefunden, der sich anscheinend danach erhängt hat. Anscheinend nur natürlich. Wer sich auf einen kulinarischen Frankreich-Urlaub ein- oder ausstimmen will: voilá und bon appétit! (Rezensionsexemplar, danke!)

Kristen Bailey: Tütensuppenglück: Ein Familienroman (Rowohlt Taschenbuch Verlag 2018, 448 Seiten) – die britische Autorin hat allerhand in ihre Seiten gepackt: Juliet ist als 20-Jährige ungewollt schwanger geworden (Kondom geplatzt) von einem Mitstudenten, der sie eigentlich nur über den Ex hinweg trösten sollte. Nachgelegt wurde kurze Zeit später mit Zwillingen und dann nochmal mit einem kleinen rothaarigen Mädchen (aus Faulheit, keiner von beiden wollte ein Kondom holen…). Jools, wie sie auch genannt wird, wurde auch noch mit zehn Jahren von ihrer Mutter verlassen, was sie und ihre beiden jüngeren Brüder bis jetzt nicht wirklich verkraftet haben… Darüber wird aber – wie über so vieles andere – nicht geredet.

Ihre italienische Schwiegermutter Gia ist auch nicht glücklich mit der Ehe ihres geliebten Sohnes, der wegen der Großfamilie einen ungeliebten Buchhalterjob ausüben muss.

Trotzdem geht es eigentlich gemütlich und lustig in der sechsköpfigen Familie zu – bis Jools eines Morgens in völlig desolatem Zustand (kein BH unterm Shirt, verstrubbeltes Haar etc.) im Supermarkt auf den immer wie aus dem Ei gepellten Fernsehkoch Tommy McCoy trifft, der in seinen Sendungen Einkaufswägen durchforstet und die Menschheit zu gesünderem Essen bekehren will. Prompt findet er auch Fischstäbchen und Fertig-Muffins und will Jools das Besseressen lehren. 
Übermüdet und gestresst wie sie ist, lässt sie sich nicht als Rabenmutter beschimpfen, ihr platzt vor laufender Kamera der Kragen. Mit unvorhersehbaren Konsequenzen: das Video gelangt auf YouTube und wird dort tausende Male angeklickt. Sie erfährt mehr Zuspruch von anderen Müttern als erwartet und wird flugs zu einer Ikone der “normalen” Familienesskultur. Doch der mächtige Geschäftsmann McCoy gönnt ihr die mediale Aufmerksamkeit nicht: er lässt Journalisten für sich arbeiten, streut Verleugnungen, seine Frau überrascht Jools in einer Fernsehsendung  – und schließlich fordert er sie vor laufender Kamera zu einem Kochwettbewerb heraus …

Währenddessen tauchen auch die verschollene Mutter und der Ex wieder auf.

Ehemann Matt fühlt sich unverstanden und will den ganzen Rummel nicht. Gia bringt Jools Rezepte bei, ihr Vater, der die drei Kinder allein groß gezogen hat, auch. Das ist wie gesagt sehr viel auf einmal, aber spannend und amüsant zu lesen. Und wer gewinnt? Im Leben und im Fernsehen? Das wird an dieser Stelle natürlich NICHT verraten. Für Mütter und Foodies bestens geeignet das Buch! Und natürlich als leichte Sommerlektüre… (Ein Rezensionsexemplar wurde mir vom Verlag zur Verfügung gestellt, danke!)

Sonja Heiss: Rimini (Kiepenheuer&Witsch 2017, 400 Seiten – und das ist mal wieder eine richtig gute Familiengeschichte aus Deutschland: Hans ist mit der eleganten Ellen verheiratet, erfolgreicher Anwalt, hat ein tolles Haus, zwei entzückende Kinder, aber seitdem er das Rauchen aufgegeben hat und seine Frau keinen Sex mehr will, kommt die Wut seiner Kindheit wieder voll zum Ausbruch. Er tritt Türen ein, bricht Stifte entzwei, trinkt zu viel und verliebt sich schließlich in seine Analytikerin, zu der gehen muss, um seine Ehe zu retten.

Seine Schwester Masha ist Schauspielerin, mit dem Arzt Gregor zusammen und geht kinderlos schwer auf die 40 zu. Plötzlich hätte sie gern ein Kind mit Gregor, kann ihn aber nicht mehr riechen – im wahrsten Sinne des Wortes.

Doch woher jetzt einen neuen Vater nehmen?

Die Eltern der beiden, Alexander und Barbara, müssen sich nach 40 Ehejahren in ihr Leben als Rentnerpaar einrichten, wobei Alexander keine Minute ohne seine Frau sein kann, während die vor so viel Nähe immer wieder regelrecht flüchtet. Das ist alles sehr drastisch erzählt, ist aber ungemein spannend und herrlich ironisch. Auch wenn einem oft das Lachen im Halse stecken bleibt. (Exemplar selbst gekauft!)

Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann (DuMont Buchverlag 2019, 320 Seiten) – ein ganz bezauberndes Buch und zurecht ein Spiegel-Bestseller. Es geht in erster Linie um die Westerwälderin Selma und ihre Enkelin Luise, deren Mutter immer beschäftigt und deren Vater auf Weltreise ist. So wächst die Kleine in erster Linie bei der Großmutter und deren besten Freund, den Optiker auf. Wenn Selma im Traum ein Okapi erscheint, stirbt jemand im Dorf, Luise verliebt sich in eine buddhistischen Mönch, der in Japan lebt. Vorher passiert aber mir ihrem Freund Martin ein schreckliches Unglück…

Allerlei skurrile Gestalten bevölkern dieses liebevoll erzählte Buch, das einen lachend, manchmal weinend und wieder staunend über das Leben zurück lässt.

(Exemplar selbst gekauft!)

So, hoffentlich für alle etwas dabei? Zum Schluss noch ein Geheimtipp für alle Leseratten: die besten Tipps geben die Autorin Mareike Fallwickl als the_zuckergoscherl auf Instagram (ihr Roman “Dunkelgrün fast schwarz” ( Frankfurter Verlagsanstalt 2018) ist übrigens auch wärmstens zu empfehlen!) und der Literarische Nerd Florian Valerius, der eine riesige Instagram-Gemeinde hat. Zusammen haben sie eine Buch geschrieben, auf das ich mich sehr freue. Es erscheint im August! Demnächst mehr…

Dieser Beitrag enthält Affiliatelinks: wenn ihr die Bücher über diese kauft, kostet euch das keinen Cent mehr, ich verdiene ein paar Cents. 😉

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